Gartenstadt Farmsen – eine Siedlung mit sozialem Anspruch

Uwe Jentz zu Besuch beim Bezirksseniorenbeirat, um über Wohnungen für Ältere zu berichten

Uwe Jentz, Vorstand der Mieter- und Wohnungsbaugenossenschaft, erzählt gern die Geschichte der Gartenstadt Farmsen, die heute 2600 Wohneinheiten und 900 Reihenhäuser umfasst.

Die ersten Bewohner zogen Mitte der 50er Jahre ein, die Paechbrot Bäckerei hatte das Gelände für 1 Mark gekauft, die laufenden Kosten waren aber bald zu hoch. Die Stadt übernahm, und unter ziemlichen Anlauf-Schwierigkeiten konnte 1992 dann endlich die  Genossenschaft starten. Fördermittel waren zu dem Zeitpunkt sehr günstig zu bekommen, und alle Einnahmen wurden sofort wieder investiert. Aus dem Verkehrswert von ursprünglich 50 Millionen wurden 250 Millionen, der Wert des Areals hat sich also verfünffacht.

Heute versucht die Genossenschaft, die Struktur stabil zu halten. Farmsen galt früher als Rockerhochburg, Uwe Jentz hat diese Zeit selbst als Bademeister im Freibad Farmsen, einem Brennpunkt der Szene, erlebt. Während dieser Zeit gab es ziemliche Probleme auch in der Gartenstadt, einige Gebäude verwahrlosten, was schnell zu einer Abwärtsspirale führte. Die Bewohner*innen identifizierten sich nicht mehr, das Klima in der Siedlung wurde zusehends schlechter.

Die Geschäftsstelle der Mieter- und Wohnungsbaugenossenschaft

Die Häuser müssen in Pastellfarben gestrichen werden

Das ist zum Glück längst vergessen. Alle Wohneinheiten werden regelmäßig in Stand gesetzt. Und man freut sich inzwischen über ältere Bewohner*innen, die für eine gewisse soziale Stabilität sorgen, und versucht sie, solange es geht, zu halten. Und das gelingt ganz gut, es werden neue barrierefreie Wohnungen gebaut oder ältere Häuser und Wohnungen entsprechend umgerüstet. Auch sonst sind ist die Gartenstadt gut aufgestellt, hat 3000 qm Sonnenkollektorfläche für Warmwasser, und alle Häuser sind so gut wärmegedämmt, dass die Nebenkosten weit unter dem Durchschnitt liegen. Die Beleuchtung der Wege wurde auf LED umgestellt und die Sichtachsen werden freigeschnitten, das schafft ein größeres Sicherheitsgefühl für die Bewohner. Für Begegnungen gibt es ausreichend Bänke und wenig Einbrüche, weil die Nachbarn gegenseitig aufpassen. Parkplätze werden nach sozialen Kriterien vergeben.

Bei der Beschilderung kommt ein wenig der erhobene Zeigefinger durch – aber man kann etwas lernen…

Jetzt hat die Genossenschaft allerdings ein Problem mit dem Bau barrierefreier Wohnungen für Senioren. Zuschüsse gibt es nämlich nur, wenn bestimmte Mindestabstände eingehalten werden, da man vom worst case ausgeht, das Leben mit Gehwagen oder Rollstuhl, die viel Platz zum Rangieren brauchen. Deshalb werden 60 qm-Wohnungen mit einem offenen Raum für Wohnzimmer und Küche und einem extra Schlafzimmer gebaut, nur dann können die festgelegten Maße für die Barrierefreiheit eingehalten werden. Die meisten älteren Menschen brauchen diesen Platz für einen Rollstuhl aber (noch) nicht, wenn sie einziehen. Dafür hätten sie lieber ein zusätzliches Zimmer, das auch ganz klein sein kann. Hauptsache, man kann ein Bett hineinstellen, falls die Enkel zu Besuch kommen oder der Partner schnarcht. Da die neuen barrierefreien Wohnungen diese Möglichkeit nicht haben, brauchte die Genossenschaft fast ein Jahr, um zu vermieten, so Uwe Jentz.

Deshalb kam die Frage auf: Sollte man in Zukunft nicht lieber bedarfsgerecht und flexibel bauen? Zum Beispiel, indem man zunächst eine Leichtbauwand einzieht, die die Zimmerabtrennung möglich macht? Die könnte dann schnell und einfach wieder herausgenommen werden, wenn tatsächlich ein Bewohner auf Rollstuhl oder Gehwagen angewiesen ist.

Professor Kritzmann vom Verein Barrierefrei Leben e.V. schlägt vor, weiter barrierefrei zu bauen und den zukünftigen Mietern das Recht einzuräumen, eine Leichtbauwand hinzuzufügen. Oder anstelle einer Wand einen Einbauschrank einzubauen. Dabei würde ein hoher Schrank aufgestellt und so eingepasst, so dass er die Zimmer wie eine Wand trennt und meist besser isoliert als eine Leichtbauwand, wenn er mit Kleidung bestückt wird. Man spart dabei die Tiefe der Wand und könnte den Schrank sogar von beiden Seiten aus benutzen.

Die Grünen Alten feiern den #Weltseniorentag

Demnächst soll es auch in Taiwan Flashmob und Disco für Ältere geben

Viele Tausend Karten wurden in Hamburg und Umgebung verteilt

Am 1. Oktober war Weltseniorentag – und die Grünen Alten haben zum ersten Mal zusammen mit anderen Organisationen in die Schanze eingeladen und so richtig gefeiert, mit Flashmob, Silent Disco und Senior Speeddating. Als einzige Parteien-Vertretung übrigens.

Initiatorin der Aktion ist Dagmar Hirche vom Verein WADE (Wege aus der Einsamkeit e.V.), die vor fünf Jahren zum ersten Senioren Flashmob aufgerufen hatte – seitdem wird jedes Jahr am 1.10. gefeiert, und es kommen immer mehr Menschen dazu. Diesmal trafen wir uns vor dem „Knust“ und außer vielen sehr netten Besucher*innen waren auch alle dabei, die in der Szene Rang und Namen haben: Oll inklusiv, Kulturistenhoch2, BrigitteWIR, Eben im Leben e.V. , die Medienboten der Bücherhalle Hamburg, Clubkinder e.V., Seniorenmagazin Hamburg, Clownin Rosalore, die Hamburgische Brücke… Es entsteht eine Altenbewegung, die nicht nur über Pflege und Alzheimer reden will, sondern darüber, dass sie sich aus vielen Bereichen ausgeschlossen fühlt: aus coolen Clubs, Versicherungen, Jobs, Ehrenämtern, der Partei…

Die Presse war stark vertreten mit mehreren Radio- und Filmteams.

Mitra Kassai, bekannt als DJ Rita von Oll inklusive, legte auf, und die Tanzfläche füllte sich nach kürzester Zeit. Die älteste Tänzerin war 95, ließ ihren Rollator in der Ecke stehen, setzte sich die blau leuchtenden Kopfhörer auf und ab ging die Post!

Kalle von den Grünen Alten hatte Spaß

Die Silent Disco im NDR Hamburg Journal

Kalle von den Hamburger Grünen Alten wollte zwar nicht tanzen, hatte aber auch beim Eierlikörtrinken sichtlich Spaß. Und aus Taiwan war extra eine Delegation angereist,  die das Konzept von Flashmob und Silent-Disco nun in ihrer Heimat umsetzen will.

Im Gemeindehaus der Hauptkirche St. Michaelis fand zur gleichen Zeit die Festveranstaltung des Landesseniorenbeirates mit dem ersten Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher und Vorträgen statt. Tschentscher verwies darauf, dass die Zahl der Über-65-Jährigen von 370.000 bis 2035 auf 425.000 steigen werde, ein Drittel von ihnen werde über 80 Jahre alt sein.

Die Weichen für den demografischen Wandel sollten jetzt gestellt werden!

Über den schwierigen Neubeginn nach der Flucht

Veranstaltungshinweis vom Haus am See:

Dieses bunte Deutschland: Über den schwierigen Neubeginn nach der Flucht

19. Oktober 2018 · 19 Uhr · FILM UND DISKUSSION · EINTRITT FREI

Ein Jahr lang haben Filmteams vier Geflüchtete in Deutschland begleitet: Die junge Syrerin Samiha hat die Flucht ins Allgäu verschlagen, wo sie den Traum lebt, eines Tages ihr Inge­nieur-Studium fortsetzen zu können. Im sächsischen Pirna lebt der 17-jährige Afghane Said bei einer deutschen Ersatzmutter und hofft auf einen Ausbildungsplatz als Tischler. In Berlin kämpft der Syrer Hasan, ein ehemals erfolgreicher Geschäftsmann, um den Nachzug seiner Familie. Und im brandenburgischen Groß Schönebeck versucht die Tschetschenin Zainap über ihre Arbeit in einem Kindergarten Anschluss an Deutsche zu finden. Eine beeindruckende Dokumentation über vier unterschiedliche Schicksale, die eines verbindet: Sie sind vor Krieg und Terror geflohen und müssen nun lernen, sich in einem fremden Land zurechtzufinden. Es ist ein schwieriger und mutiger Neubeginn zwischen Hoffen und Warten, Träumen und Rückschlägen und auch zwischen helfenden, offenen Mitbürgern und feindseligen Ressentiments.

Diskussion mit Aydan Özoguz, Bundestagsabgeordnete und Eric Laugell, Sozialdezernent Hamburg-Wandsbek und zwei Nachbarschaftsmüttern

Haus am See Hohenhorst Schöneberger Straße 44 · 22149 Hamburg

Kontakt: Torsten Höhnke · Telefon: 040 66851410 www.haus-am-see-hohenhorst.de

Gut leben im Quartier – auch im Alter

Die Expert*innen der Podiumsdiskussion; Foto Jörn Meve

Die Idee für die Veranstaltung „Senioren leben im  Quartier“ war im größten Hamburger Bezirk, in Wandsbek, nach einer Heimtour entstanden. Dabei werden auf Initiative des Bezirksseniorenbeirates Pflegeheime besucht, um sie besser kennenzulernen. Während der Tour tauchte die Frage auf, welche Alternativen es zu Heimen gibt, weil die meisten Menschen doch lieber so lange es geht in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben möchten. Der Bezirksseniorenbeirat (BSB) entwickelte bald ein entsprechendes Konzept für einen Fachtag, um über die Beratungsmöglichkeiten in Sachen ambulante Pflege, Barrierefreiheit für zu Hause, finanzielle Unterstützung etc. zu informieren. Dieser Fachtag hat nun stattgefunden, mit sehr guten Referent*innen, einer kurzen Podiumsdiskussion und intensiven Gesprächsrunden.

Der Verein Barrierefrei Leben e.V.  gab einen umfassenden Überblick über mögliche Umbaumaßnahmen für Bad, Küche und Hauszugang und empfahl, einen Besuchstermin zu vereinbaren, da man sich gratis und neutral beraten lassen und in einer Musterausstellung Barrierefreiheit auch erleben kann. Auch auf der Homepage des Vereins gibt es reichlich Informationen zur Wohnberatung.

Diskussion in den Arbeitskreisen

Anschließend ging es um eine gute Nahversorgung, was bedeutet:  Güter des täglichen Bedarfs  sollen in einem Umkreis von 500 bis 800 Metern von der Wohnung fußläufig erreichbar sein. Keine Stadtplanungsbehörde kann natürlich ein Geschäft zwingen, an einen bestimmten Ort zu kommen – aber durch Auflagen und Förderung lässt sich vieles steuern. Bei Planungen für Neubaugebiete ist es z.B. ideal, wenn die Erdgeschoss-Ebenen als Läden, Arztpraxen oder für gastronomische Betriebe genutzt werden,  darüber wird gewohnt.

Generell kann man sagen, dass heute im nördlichen Teil von Wandsbek mit seinem hohem Anteil an Grünflächen und Einzelhäusern die Nahversorgung schlechter ist als im Zentrum. Negativ wirken sich auch Supermärkte auf der grünen Wiese aus, da sie Kapazitäten von kleineren Läden, die zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden, abziehen.

Auch wenn in Wandsbek eigentlich genügend Arztpraxen vorhanden sind, bekommt man oft nur schwer einen Termin, hat lange Wartezeiten und Hausärzte weigern sich, ins Haus zu kommen, obwohl sie zum Hausbesuch verpflichtet sind. Am besten, so rät das Fachamt Gesundheit, sollte man seine Ärztin oder seinen Arzt schon einmal fragen, wie sie oder er es mit Besuchen hält, bevor man darauf angewiesen ist. Und wer allein nicht mehr auf den Facharzt-Stuhl kommt, kann sich erkundigen: Es gibt entsprechend barrierefreie Praxen.

Mittags gibt es Würstchen – diesmal auch mit veganer Variante

Die bezirkliche Seniorenberatung berät Bürger*innen ab 65 Jahre und ist zuständig bei allen Fragen zur häuslichen Pflege und Hilfen im Haushalt und deren Finanzierung. Dort werden ambulante Dienste vermittelt, die Suche nach einem Heimplatz unterstützt und man arbeitet eng mit dem Sozialamt und dem Grundsicherungsamt zusammen.

Pflegestützpunkte  verstehen sich als Pflegelotsen, wenn Leute nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Die Berater*innen kennen alle Fachstellen für häusliche Umbaumaßnahmen, für Leistung und Finanzierung der Pflegeversicherung, ambulante Pflegedienste oder zum Einbau von einem Hausnotrufsystem.

Die verschiedenen Pflege-Organisationen hatten viele Informationen dabei

Die Diakonie mit ihrer Angehörigen Schule weist darauf hin, dass es vermutlich allein in Hamburg 40.000 bis 100.000 pflegende Angehörige gibt, genaue Zahlen sind nicht bekannt. In der Regel sind es Laien, die 70% der Pflegearbeit leisten! Zur Zeit können sich erwerbstätige Angehörige maximal 10 Tage Auszeit am Arbeitsplatz nehmen, um ambulante Pflege oder Heimunterbringung zu klären – und ausreichend finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite ist leider nicht zu erwarten.

Die Alzheimer Gesellschaft Hamburg e.V. ist ein Verein mit 15 Teilzeit-Angestellten und 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, die gut aufgestellt sind. Es gibt inzwischen einen Treffpunkt für Menschen mit beginnender Demenz, einen Chor mit Sänger*innen mit und ohne Demenz und sogar eine Sportgruppe im Stadtteil Volksdorf. Ziel des Vereins ist es, dass sich demente Menschen nicht zurückziehen, sondern weiter am Leben teilhaben können.

Dem ASB (Arbeiter-Samariter-Bund)-Sozialstation im Stadtteil Jenfeld/Tonndorf ist es wichtig, dass ihr Mitarbeiterstamm überschaubar ist, und sie eine gute Beziehung zu den Pflegefällen haben. Bei einem ersten Besuch wird darüber informiert, welche Hilfen installiert werden können und welche Kosten auf die Patienten zukommen.

Frau Gust von der Behörde für Verbraucherschutz ist auch die Teilhabe älterer Menschen wichtig, die nicht mehr so mobil sind

 

Nach der Podiumsrunde informierte die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz über Teilhabemöglichkeiten im Quartier. Wichtig ist eine ausreichende Zahl an Gemeinschaftsräumen, damit Menschen die Chance haben, sich regelmäßig treffen zu können. Und natürlich sind auch nachbarschaftliche Kontakte sehr bedeutend. Um die zu koordinieren wäre ein Quartiersmanagement gut. Man könnte auch Fahrdienste für Arztbesuche organisieren. Wohngemeinschaften werden zur Zeit hauptsächlich für demenzkranke Menschen gegründet.

Nach soviel Input gab es erstmal eine Stärkung mit Kartoffelsalat und Würstchen – wer wollte, bekam sogar ein veganes!

Dann ging es in die Arbeitsgruppen, um mit den Referenten intensiver ins Gespräch zu kommen. Man konnte wählen zwischen zwischen drei Themenkreisen: „Altersgerechtes Wohnen“, „Pflege und Betreuung“ und „Gemeinsam statt einsam“.

Die Diskussions-Ergebnisse aus den verschiedenen Gruppen wurden am Ende in einer letzten Gesprächsrunde vorgestellt. Den Abschluss bildete ein tolles Kuchenbuffet, gespendet von einem BSB-Mitglied! Dabei ließ sich noch gemütlich weiterreden – oder man informierte sich an den vielen Ständen der Beratungsstellen, die auch Flyer und Infomaterial bereit hielten.

Die Mischung aus Vorträgen und Gesprächssrunden wurde sowohl von den Expert*innen als auch von den Teilnehmer*innen als sehr gelungen betrachtet, ein gutes Modell für zukünftige Veranstaltungen!

Kreismitgliederversammlung zum Bezirkswahlprogramm

Bei der letzten KMV noch im Bauch, diesmal schon dabei: Maryams und Jans Baby hat die Sitzung – abgesehen von kurzen Trinkpausen – einfach verschlafen

Die Sitzungsleitung mit Moderator Rainder Steenblock, Alice Buxton, die protokolliert und Kreisgeschäftsführer Eckhard Heumeyer, der Änderungsvorschläge gleich in den Text einpflegt

Diese Kreismitgliederversammlung (KMV) hatte es in sich: Punkt für Punkt wurde der Textentwurf „Sozialer Zusammenhalt im Bezirk“ für das neue Bezirkswahlprogramm durchgegangen, den die Schreibgruppe verfasst hatte. Das ursprüngliche Konzept hatte Maryam Blumenthal, Kreisvorstands-Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der Bezirksfraktion, auf der Grundlage der öffentlichen Workshops im Bezirk entworfen. Ich habe es anschließend redaktionell überarbeitet und noch den einen oder anderen Vorschlag speziell für ältere Menschen hinzugefügt, und anschließend ging der Entwurf an die Fachsprecher*innen der Fraktion.

 

Etwa 30 grüne Mitglieder waren gekommen, darunter viele neue Gesichter

Der Programmteil „Soziales“ wurde verabschiedet, „Umwelt und Verbraucherschutz“ andiskutiert

Alles zusammen lag nun also der KMV vor, die etwa dreieinhalb Stunden brauchte, um diesen  Programmteil Absatz für Absatz durchzugehen. Abschließend wurde der gesamte Text verabschiedet und der zweite Programmteil, „Natürlicher und gesunder Bezirk“ andiskutiert. Konkret sollen die Änderungsanträge auf der nächsten KMV diskutiert und beschlossen werden.

Moderator der Sitzung, Rainder Steenblock vom Kreisvorstand, gab noch kurz einige Informationen zur Bundesdelegiertenkonferenz im November in Leipzig, auf der die Kandidaten für das Europaparlament gewählt werden.

Vor der KMV  hatte es noch ein Neuentreff gegeben, zu dem wieder viele neue grüne Mitglieder aus Wandsbek erschienen sind, um ihre Fragen zur möglichen Mitarbeit loszuwerden.

Alice, die bei einer der der letzten KMVs auch zum Neuentreff gekommen war, ist übrigens inzwischen Mitglied im Kreisvorstand und hat während der KMV Protokoll geführt.

Die Programmtexte stehen jetzt auf der Webseite bezirkswahl-wandsbek.antragsgruen.de, auf der auch Änderungsanträge gestellt werden können.

Grüne Alte: der erste Schritt in die Partei ist gemacht!

Begrüßung mit Petra Elsenheimer, links, Sprecherin der Grünen Alten in Hessen, Kai Klose, Landesvorstand und Staatssekretär in Hessen, Antonia Schwarz, Vorsitzende der Grünen Alten aus Berlin und Moderatorin Heike Leitschuh (ganz rechts)

Über 70 Grüne Alte waren aus 8 Bundesländern gekommen

Die Begrüßung über­nahmen Antonia Schwarz, Bundes­sprecherin der Grünen Alten,  Petra Elsen­heimer, Sprecherin in Hessen und Kai Klose, Vorsitzender der GRÜNEN Hessen, Staatssekretär und eigentlich mitten im Wahlkampf. Toll, dass er sich Zeit genommen hatte, zu kommen!

Antonia stellte klar, dass die Grünen Alten mehr Einfluss und Gewicht in der Partei wollen, schließlich seien 22% aller Grünen über 60.  Angestrebt sei deshalb eine Satzungsänderung mit dem Ziel, einen Altenrat zu gründen, bei einer BDK Anträge stellen zu können und mehr Unterstützung durch den Bundesvorstand bei der Gründung neuer Gruppen zu erreichen.

Petra Elsenheimer erzählte von der positiven Zusammenarbeit der Grünen Alten in Hessen, die zu allen Sitzungen des Landesvorstandes beratend eingeladen werden. Deshalb seien auch Vorschläge der Grünen Alten ins aktuelle Wahlprogramm eingeflossen.

Auch Kai Klose betonte, dass die Grünen Alten in Hessen den gleichen Status wie die Grüne Jugend hätten und  wie gut die Zusammenarbeit funktioniert.

Dann ging es weiter mit einer hochkarätig besetzten Podiums-Diskussion. Dabei waren:

Dagmar Hirche vom Verein „Wege aus der Einsamkeit“, die Ältere auf ungewöhnliche Weise erreicht: Sie z.B. organisiert Flashmobs (auch Blitzaufläufe genant),  jetzt gerade zum Weltseniorentag am 1.10. Ihr Verein hat außerdem inzwischen 4000 Senior*innen das kleine 1×1 von Smartphone und Tablet beigebracht, und zwar gratis. Sie fordert kostenfreies WLAN in Seniorenheimen – und würde sich sehr wünschen, diese Forderung auch im grünen Wahlprogramm wiederzufinden. Das haben wir in Wandsbek gerade verabschiedet!

 

Podiumsdiskussion mit Carolina Brauckmann, links, Landesfachberatung gleichgeschlechliche Lebensweisen im Alter NRW und Dagmar Hirche, rechts, vom Verein „Wege aus der Einsamkeit“

Kordula Schulz-Asche, MdB, grüne Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik

Carolina Brauckmann, Landesfachberatung gleichgeschlechliche Lebensweisen im Alter NRW wünscht sich mehr Orte, an denen man sich mit 60+ zum Spaßhaben treffen kann. Es gäbe schon so viele Erkenntnisse für eine  lebendige Quartiersarbeit, aber an der Umsetzung hapere es. In den Niederlanden sei man schon viel weiter und hätte andere Altersbilder.

Kordula Schulz-Asche, grünes Mitglied des Bundestages, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik erklärte gleich, warum: In Deutschland geben wir nur 1% unseres Bruttoinlandproduktes für Pflege aus, in den Niederlanden sind es 4% und in Skandinavien sogar 5%. In Holland gibt es das Buurtzorg-Modell, ambulante Pflege mit sehr kleinem Einzugsgebiet und höchst motivierten, gut bezahlten Pfleger*innen, die sich für die Älteren wirklich Zeit nehmen können. In Deutschland, sagt sie, werde Altenpflege nicht geschätzt, es herrscht die Meinung vor, das kann jede*r machen:  „Wir müssen ehrlich sein, Probleme ansprechen und klären, wer bezahlt!“

Wilfried Ahrens von der Gruppe 50+ bei Greenpeace

Wilfried Ahrens vertrat die Gruppe 50+ bei Greenpeace, etwa 10 solcher Gruppen existieren in Deutschland. Die Älteren, die sich anschließen, wollen nicht Kaffeetrinken, sondern gemeinsame Aktionen umsetzen. Sie klettern zwar nicht mehr auf Schornsteine, aber der Vorteil der Älteren, so Wilfried Ahrens, sei: „Wir haben Zeit, können nicht mehr den Arbeitsplatz verlieren, weil wir Unliebsames tun – und wenn wir verhaftet werden, ist das auch nicht so schlimm.“ Zur Zeit kommen gerade ganz viele Menschen zu Greenpeace aufgrund der Rodung des Hambacher Waldes.

Wahlforscher Prof. Probst bei seinem überzeugenden Vortrag. Wer ihn ganz lesen will, kann das hier tun

Dann wurde es besonders spannend, als der Wahlforscher Prof. em. Dr. Lothar Probst aus Bremen erklärte, warum sich die Grünen mehr um die älteren Wähler*innen kümmern sollten. Bisher war die Generation 60+ offenbar eine Art Achillesferse für die Grünen, da sie in der Altersgruppe wenig punkten konnten. Man spricht in diesen Altersgruppen auch gern von der Adenauer- oder der Willy-Generation, die fest in CDU- bzw. SPD-Hand war, so Probst. Das hat sich offenbar geändert, seit die 68er in die Jahre gekommen sind. Differenziert man zwischen 60+ und 70+ werden die Grünen bei den jungen Alten zwischen 60 und 70 Jahren immer stärker!

Das dicke Plus: in dieser Altersgruppe werden die Grünen automatisch als Gegenpol zur AFD wahrgenommen, die gern von der versifften grünen 68-er-Generation reden.

Ein leckeres Buffet mit Kaffee, Wasser und Säften sorgte für Stärkung in den Pausen

Wie bei den Grünen generell, sind es auch bei den Älteren eher die Frauen, die grün wählen. Und da die Älteren überproportional wählen gehen (anders als die jungen Wähler*innen) und die 60+ Gruppe wächst, während die Gruppe der Jungen schrumpft, ist die 60+ Kohorte unter dem Strich für das Wahlergebnis der Grünen wichtiger als die der Jungen. Er empfiehlt der Partei deshalb, sich mehr als bisher an den Älteren zu orientieren. „Ältere entwickeln eine hohe Sensibilität für Zukunftsfragen: Sie wünschen sich eine gesunde Umwelt für ihre Kinder und Enkelkinder.

Ich wünsche mir eine gute digitale Vernetzung der Grünen Alten

Für wichtig hält er es, sich mit folgenden Themen zu beschäftigen: Die sichere und auskömmliche Rente, Älterwerden auf dem Land, Nahversorgung, Angebot an Ärzten und Krankenhäusern, die erreichbar sind. Außerdem mehr und bessere ambulante Betreuung, den Ausbau geriatrischer Abteilungen, die Förderung von gemeinsamen Einrichtungen für Jung und Alt, z.B. bei Kita und Pflegeheimen.

Ich habe mir eine digitale gute Vernetzung aller grünen Alten auf unserer Homepage gewünscht, mit allen Daten und Kontakten von Treffen der Grünen Alten und vielen lebendigen Kommentaren und Reaktionen auf Facebook- und Blogposts.

Katja Dörner überbrachte Grüße von Michael Kellner

Zum Schluss ging es noch einmal hoch her, als wir unseren Satzungsantrags-Vorschlag diskutieren wollten. Katja Dörner, Mitglied des Bundestages (MdB) und stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion erklärte gleich, dass sie nicht für den BuVo sprechen könnte. Aber generell könne sie schon sagen, dass wir Grünen generell keine Topdown-Partei seien, man könne nicht auf Bundesebene eine Teilorganisation gründen. Von Michael Kellner ließ sie ausrichten, dass es großes Interesse gäbe, die Grünen Alten zu unterstützen. „Wenn es noch keine Struktur gibt, dann wollen wir die gemeinsam entwickeln.“ Sie begrüßte auch sehr, dass bundesweit Grüne Alte nach Frankfurt gekommen sind. Aber, wir müssten erst bundesweit flächendeckend aufgestellt sein, bevor wir eine Teilorganisation gründen können. Sie kann sich nicht vorstellen, dass wir bereits 2020 auf einer BDK mit einem entsprechenden Antrag Erfolg hätten.

Das sehen wir natürlich anders, immerhin haben wir bereits Grüne Alte Gruppen in acht Bundesländern! Zum Vergleich: Bei der Gründung einer BAG müssen LAGs lediglich in fünf Ländern gegründet sein. Von mehreren Seiten kam der Vergleich von Henne und Ei: Wir kommen nicht weiter, weil die Strukturen fehlen. Aber wie sollen wir Strukturen aufbauen, ältere Grüne einladen, wenn uns die Landesverbände und Berlin nicht dabei helfen? Einige Landesverbände legen uns ja sogar regelrecht Steine in den Weg!

Katja riet, dass wir bei einem der regelmäßig stattfindenden BuVo-LaVo Treffen dabei sein sollten, um unser Projekt vorzustellen. Außerdem könnten wir ein GA-Treffen am Rande einer BDK organisieren  und hielt diesen, vom BuVo finanzierten Kongress für eine gute Starthilfe. Wir werden also eine Sitzung parallel zur nächsten BDK in Leipzig einberufen. Der erste Schritt ist gemacht, jetzt geht es weiter!