Die Bezirksversammlung Wandsbek hat beschlossen, den Gedenkort Höltigbaum um eine Namenstafel zu ergänzen, auf der die Namen aller während des Nationalsozialismus auf der ehemaligen Standortschießanlage hingerichteten Deserteure und Wehrmachtsangehörigen verzeichnet werden. Für die Umsetzung stellt die Bezirksversammlung bezirkliche Sondermittel in Höhe von bis zu 8.000 Euro bereit. Der Beschluss wurde von mehreren demokratischen Fraktionen gemeinsam getragen – ein bewusstes Zeichen: Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ist gemeinsame Verantwortung aller Demokratinnen und Demokraten, keine parteipolitische Angelegenheit.
Der Höltigbaum ist ein Ort nationalsozialistischen Unrechts. Hier wurden Menschen durch die Militärjustiz des NS-Regimes hingerichtet – Männer, die desertiert waren oder aus anderen Gründen in die Fänge eines verbrecherischen Systems gerieten. Sie waren keine anonyme Masse: Jeder Name steht für ein Leben, für eine zerstörte Zukunft, für eine Familie, die einen Sohn, einen Bruder oder einen Vater verlor. Mit der neuen Stelentafel erhalten 147 Opfer ihren Namen zurück – sichtbar, dauerhaft und öffentlich.
„Der Gedenkort Höltigbaum ist ein wichtiger Ort gelebter Erinnerung in unserem Bezirk. Die neue Stelentafel zeigt die Namen und das Alter der hier durch das NS-Regime hingerichteten Menschen. Diese Angaben sind Identifikationspunkte mit den Opfern und ermahnen uns, die Menschlichkeit niemals aus den Augen zu verlieren.”

Lisa Wagner
Mitglied der Grünen Fraktion
Der Antrag
Hintergrund
Die Bezirksversammlung Wandsbek hat in den vergangenen Jahren bereits wichtige Schritte unternommen: Seit 2003 besteht ein Gedenkort am Höltigbaum, der 2023 umgestaltet wurde. Am 27. Januar 2024 weihte die Bezirksversammlung dort die Stele zur Erinnerung an Herbert Klein ein – als Teil des „Wandsbeker Weges der Erinnerung an Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus“.
Die neue Namenstafel ist die konsequente Vollendung dieses begonnenen Weges. Sie soll gestalterisch und inhaltlich in das bestehende Gedenkkonzept integriert werden und die individuelle Dimension des NS-Unrechts sichtbar machen.
Die Hingerichteten am Höltigbaum wurden nicht nur vom NS-Regime verfolgt. Sie wurden auch nach 1945 noch viel zu lange stigmatisiert. Ihre Urteile blieben bestehen, ihre Angehörigen mussten mit dem Makel des angeblichen „Verrats“ leben. Erst Jahrzehnte später erkannte die Gesellschaft an, dass nicht die Deserteure Unrecht begangen hatten, sondern das Regime, das sie verfolgte und ermordete. Diese späte Rehabilitierung ist eine Verpflichtung. Die Namenstafel macht sie sichtbar – für Schulklassen, für Spaziergängerinnen und Spaziergänger, für junge Menschen, die vielleicht zum ersten Mal erfahren, was an diesem Ort geschehen ist.

