Quelle: Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp), Büro Gärtner und Christ

Olympia in Hamburg – ja oder nein?

3 Fragen an Christiane Blömeke, grüne Bürgerschaftsabgeordnete für Sport

Quelle: Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp), Büro Gärtner und Christ

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Christiane, was haben die Hamburger von einer Bewerbung für Olympia?

Als sportbegeisterte Hamburgerin sehe ich eher die Chancen, die mit einer Olympiabewerbung verbunden sind, als die Risiken. Das ist die Position, für die ich in den Diskussionen in unserer Partei werbe. Der Sanierungsstau bei den Sportstätten würde endlich aufgelöst werden und neue, moderne Anlagen könnten Hamburg als Sportstadt national und international noch attraktiver machen. Davon profitieren ja nicht nur Leistungssportler, sondern langfristig vor allem die vielen Vereine mit ihren tausenden Mitgliedern. Und es gäbe einen richtigen Schub für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Sport, angefangen von der Barrierefreiheit bis zu neuen Sportangeboten und den paralympischen Spielen. Schon allein durch die Bewerbung wäre dem Sport über Jahre viel Aufmerksamkeit garantiert!

Gigantismus, Korruption oder Doping – bei der letzten Olympiade gab es viel Kritik. Ist Olympia heute überhaupt noch zeitgemäß?

Ich wünsche mir andere Spiele, bei denen der faire sportliche Wettkampf und die Begegnung von Menschen aus verschiedenen Ländern wieder im Vordergrund stehen, nicht Profit und Prestige. Wer kritisiert, sollte zumindest auch den Versuch unternehmen, aufzuzeigen, wie es anders geht. Die Bewerbung Hamburgs ist eine Chance, diesen Beweis anzutreten. Ich werbe dafür, dass auch wir Grüne diese Herausforderung annehmen und unsere darin Rolle sehen, wenn es ernst wird, für tatsächlich nachhaltige, grüne und bezahlbare Spiel zu sorgen.

Zeitgleich haben Hamburg und Berlin ihre Konzepte für Olympia vorgestellt, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird spätestens am 6.Dezember entscheiden, welche deutsche Stadt dann ins olympische Rennen geschickt wird. Das letzte Wort bei der Entscheidung haben die Hamburgerinnen und Hamburger selbst: voraussichtlich im Frühjahr 2015 wird es ein Referendum geben.
Am Donnerstag, 4.9. lädt die grüne Bürgerschaftsfraktion um 19 Uhr ins Rathaus, Raum B, zur Diskussionsveranstaltung „Olympia in Hamburg“.

Gerade hat der Senat die ersten Planungen präsentiert – es sollen vor allem nachhaltige Spiele sein. Aus meiner Sicht ist dieser Ansatz gut. Das Konzept enthält vieles, was mir wichtig ist: ein Olympia der kurzen Wege, alle Veranstaltungsorte liegen dicht beieinander und sind mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Es gibt konkrete Pläne für die spätere Nutzung der neugebauten Sportlerunterkünfte, vor allem zum Wohnen; auf dem Kleinen Grasbrook wird ein neuer Stadtteil entstehen, der Hamburgs Norden und Süden noch besser verbindet.

Nach dem Desaster mit der Elbphilharmonie fragt man sich natürlich, kann Hamburg sich eine neue Großbaustelle überhaupt leisten? Allein die Bewerbung für Olympia soll ja schon 50  Millionen kosten…

Das ist natürlich ein entscheidender Punkt, es muss ein belastbares Finanzierungskonzept vorliegen, damit alle genau wissen, was an Kosten tatsächlich auf uns zukommt. Und es darf auf keinen Fall eine Verschuldung für Olympia geben, das ist aber auch so geplant. Ein Vorteil von Hamburg: Wir haben schon viele Stadien, die nur ausgebaut werden müssten: Hockey ist am Millerntor geplant, Hand- und Fußball im Volkspark, Tennis am Rothenbaum… Wenn alle Daten vorliegen, voraussichtlich im April, wissen wir mehr – und dann können alle Hamburgerinnen und Hamburger entscheiden, ob sie Olympia in Hamburg wollen oder nicht.

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4 Kommentare

  1. Holger Gundlach

    Oha – das liest sich ja fast schon wie ein Freifahrtschein für den Senat. Etwas mehr Skepsis den vollmundigen Worten des Senats gegenüber wäre wohl angemessener. Und eine 50-100 Mio. Euro teure Bewerbung als Chance zu sehen, den Beweis anzutreten, dass nicht Profit und Prestige die zwar verdeckten, aber entscheidenden Faktoren für Olympische Sommerspiele sind, erscheint mir zumindest solange recht blauäugig und kostspielig, solange nicht gesichert ist, dass das IOC dies will und zulässt.

  2. rainersiebern

    Ich finde die Olympiade an nur einem Standort wie Hamburg oder Berlin nicht mehr zeitgemäß. Viel zu hohe Kosten für die Planung, Durchführung und Nachbetreuung der Sportanlagen sind die Folgen und belasten den Haushalt der Stadt nachhaltig. Warum tragen nicht beide Städte Berlin und Hamburg gemeinsam die Olympiade aus? Die Touristen hätten mehr davon und die Städte auch. Gruß Rainer