
Katja Rosenbohm ist 54 Jahre alt, Informatikerin und wohnt mit ihrer Familie im Osten von Wandsbek, in Rahlstedt. Seit acht Jahren ist sie Parteimitglied und hatte in unserem Kreisverband schon einige Ämter, beispielsweise als Stadtteilgruppensprecherin und Kreisvorsitzende, inne. Aktuell ist sie Vorsitzende der Grünen Fraktion in der Bezirksversammlung Wandsbek und Beisitzerin im Kreisvorstand.
Wenn du dir eine Superkraft aussuchen könntest: Welche wäre das und warum?
Manchmal würde ich gerne die Zeit anhalten können, gerade in stressigen Phasen. Dann würde ich kurz durchatmen, Argumente sortieren und ruhig reagieren, statt in der politischen Hektik zu agieren. Andererseits gibt es auch Sitzungen, bei denen ich die Zeit gerne schneller nach vorne drehen würde, z.B. wenn bereits alle Argumente ausgiebig ausgetauscht sind, aber einige sich trotzdem nochmal zu Wort melden müssen. 😉
Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?
Am liebsten werkle ich in meinem Garten vor mich hin und pflanze so ziemlich alles an, was bunt ist oder lecker schmeckt. Sport mache ich jetzt leider nur noch im Fitnessstudio, weil meine Knie keine langen Läufe im Wandsetal mehr erlauben. Und dann liebe ich es, meinen Enkelkindern vorzulesen und mit ihnen Ausflüge zu machen.
Ach ja und ich feiere sehr gerne und gehe jedes Jahr auf das Wandsbeker Oktoberfest, natürlich im Dirndl.
Was ist dein ultimativer Serien- oder Filmtipp?
Wer sehen möchte, wie schnell sich eine liberale Gesellschaft in eine Diktatur verwandelt und wie Minderheitenrechte (hier Frauenrechte) als erstes geschleift werden, sollte “The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd” sehen. Diese Serie entstand nach einem Roman von Margaret Atwood.
Was war dein Traumberuf als Kind?
Ich wollte unbedingt Astronautin werden und die Erde von oben sehen. Da ich in der ehemaligen DDR aufgewachsen bin, hieß das noch “Kosmonautin” und mein Vorbild war die Russin Valentina Tereschkowa, die erste Frau im All.
Was ist dein Lieblingsort in Wandsbek?
Das ist der Wandsewanderweg, der von Rahlstedt über Tonndort nach Eilbek führt. Das ist eine wirklich schöne, grüne Strecke mitten in der Stadt. Man kommt zu Fuß oder mit dem Fahrrad am Botanischen Sondergarten und am Eichtalpark vorbei, kann Picknick-Pausen einlegen oder im Quarree shoppen gehen.
Was hast du dir schon oft vorgenommen, aber noch nie gemacht?
Ein richtig langer Wanderurlaub: 2-3 Monate am Stück auf einem der europäischen Fernwanderwege.
Wenn du eine Sache in Wandsbek alleine entscheiden dürftest, was wäre das?
Ich würde endlich die trostlose Wandsbeker Chaussee umbauen. Den Autoverkehr von 6 auf 4 Spuren reduzieren, breite Radwege anlegen und viele Bäume pflanzen, am liebsten Platanen, die mag ich sehr und sie halten Trockenheit aus. Und dann würde ich die Fußwege verbreitern, damit alle Cafés und Eisdielen ihre Tische rausstellen können.
Kannst du kurz erklären, was deine Rolle als Fachsprecherin für Klima-, Umwelt- und Verbraucherschutz in Wandsbek umfasst?
Wir sind 5 grüne Fraktionsmitglieder in diesem Ausschuss. Als Sprecherin bereite ich die Sitzungen für unser Team vor, spreche mit dem Bezirksamt und verhandle innerhalb unserer Koalition aus SPD, Grünen und FDP das Abstimmungsverhalten sowie die eingebrachten Anträge. Einmal im Jahr beschließen wir die Arbeitsprogramme des Bezirksamts Wandsbek für die Baumnachpflanzungen, Grünanlagen, Spielplätze und die Wasserwirtschaft. Wir achten dabei besonders auf soziale, Klima- und Umweltbelange. Auch für die Wandsbeker Wochenmärkte und nachhaltige Stadtteilfeste setzen wir uns im Rahmen des Verbraucherschutzes ein.
Welche Rolle spielt Wandsbek im Hamburger Klimaschutzkontext?
Wandsbek ist gemessen an der Einwohnerzahl der größte Hamburger Bezirk. Hier leben über 450.000 Menschen. Vor Ort setzen wir die Klimaziele der Freien und Hansestadt Hamburg ganz konkret um: etwa bei der Sanierung öffentlicher Gebäude, der Stadtplanung und der Flächennutzung. Grundlagen dafür liefert das Hamburgische Klimaschutzgesetz, dessen Wirkung sich erst auf Bezirksebene entfaltet. Mit seinen Schulen, Kitas und Sporthallen hat der Bezirk eine wichtige Vorbildfunktion für klimafreundliche Infrastruktur.
Gleichzeitig gestaltet Wandsbek über die Erstellung von Bebauungsplänen und die Durchführung von Straßensanierungen klimafreundliche Stadtteile und Mobilität mit. Auch wenn große Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene fallen, entscheidet sich hier in Wandsbek, wie ambitioniert der Klimaschutz tagtäglich umgesetzt wird.
Vor welchen Herausforderungen steht Wandsbek aktuell in Sachen Klimaschutz?
Wir befinden uns immer im Spagat zwischen Klimaschutz, Flächenkonkurrenz und Bezahlbarkeit von Maßnahmen. Zum einen geht es um die Vermeidung/Senkung von CO2-Ausstoß bei der Wärmeversorgung, beim Wohnungsbau und im Verkehr. Hier unterstützen wir die Klimaziele und die Maßnahmen des Senats. Zum anderen machen wir uns große Gedanken um Klimaanpassungsmaßnahmen. In Zukunft wird es heißere Sommer geben und mehr Starkregenereignisse. Deshalb setzen wir uns für mehr Bäume, mehr Beschattung von z.B. Spielplätzen und Schulhöfen ein, aber auch für mehr Entsiegelung von Flächen, damit Regenwasser abfließen und versickern kann, aber auch nicht ungenutzt in die Siele läuft (Stichwort Schwammstadt).
Was uns gerade bremst, ist die Rolle rückwärts der aktuellen Bundesregierung beim Klimaschutz. Die Umstellung auf klimaneutrale Wärme und Photovoltaik werden dadurch verzögert. Fördergelder sind unsicher geworden.
Welche konkreten Projekte oder Maßnahmen für Klimaschutz laufen derzeit in Wandsbek?
Auf unser Wirken hin gibt es ein integriertes Klimaschutzkonzept für Wandsbek. Der Klimaschutzbeauftragte des Bezirks sorgt für die Umsetzung und wir unterstützen ihn dabei.
Nachgelesen werden kann das hier: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/bezirke/wandsbek/themen/umwelt-natur-und-klimaschutz/klimaschutz/integriertes-klimaschutzkonzept
Ganz konkret steht im Mai die Eröffnung des umgestalteten Eichtalparks als Klimapark an. Hier wurden seit vergangenen Jahr mehrere Millionen Euro Bundesmittel für neue Wegeführungen, mehr Wasserauslauffläche (Auen) für die Wandse und klimaresistente Bäume und Pflanzen ausgegeben.
Unsere Parks und Grünanlagen erhalten wir, und entsiegeln dort so viel Fläche wie möglich. Außerdem haben wir in Wandsbek 11 Naturschutzgebiete, die 14% der Fläche des Bezirks einnehmen.
Regelmäßig werden in den einzelnen Stadtteilen die Gräben gepflegt und die Rückhaltebecken des Bezirks entschlammt und vergrößert, so wie aktuell das Rückhaltebecken ins Sasel, um bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen zu können. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass der neue Busbahnhof in Rahlstedt Photovoltaik auf dem Dach erhält und das forcieren wir auch für alle öffentlichen Gebäude, die nach und nach energetisch saniert werden. Mir geht es da oft zu langsam voran.
