Im Gespräch mit Mechthild Weber – Sprecherin der Wandsbeker GRÜNEN 60+ und Senior*innenpolitische Sprecherin in der Hamburgischen Bürgerschaft

Ich heiße Mechthild Weber, bin 66 Jahre alt, lebe seit fast 30 Jahren in Hamburg-Volksdorf und habe zwei erwachsene Kinder. Nach dem Abitur studierte ich Opern- und Konzertgesang und arbeite seitdem freiberuflich als Sängerin und Gesangslehrerin. Seit 2015 leite und organisiere ich den Regionalwettbewerb Jugend musiziert Hamburg-Ost.  Zusätzlich absolvierte ich eine Ausbildung zur Krankengymnastin und arbeitete im Albertinenhaus Hamburg. Seit April 2021 bin ich Mitglied bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Schon wenige Monate später wurde ich Sprecherin der Wandsbeker GRÜNEN 60+ und Mitglied des Kreisvorstandes. Dort vertrat ich unseren Kreisverband im Landesdiversitätsrat. Auf Bezirksebene war ich zunächst als zubenannte Bürgerin und später als Vorsitzende des Regionalausschusses Walddörfer sowie als Mitglied des Sozialausschusses Wandsbek aktiv. Von November 2024 bis September 2025 war ich Kreisvorsitzende der Grünen Wandsbek. Seit Mai 2025 bin ich Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft und Sprecherin für Senior*innenpolitik. Mit großer Freude übernahm ich im vergangenen Jahr die Schirmherrschaft für den Verein Yogahilft e.V. Außerdem bin ich Delegierte der Bezirksseniorenkonferenz Wandsbek.

Wenn du dir eine Superkraft aussuchen könntest: Welche wäre das und warum?
Menschen dazu zu bringen, einander wirklich zuzuhören, Verständnis füreinander zu haben und gemeinsam Konflikte zu lösen. Ich glaube, wenn wir das könnten, wären wir dem Frieden ein großes Stück näher.

Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?
Stricken, kochen, spazieren gehen.

Was ist dein ultimativer Serien- oder Filmtipp?
Am liebsten schaue ich Filme wie Pretty Woman, Notting Hill oder Erin Brockovich

Was war dein Traumberuf als Kind?
Als Kind hatte ich noch keinen konkreten Traumberuf – darüber habe ich mir schlicht keine Gedanken gemacht. Ich habe allerdings immer und überall gesungen. Vielleicht war mein Traumberuf also schon damals ziemlich eindeutig: Sängerin! 

Was ist dein Lieblingsort in Wandsbek?
Der Volksdorfer Wald und der Duvenstedter Brook. Dort könnte ich stundenlang spazieren gehen und die Schönheit der Natur genießen.

Was hast du dir schon oft vorgenommen, aber noch nie gemacht?
Eine richtig lange Wanderung ganz allein. Zum Beispiel von Hamburg bis zum Bodensee auf dem Europäischen Fernwanderweg. Die Idee finde ich großartig – nur bei der Umsetzung bin ich bisher erstaunlich konsequent gescheitert. 

Wenn du eine Sache in Wandsbek alleine entscheiden dürftest, was wäre das?
In jedem Stadtteil einen generationenübergreifenden Treff- und Beratungsort schaffen – hauptamtlich geleitet, dauerhaft und mit öffentlichen Mitteln auskömmlich finanziert. Dazu gehört für mich selbstverständlich auch eine öffentliche Toilette.

Was sind deine Aufgaben als Sprecherin der Wandsbeker GRÜNEN 60+?
Als Sprecherin der Wandsbeker GRÜNEN 60+ organisiere und gestalte ich vor allem unseren politischen Austausch. Jeden Monat veranstalte ich das „Politische Frühstück 60+“, das inzwischen regelmäßig rund 20 Menschen zusammenbringt.

Dafür lade ich Referent*innen aus Politik, Verbänden und Initiativen ein, etwa vom Sozialverband Deutschland, der AWO, der Alzheimer-Gesellschaft, „Älter werden unterm Regenbogen“ oder dem NABU.

Mir ist außerdem wichtig, gemeinsam unterwegs zu sein und gute Projekte kennenzulernen. Dazu gehören Besuche und politische Bildungsreisen, zum Beispiel nach Berlin oder zu generationenübergreifenden Wohnprojekten.

Unsere Themen bringen wir auch mit eigenen Anträgen in die Kreis- und Landesmitgliederversammlungen ein.

Wie läuft ein Treffen der Wandsbeker GRÜNEN 60+ ab?
Wir frühstücken gemeinsam und diskutieren über aktuelle politische Themen. Unsere Referent*innen stellen ihre Arbeit, Projekte oder ihr Ehrenamt vor, anschließend kommen wir miteinander ins Gespräch.

Die Themen sind vielfältig: Rente, Digitalisierung und KI, Olympia, Mobilität und Wohnen, Klima- und Hitzeschutz, generationenübergreifendes Wohnen oder die Frage, wie eine „Age-friendly City“, also eine altersfreundliche Stadt, aussehen kann.

Für mich macht genau diese Mischung den Reiz aus: Frühstück, politische Diskussion und persönlicher Austausch.

Was sind eure Anliegen und wie kann man sich konkret einbringen?
Wir GRÜNEN 60+ wollen eine Stadt, in der ältere Menschen gut leben, mitreden und mitgestalten können – und in der ihre Bedürfnisse von Anfang an mitbeachtet werden. Wir wollen die Sinne schärfen und den Blick für die Themen des Alters öffnen.

Mitmachen kann jede*r: zuhören, mitdiskutieren, eigene Themen vorschlagen oder Ideen aus anderen Gruppen mitbringen. Und viele bestätigen mir: Hier finden sie Ideen, Bestätigung und Mut für das eigene Leben.

Wir freuen uns sehr, dass du als Senior*innenpolitsche Sprecherin in der Hamburgischen Bürgerschaft, die Stimme der Senior*innen bist! Wenn du einen Blick auf unseren Bezirk wirfst: Wie altersfreundlich ist Wandsbek?
Wenn ich Wandsbek nach den WHO-Kriterien für eine „Age-friendly City“ betrachte, schaue ich auf die Themen Teilhabe, selbstbestimmtes Älterwerden, Mobilität, Wohnen, Gesundheit und ein altersgerechter öffentlicher Raum.

Wandsbek hat schon viele gute Voraussetzungen: 17 Seniorentreffs und 12 Seniorenkreise, die Möglichkeit zur Beteiligung durch den Bezirks-Seniorenbeirat und die Seniorendelegiertenversammlung sowie wohnortnahe Beratung und Unterstützung.

Auch bei Barrierefreiheit, Gesundheit und Bewegung gibt es gute Ansätze. Der 2026 erstmals veranstaltete Senioren-Aktiv-Tag zeigt außerdem, dass Gesundheit, Bewegung und selbstständiges Älterwerden stärker in den Blick genommen werden.

Insgesamt sind wir also auf einem guten Weg. Jetzt müssen wir die vielen einzelnen Angebote noch stärker zu einer altersfreundlichen Quartiersstruktur verbinden.

Vor welchen Herausforderungen steht Hamburg und insbesondere Wandsbek aktuell in Sachen Altersfreundlichkeit?
Wir brauchen vor allem mehr barrierefreie und sichere Wege, Sitzgelegenheiten und öffentliche Toiletten, damit ältere Menschen selbstständig unterwegs sein können. Dazu kommen mehr bezahlbarer und altersgerechter Wohnraum, ein besser zugänglicher und barrierefreier ÖPNV sowie mehr generationenübergreifende Begegnungsorte.

Wichtig sind außerdem Angebote gegen Einsamkeit, digitale Unterstützung, um Menschen einzubinden, die nicht digital unterwegs sind; und vor allem: Ältere Menschen müssen bei der Gestaltung ihres Stadtteils stärker mitreden können.

Welche konkreten Projekte und Maßnahmen laufen derzeit in Hamburg und Wandsbek, um unsere Stadt altersfreundlicher zu gestalten?
Spannend finde ich das neue Programm „Wohnen bleiben im Quartier“. In Wandsbek ist Hohenhorst eines von sechs Modellquartieren. Ziel ist, Beratung und Unterstützung direkt vor Ort anzubieten, damit Menschen möglichst lange selbstständig in ihrem vertrauten Umfeld leben können.

Dazu kommen die Seniorenberatung, der Pflegestützpunkt, zahlreiche Seniorentreffs und das Forum Generationenfreundliches Wandsbek. Der neue Senioren-Aktiv-Tag und der Seniorenwegweiser 2026 setzen weitere Impulse für Bewegung, Gesundheit, Beratung und Teilhabe.

Und zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft: Wie würde in deiner Idealvorstellung ein altersfreundliches Wandsbek aussehen? 
Mein Idealbild ist ein Wandsbek, in dem Jung und Alt selbstverständlich zusammenleben, sich begegnen und gemeinsam Freude haben. Dafür brauchen wir bezahlbare, barrierefreie Wohnungen, einfache und günstige Mobilität, mehr On-Demand-Angebote sowie schattige Sitzplätze, öffentliche Toiletten und Trinkwasserstellen.

Wir haben bereits viele gute Einzelmaßnahmen. Jetzt müssen wir daraus in allen Stadtteilen eine wirklich altersfreundliche Quartiersstruktur entwickeln – mit kurzen Wegen, Begegnungsorten und echter Beteiligung älterer Menschen.