Maryam Blumenthal will Spitzenkandidatin werden

Maryam Blumenthal bewirbt sich um die Spitzenkandidatur für die Bezirkswahl 2019

Hui, das sind ja gerade spannende Tage bei den GRÜNEN Wandsbek. Eben habe ich die Bewerbungen unserer Top-Leute für die Wahlen zur Bezirksversammlung online gestellt. Am Sonnabend, den 17. November 2018 finden ja im Café tschai die Wahlkreisversammlungen statt, bei der die GRÜNEN Mitglieder über die Kandidaturen entscheiden. Für die Spitzenkandidatur bewirbt sich unsere Kreisvorsitzende Maryam Blumenthal.

Überraschung: Fraktionsvorsitzender Oliver Schweim will aus privaten Gründen eine kleine Politik-Pause einlegen und zieht sich auf einen hinteren Platz zurück. Hierzu sagt Oliver: „Ich mache mit Begeisterung grüne Politik und glaube, dass ich viel bewegen konnte. Durch den Tod meines Schwiegervaters stehe ich aber vor der Herausforderung eine Immobilie sanieren zu müssen. 100% Beruf, Politik und eine solche Sanierung sind nicht leistbar. Ich muss daher pausieren. Ich möchte aber auf einem Platz kandidieren auf dem ein Nachrücken möglich ist und stehe der neuen Fraktion als zugewählter Bürger für zwei Ausschüsse gerne zur Verfügung.

Ein rundes Dutzend Kandidaturen sind zum Stichtermin Freitag Nacht eingetroffen – und die können sich sehen lassen. Eine Lektüre der Bewerbungen lohnt sich!

Auch der Programmprozess geht weiter: Auf ANTRAGSGRÜN steht jetzt auch der dritte Teil „Nachhaltig geplanter Bezirk“ zur Lektüre bereit. Doch damit nicht genug: Jedes Mitglied kann hier auch Änderungsanträge stellen. Auf der KMV am Sonnabend, den 1. Dezember 2018 wird dann über das Programm endgültig entschieden.

Wir sind im Vorstand im Moment natürlich fleißig dabei, diesen ganzen Programm- und Listenprozess zu organisieren. Immer nach der Devise „Basis ist Boss“. Das ist mitunter ganz schön anstrengend und auch nicht immer konfliktfrei – wenn zum Beispiel enge Terminpläne oder auch komplizierte rechtliche Vorschriften zu beachten sind.

Gerade heute gibt es ja eine neue Umfrage, die die GRÜNEN im Bund bei 24% sieht. Wir wissen aktuell natürlich nicht, ob dieser Hype anhält und was davon im Mai in Wandsbek ankommt – aber wir müssen uns auf mögliche Lagen einstellen. Wir wollen jedenfalls unsere Chancen nutzen. Wir haben jetzt mit einem Dutzend Top-Bewerbungen eine gute Grundlage. Basierend darauf wollen wir ein noch größeres Bezirksteam zusammenstellen. Deswegen jetzt noch mal ein Appell an alle GRÜNEN in Wandsbek: Prüfe Dich und Deine Möglichkeiten und überlege, ob und wie Du uns bei den Bezirkswahlen unterstützen kannst. Durch Mitarbeit, Wahlkampfhilfe oder eine Kandidatur. Wir beraten Dich gerne dabei – rufe einfach in der Geschäftsstelle an oder wende Dich an ein Vorstandsmitglied Deines Vertrauens. Weitere Kandidaturen sind noch bis zu den Wahlkreisversammlungen möglich.

13 Plätze werden saniert – einer auch in Wandsbek

Mit 10 Millionen Euro sollen 13 Hamburger Plätze modernisiert und neu gestaltet werden. Die Plätze wurden in Zusammenarbeit mit den Bezirken ausgewählt. Unter anderem wurde auch der Saseler Marktplatz ausgewählt.

Dazu Olaf Duge, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion: „Öffentliche Plätze stiften Identität. Hier, wo sich Nachbarn treffen, Kinder spielen und Besucherinnen und Besucher rasten können, findet das Leben Raum – hier kann es aufblühen. Die nun bereitgestellten 10 Millionen Euro sind eine ordentliche Summe, mit der wir 13 Hamburger Plätze aus ihrem Dornröschenschlaf holen. Das steigert die Aufenthaltsqualität vor Ort, fördert das gemeinschaftliche Zusammenleben und stärkt die Identität der Quartiere. Ich bin froh, dass die Sanierung der Plätze nun in Angriff genommen wird.“

Folgende Plätze wurden für eine Sanierung ausgewählt: Allende-Platz, Bruno-Tesch-Platz, Elsässer Platz, Gerhart-Hauptmann-Platz/Ida-Ehre-Platz, Herbert-Wehner-Platz, Holstenplatz, Löschplatz, Louis-Braille-Platz, Platz am Luisengymnasium, Quartiersplatz-Mittl. Landweg, Sand, Saseler Marktplatz.

Lichtblicke für Hamburg

Besucherschlange vor der Kunsthalle

Wir sprechen fotografisch heißt das Projekt, das Begegnung und Dialog mit Hilfe der Fotografie schaffen will

Kommentare der Besucher*innen, die sich u.a. weniger Autos, mehr Ruhe und gute Radwege wünschen

Nachbarn trifft man meist im Treppenhaus und auf der Straße

Die Besucherschlange vor der Kunsthalle war so lang, dass ich kurzfristig beschlossen habe, sie am 31.10. lieber nicht zu besuchen. Zur Erinnerung: Die Bürgerschaft hatte Anfang des Jahres beschlossen, den Tag der Reformation zum neuen Feiertag zu machen und an diesem Tag freien Eintritt in die Hamburger Museen zu gewähren.

Ich bin also weiter zum Altonaer Museum, die zwei wunderbare Ausstellungen haben. In der Ausstellung „Lichtblicke“ zeigen Geflüchtete Fotos und lyrische Texte, die einen tiefen Einblick in ihre Gedankenwelt geben. Gleichzeitig wird erklärt, dass religiöse Toleranz in Altona eine lange Tradition hat: Die Landesherren von Altona gewährten Glaubens- und Gewerbefreiheit. Deshalb war Altona schon früh ein Ziel für Gruppen, die aufgrund ihrer Religion verfolgt wurden, wie Hugenotten, Katholiken, Juden oder Mennoniten.

In einer anderen Ausstellung geht es um Stadtentwicklung und -planung am Beispiel von Altona. Bauland ist in der Stadt knapp und begrenzt, heißt es dort. Und weiter wird gefragt: Wie können Politik und Verwaltung behutsam und mit Blick auf kommende Generationen mit Bauland umgehen? Wie können Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden? Ist ökonomischer Erlös oder gesellschaftlicher Wert einer zukünftigen Nutzung wichtig? Sollte städtisches Land nicht verkauft, sondern nur im Erbbaurecht verpachtet werden? Wichtige Fragen, die genauso auf die Stadtplanung für Wandsbek zutreffen.

Kann nur jedem empfehlen, hinzugehen, lohnt sich wirklich!

Die Öffnung der Museen war auf jeden Fall ein voller Erfolg, 70.000 Hamburger*innen nutzten das Angebot!

Rückblick: LMV wählt Katharina Fegebank zur Spitzenkandidatin

Katharina Fegebank freute sich, dass sie „ihre Kugel“ noch einmal zu den grünen Mitgliedern schieben konnte, bevor sie in den Mutterschutz ging

Katharina wurde mit fast 92% zur Spitzenkandidatin gewählt, Gegenkandidat Felix Meier erhielt 4 Stimmen. Er kandidierte aus Prinzip, denn Wahlkampf ohne Gegenkandidaten sei langweilig. Er ist erst seit kurzem in der Partei und möchte gern erster grüner Kanzler werden.

Die mit Zwillingen hochschwangere Katharina war bei ihrer Bewerbungsrede etwas kurzatmig und nicht sicher, ob ihre Stimme durchhalten würde. Das klappte aber gut, und sie freute sich, dass sie ihre Kugel noch einmal zu den grünen Mitgliedern schieben konnte. Damit spielte sie auf eine Bemerkung eines Redakteurs an, der meinte, sie werde ja bald „ne ruhige Kugel schieben“. Daraus wird natürlich gar nichts und Katharina empfahl dem Redakteur, sich mal einen Tag lang einen 15 kg Kürbis vor den Bauch zu schnallen, dann könnten sie sich gern noch einmal unterhalten. „Wenn so eine Kugel erst einmal richtig ins Rollen kommt, ist sie nicht mehr zu bremsen!“

Sie beklagte, dass Deutschland einen Vertrauensverlust vieler Bürger*innen erlebe in die Politik. Amazon und Co. würden weniger Steuern als jede Pommes-Bude bezahlen. Die Grünen müssten die Herausforderung eines Wertewahlkampfes annehmen. Die freie Gesellschaft müsse verteidigt werden, indem man leidenschaftlich für sie eintrete. Sie freute sich, dass der Migrantenanteil in öffentlichen Bücherhallen auf 40% gestiegen sei. Für viele sei es der einzige Ort, wo sie Ruhe fänden. Auch dass Planten un Blomen erweitert würde, sei ein großer Erfolge. Topdown-Regieren sei gestern, heute sei die Bürgergesellschaft angesagt. Die Politik des Gehörtwerdens sei angekommen.

Die Präambel für das Bezirkswahlprogramm wurde von allen Kreisverbänden verabschiedet

Die Präambel wurde von allen Kreisverbänden angenommen und kann jetzt in unser Wandsbeker Wahlprogramm übernommen werden.

Steffi von Berg hatte Tränen in den Augen bei ihrer Verabschiedung

Stefanie von Berg, bisherige schul- und religionspolitische Sprecherin, hatte ihr Mandat aufgrund der doppelten Belastung, die Führungsposition im Beruf und Mandat mit sich bringen, zurückgegeben und wurde von allen anwesenden Grünen mit Standing Ovations verabschiedet. Martin Bill und Anjes Tjarks hoben hervor, dass Steffi mit der Primarschule, der guten Inklusion und dem guten Ganztag drei wichtige Volksinitiativen begleitet habe. Sie habe mit der Einführung von Gebärdensprache als Wahlpflichtfach an Hamburger Schulen und mit der Reform der Lehrerbildung wichtige Punkte gemacht, um Hamburgs Schulen zukunftsfest zu machen. Ihr Nachfolger, Dominik Lorenzen, ist Unternehmer (u.a. Stückgut, der Unverpacktladen) und wird für die Grünen deswegen in Zukunft die Bereiche Wirtschaft und Hafen betreuen und sich mittelfristig auch im Haushaltsbereich engagieren.

Die CDU hat ihre ablehnende Haltung zu der von Steffi angestoßenen Debatte um das Thema Vollzeit-Parlament aufgegeben und will jetzt ergebnisoffen in einer Enquete-Kommission über die Weiterentwicklung des Parlamentarismus in Hamburg diskutieren. „Das wollen wir auch“, schreibt Anjes in seiner letzten Rundmail, „aber da das Brett ziemlich dick ist, das wir dazu bohren müssen, ist das wohl leider erst ein Thema für die nächste Legislaturperiode.“

Katharina Fegebank hat sich inzwischen in den Mutterschutz verabschiedet und wird im Frühjahr zurückkommen.

Eine persönliche Einschätzung der LMV aus Sicht unseres Neumitgliedes Alice Buxton gibt es hier.

Alice, wie war deine erste LMV?

Alice Buxton auf ihrer ersten Landesmitgliederversammlung (LMV)

Alice, du bist seit relativ kurzer Zeit Mitglied der Grünen, bist auf einer Kreismitgliederversammlung (KMV) in den Wandsbeker Kreisvorstand gewählt und warst nun auf  deiner ersten Landesmitgliederversammlung (LMV) – wie war das heute für dich?
Ich hatte im Vorwege keine konkreten Vorstellungen, wie eine LMV sein würde. Und dennoch war ich angenehm überrascht. Vielleicht hatte ich unbewusst hitzigere Diskussionen oder ausuferndere Selbstdarstellungen erwartet. Doch die Veranstaltung war toll organisiert, straff geführt und in den Beiträgen durchweg konstruktiv. Auch wenn es ein anstrengender und langer Tag war, hat es sich für mich gelohnt, durchzuhalten. Durch die Teilnahme an der LMV fühle ich mich nun inhaltlich besser informiert und auf wichtige Themen – auch für die kommenden Wahlkampagnen – vorbereitet!
Was war für dich ein Highlight? Was ist dir besonders aufgefallen?
Ich kann nicht sagen, dass es für mich ein inhaltliches Highlight gab – für mich war das Schönste, mich als Teil einer Bewegung, einer Gruppe von Menschen mit ähnlichen Idealen zu fühlen. Mein emotionales Highlight ist also eher, dabei gewesen zu sein und an etwas Wichtigem mitzuarbeiten! Solche Veranstaltungen bestätigen mich in meinen Wertevorstellungen und festigen meine Identität als überzeugte Grüne. Mir gefällt besonders gut, dass wir Grünen ein Frauenstatut haben und die Förderung der Frauen ernst nehmen. Das Schließen der Redelisten, wenn es keine weiblichen Beiträge mehr gibt, ist für mich nur ein Beispiel dieser gelebten Werte. Positiv aufgefallen ist mir auch, dass viele Neumitglieder dabei waren, die von Mitgliedern des Landesvorstandes vor Beginn in die Abläufe der LMV eingeführt wurden. Außerdem wurde vor der LMV von Miriam Block und Mareike Engels ein frauenpolitisches Frühstück angeboten, was ich persönlich ebenfalls bereichernd fand und mir eine gute Gelegenheit bot, mich mit anderen Frauen in der Partei zu vernetzen.
Würdest du etwas an den Abläufen verändern wollen?
Die Diskussionen und Beiträge fand ich sehr konstruktiv. Insgesamt fand ich die Debatten um die gestellten Anträge inhaltlich spannend, auf den Punkt und gut gemacht. Einzig die Gesamtlänge der Veranstaltung fand ich zu lang, doch ich verstehe die Planungshintergründe und habe keine Idee, wie die Abstimmung der Anträge und die notwendigen Wahlen noch effizienter gestaltet werden könnten.
Mein Fazit: eine gelungene Veranstaltung. Ich werde sicher auch an der nächsten LMV teilnehmen!

Herbstempfang der Fraktion

Herbstempfang der Fraktion im Café Tschai mit vielen Gästen. Fraktionsvorsitzender Oliver Schweim erzählte von den Erfolgen der Grünen in Wandsbek, Linus Jünemann und Katharina Stolla sammelten für die Grüne Jugend, die zeitgleich mit Bussen in den Hambacher Forst gefahren war, um gegen den Braunkohleabbau zu protestieren. Gastredner Rasmus Andresen, Landtagsabgeordneter und Vizepräsident des Schleswig-Holsteinischen Landtags. Er kommt aus der dänischen Minderheit und sprach sich klar für Europa aus, wobei europäischer Zusammenarbeit gefordert sei anstatt Alleingänge einzelner Länder.

„An unserer Grenze werden seit 2 Jahren Pässe wieder kontrolliert“, kritisierte er. „Ab Frühjahr 2019 wird unsere Grenze sogar durch einen 60 KM langen und 1,5 Meter hohen Wildschweinzaun getrennt. Die dänische Regierung will damit verhindern, dass die afrikanische Schweinepest nach Dänemark kommt. Der Wildschweinzaun ist dabei nicht nur inhaltlich unsinnig, sondern auch ein Symbol für eine völlig verfehlte Politik. Was wir brauchen ist mehr europäische Zusammenarbeit statt nationale Abschottung. “ Auch beim Thema Klimaschutz und der Verschmutzung der Meere durch die hohe Schadstoffbelastung, Artensterben und die Vermüllung. „Deutschland gehört zu den Ostseestaaten, die am Wenigsten zum Schutz der Ostsee beitragen. Unsere Ostsee hat aber keine Zeit auf Seehofer, Nahles und Merkel zu warten. Deshalb brauchen wir eine starke und umweltbewusste EU!“ Er glaubt auf jeden Fall fest daran, dass die die mehr Europa wollen, mehr sind. Aber das sollte auch sichtbarer werden.

Das frisch zubereitete Buffet im Tschai war wieder fantastisch mit leckeren Wraps, Humus, Petersiliensalat und würzigen Hähnchenspießen.  Und es gab viele spannende Gespräche unter den Gästen. Die Kinder spielten Kicker, unser Zen-Baby Yasha (Sohn von Maryam und Jan Blumenthal) schlief die meiste Zeit oder schaute sich interessiert um. Musikalisch begleitet hat den Abend das Trio Café Royal aus Wilhelmsburg mit Jazz und Swing. Das Trio geht aus der seit über 160 Jahren in Hamburg lebenden Sinti-Familie Weiss hervor.

Ein gelungener Abend – bis auf die herbstlichen Sturzbäche vom Himmel zu Beginn des Abends. Ich war mit dem Rad gekommen, und es goss aus vollen Kübeln. Zum Glück war es drinnen schön warm und alles bald wieder trocken.

 

 

Kulturmeile in Volksdorf

Regisseur Akira Kurosawa

Neben Kunst in vielen Volksdorfer Schaufenstern von unterschiedlichen Hamburger Künstler*innen,  sind auch spannende Filme im Koralle-Kino zu sehen, ausgesucht von Siegfried Stockhecke im Rahmen der FilmFront.

Am Donnerstag, 8.11. läuft z.B. „Ai Weiwei – Never Sorry.“ Die junge Regisseurin Alison Klarmann hat den chinesischen Künstler Ai Weiwei drei Jahre mit der Kamera begleitet. Der Film zeichnet ein differenziertes Bild des heutigen Chinas zwischen Willkür und Widerstand.

Am Freitag, den 9.11. wird „Träume – Akira Kurosawa“ gezeigt, ein sehr persönlicher Film, der in acht Episoden die Auswirkungen des Krieges, die Gefahren der Atomkraft und vor allem das Bedürfnis der Menschen, im Einklang mit der Natur zu leben erzählt.

Beide Filme laufen jeweils um 20 Uhr.

Am Sonnabend und Sonntag um 15 Uhr nimmt „Momo“ den Kampf gegen die Zeitdiebe auf, die die Menschen zum Zeitsparen überreden wollen. Für Muße und Freizeit  bleibt bald kein Platz mehr, weil alle wie besessen arbeiten. Ein modernes Märchen, das Kindern und Erwachsenen in gleichem Maße anspricht.

Eintritt jeweils 9 Euro, ermäßigt 8 Euro im Bürgerhaus Koralle, Kattjahren 1.

Müllabfuhr für die Meere

Mit dem Müllfischer Günther Bonin vor der „Seekuh“ in Hongkong

Verlorene Transport-Kisten  schwimmen zahlreich in den Gewässern rings um Hongkong

Günther Bonin ist ein beeindruckender Mann und ein Macher.

Er spricht unglaublich schnell, als hätte er keine Zeit zu verlieren, weil er so viel sagen möchte. Zum Beispiel, dass über 300 Millionen Tonnen Plastik weltweit pro Jahr produziert werden und bis zu 13 Millionen Tonnen davon im Meer landen. Und dass Kunststoffe 85% der Meeresabfälle ausmachen.

Plastik wird zu Mikroplastik, wird von Fischen und Seevögeln mit Plankton verwechselt und gefressen oder sinkt auf den Meeresgrund – und „da kriegen wir es mit aktuellen Technologien  nicht wieder hoch“, so Günther.

Sein Schlüsselerlebnis: Er war mit einem Segelboot in einer stürmischen Nacht zwischen Seattle und San Francisco unterwegs und hat nach dem Sturm zahlreiche Plastiktüten auf dem Wasser schwimmen gesehen. Die Müllspur eines Frachters, nichts Besonderes, wie er sagt.

Die Seekuh im Hafen von Hongkong

Die meisten Menschen in Hongkong lieben Plastik – mit diesen Netzen ist jede größere Frucht umhüllt

An diesem Morgen vor 10 Jahren ist ihm aber klargeworden, dass es nicht nur ein einziger Frachter war, der unterwegs war und seinen Müll ins Meer geworfen hatte, sondern möglicherweise Tausende von Booten auf allen Ozeanen. Und er hat den Entschluss gefasst, etwas dagegen zu tun. Hat seinen Job aufgegeben, den Verein „One Earth One Ocean“ gegründet und Pläne entwickelt, wie man den Müll wieder aus dem Meer rausholen kann – und für sein Projekt Sponsoren gesucht.

Inzwischen hat er in Lübeck einen Katamaran bauen lassen, der mit Hilfe eines Netzes Plastik aus vier Meter Tiefe herausfischt. Den hat er zunächst auf der Ostsee getestet und dann nach Hongkong gebracht. Hotspot der Vermüllung ist nämlich Asien. Der gelbe Fluss zum Beispiel ist einer der schmutzigsten Flüsse der Welt. Acht Flüsse transportieren den meisten Müll, sechs davon in China und zwei in Afrika.

Beach Clean up mit Mimi Law von „Plastic free Seas“. Sie klärt Schulkinder über Plastik auf

Deshalb ist er nach Asien aufgebrochen, um den großen Hafenstädten seine Hilfe anzubieten. Seine Vision: Ganze Flotten ferngesteuerter Katamarane sollen mit Hilfe von Wind- und Solarenergie die Küstenlinien „abgrasen“. Sind die Netze voll, werden sie verschlossen und mit Bojen und Peilsendern versehen. Ihre Positition wird an den Seefarmer,  einen Trawler, übertragen, der die vollen Netze einsammelt und sie zum Recyclingschiff, dem Seeelefanten, bringt. Dort wird das gesammelte Plastik sortiert und zu schwefelfreiem Heizöl verarbeitet. Schon heute können Seen und Flüsse von kleinen, vier mal zwei Meter großen Seehamstern gereinigt werden, beispielsweise in Kambodscha.

Von Fischen angeknabberte Plastikteile, die an den Strand geschwemmt wurden

Cem Özdemir war schon zu Besuch auf der Seekuh und ganz begeistert von dem Konzept. Ich hab Günther in Hongkong kennengelernt, um über ihn und sein Engagement eine Geschichte zu schreiben. Die ist jetzt in der aktuellen Brigitte (Nr. 22) zu lesen.

„Eine Müllabfuhr für die Meere“ in Brigitte Heft Nr. 22

Mehr Infos unter http://oneearth-oneocean.com/die-loesung/

Digitaler Handel: Schöne neue Welt?

Thomas Gambke ist grüner Wirtschaftsexperte…

…und sieht Gefahren und Chancen im digitalen Handel

Die Stadtteilgruppe Walddörfer/ Alstertal hatte ein grünes Bürgergespräch in der Ohlendorff‘sche Villa mit ihrem Mitglied und Wirtschaftsexperten Dr. Thomas Gambke organisiert. Thomas ist promovierter Diplom Physiker, begann seine grüne Karriere 2005 als Mitglied im bayerischen Landesarbeitskreis Wirtschaft&Finanzen, war von 2009 bis 2013 Koordinator des Wirtschaftsdialogs im Deutschen Bundestag und ab 2012 Mittelstandsbeauftragter der Grünen Fraktion. In der O-Villa ging es am 19.10. um Veränderungen in unserer Gesellschaft durch den  digitalen Handel.

Thomas holte erstmal etwas weiter aus und stellte vorweg, dass wir dringend solide Mehrheiten bräuchten, um grüne Ziele durchzusetzen. Als kleine Partei in der Koalition sei die Einflussnahme logischerweise sehr begrenzt. Entscheidende Entwicklungen in unserer Gesellschaft seien zum einen der demografische Wandel: In 30 Jahren würden in Europa 50 Millionen Menschen weniger leben als heute. In Afrika dagegen fast 3 Milliarden mehr als jetzt, mit relativ instabilen Regierungen. Das würde einen unglaublichen Druck erzeugen, und es sei lächerlich zu glauben, man müsse nur Grenzen hochziehen und alles sei gut. Zum anderen würde es zu großen Veränderungen durch die Digitalisierung kommen. Was genau passieren würde, könne man jetzt nur vermuten, man müsse die Entwicklungen immer neu anschauen und analysieren, um gut vorbereitet zu sein. Wichtig sei deshalb, die Fähigkeit zu haben, Meinungen auch zu revidieren, wenn es neue Erkenntnisse gäbe. TTIP abzuschaffen sei zum Beispiel Quatsch, aber nur fairer Handel sei auch freier Handel.

Etwa 20 Besucher*innen waren zum grünen Bürgergespräch in die O-Villa gekommen

Die Automobilindustrie wird sich voraussichtlich in 10  Jahren extrem verändert haben, das betrifft 800.000 Arbeitsplätze. Solche Entwicklungen sind auffangbar, das hat die Vergangenheit gezeigt. Arbeitsprozesse werden sich verändern, wir müssen lernen, damit umzugehen.

10% des Handels würde heute über das Internet abgewickelt, in fünf Jahren werden das voraussichtlich 50% sein. Nur 3% der angebotenen Produkte seien bei Amazon z.B. wirklich günstig, das stünde beim Kauf aber auch nicht im Vordergrund. Man kauft online, weil es so schön bequem ist.

Der Lebensmittelhandel spüre die Veränderungen schon, besonders in Berlin oder auch in München. In Volksdorf sei es noch nicht soweit. Wenn wir nicht rechtzeitig eingreifen, könne es zur Verödung der Innenstädte kommen durch die vielen Leerstände. Gleichzeitig wird der Verkehr zunehmen, da alle Waren angeliefert würden. Vermutlich würde es immer mehr Showrooms geben, in denen man Waren ansehen, anfassen oder an ihnen schnuppern kann. Gekauft würde dann digital. Was auch Vorteile habe, da die Lagerhaltung in den Innenstädten wegfiele, man bräuchte nicht mehr so viel klimatisierten, beleuchteten Raum.

Wichtig seien klare Regeln zur Verpackung, man könnte z.B. festlegen, welches Verhältnis das Volumen des gekauften Gegenstandes zum Volumen der Verpackung maximal haben darf. Damit nicht eine kleine Glühbirne umhüllt von Plastik im Riesenkarton gebracht wird.

Gefragt sind schlaue Lösungen, um Einkäufe zu bündeln.

Und neue Begegungsstätten, um unsere Quartiere lebendig zu erhalten. Das sollten wir auch bei der Verabschiedung unseres Wandsbeker Bezirkswahlprogrammes bedenken!

 

 

 

Erstes Frauenfrühstück in Wandsbek

Yasha, Maryams Baby, war natürlich dabei…

Große Runde mit zwölf Frauen

Ein gelungenes Treffen mit spannenden Frauen, die seit relativ kurzer Zeit bei den Grünen Mitglied sind, das war unser erstes Frauenfrühstück in Wandsbek! Unser neuestes Vorstandsmitglied Alice Buxton hatte alles perfekt vorbereitet, unsere Vorstandsvorsitzende Maryam Blumenthal übernahm die Begrüßung und ich hab zwischendurch moderiert.

Katharina Fegebank erzählte erstmal, wie sie selbst zur Politik gekommen ist – und erklärte, dass die wichtigste Voraussetzung zum Politikmachen sei: Die Lust, sich einzubringen. Man brauche zunächst keine Fachkenntnisse, müsse kein Programm auswendig lernen, das komme alles mit der Zeit. Man müsse bei den Grünen auch nicht zwei Jahre Plakate kleben und fünf Jahre Plakate aufhängen, bevor man inhaltlich arbeiten könne. Bei uns geht alles viel schneller, viel direkter. Keine*r muss also Angst davor haben, am Infostand zu stehen, im Kreisvorstand oder in der Fraktion mitzuarbeiten. Aber gerade Frauen fragen sich ständig: Kann ich das überhaupt? Männer legen los, Frauen zögern, warten ab.

…und Lotte, der Labradoodle von Alice, hätte zu gern auf Yashas Decke gelegen

Es gab einfach viel zu viel zu erzählen

Aber wie läuft es mit der Vereinbarkeit von Job und Politik und Familie? Katharina war sehr ehrlich, erzählte von vielen Abendterminen – und anschließend ginge man natürlich noch ein Bierchen trinken. Da müssten Lösungen gefunden werden, um z.B. Müttern politisches Engagement leichter zu machen. Fest begrenzte Sitzungszeiten  mit guter Zeitplanung sind zum Beispiel eine Möglichkeit.

Das haben wir bei unserem Frühstück fast geschafft, es war von 10 Uhr bis 12 Uhr angesetzt und ging dann doch bis halb eins. Und zum Schluss standen noch überall kleine Grüppchen und quatschten.

 

Den Kuchen hatte ich wasserdicht verpackt auf dem Rad transportiert – hat geklappt

In Zukunft wollen wir Frauen mehr unterstützen, unser Frühstück soll auf jeden Fall wiederholt werden, Katharina hat schon ihre Hilfestellung angekündigt. Und einige unserer Neumitglieder haben übrigens bereits signalisiert, dass sie gern in Vorstand oder Fraktion mitarbeiten möchten, wunderbar!

Gartenstadt Farmsen – eine Siedlung mit sozialem Anspruch

Uwe Jentz zu Besuch beim Bezirksseniorenbeirat, um über Wohnungen für Ältere zu berichten

Uwe Jentz, Vorstand der Mieter- und Wohnungsbaugenossenschaft, erzählt gern die Geschichte der Gartenstadt Farmsen, die heute 2600 Wohneinheiten und 900 Reihenhäuser umfasst.

Die ersten Bewohner zogen Mitte der 50er Jahre ein, die Paechbrot Bäckerei hatte das Gelände für 1 Mark gekauft, die laufenden Kosten waren aber bald zu hoch. Die Stadt übernahm, und unter ziemlichen Anlauf-Schwierigkeiten konnte 1992 dann endlich die  Genossenschaft starten. Fördermittel waren zu dem Zeitpunkt sehr günstig zu bekommen, und alle Einnahmen wurden sofort wieder investiert. Aus dem Verkehrswert von ursprünglich 50 Millionen wurden 250 Millionen, der Wert des Areals hat sich also verfünffacht.

Heute versucht die Genossenschaft, die Struktur stabil zu halten. Farmsen galt früher als Rockerhochburg, Uwe Jentz hat diese Zeit selbst als Bademeister im Freibad Farmsen, einem Brennpunkt der Szene, erlebt. Während dieser Zeit gab es ziemliche Probleme auch in der Gartenstadt, einige Gebäude verwahrlosten, was schnell zu einer Abwärtsspirale führte. Die Bewohner*innen identifizierten sich nicht mehr, das Klima in der Siedlung wurde zusehends schlechter.

Die Geschäftsstelle der Mieter- und Wohnungsbaugenossenschaft

Die Häuser müssen in Pastellfarben gestrichen werden

Das ist zum Glück längst vergessen. Alle Wohneinheiten werden regelmäßig in Stand gesetzt. Und man freut sich inzwischen über ältere Bewohner*innen, die für eine gewisse soziale Stabilität sorgen, und versucht sie, solange es geht, zu halten. Und das gelingt ganz gut, es werden neue barrierefreie Wohnungen gebaut oder ältere Häuser und Wohnungen entsprechend umgerüstet. Auch sonst sind ist die Gartenstadt gut aufgestellt, hat 3000 qm Sonnenkollektorfläche für Warmwasser, und alle Häuser sind so gut wärmegedämmt, dass die Nebenkosten weit unter dem Durchschnitt liegen. Die Beleuchtung der Wege wurde auf LED umgestellt und die Sichtachsen werden freigeschnitten, das schafft ein größeres Sicherheitsgefühl für die Bewohner. Für Begegnungen gibt es ausreichend Bänke und wenig Einbrüche, weil die Nachbarn gegenseitig aufpassen. Parkplätze werden nach sozialen Kriterien vergeben.

Bei der Beschilderung kommt ein wenig der erhobene Zeigefinger durch – aber man kann etwas lernen…

Jetzt hat die Genossenschaft allerdings ein Problem mit dem Bau barrierefreier Wohnungen für Senioren. Zuschüsse gibt es nämlich nur, wenn bestimmte Mindestabstände eingehalten werden, da man vom worst case ausgeht, das Leben mit Gehwagen oder Rollstuhl, die viel Platz zum Rangieren brauchen. Deshalb werden 60 qm-Wohnungen mit einem offenen Raum für Wohnzimmer und Küche und einem extra Schlafzimmer gebaut, nur dann können die festgelegten Maße für die Barrierefreiheit eingehalten werden. Die meisten älteren Menschen brauchen diesen Platz für einen Rollstuhl aber (noch) nicht, wenn sie einziehen. Dafür hätten sie lieber ein zusätzliches Zimmer, das auch ganz klein sein kann. Hauptsache, man kann ein Bett hineinstellen, falls die Enkel zu Besuch kommen oder der Partner schnarcht. Da die neuen barrierefreien Wohnungen diese Möglichkeit nicht haben, brauchte die Genossenschaft fast ein Jahr, um zu vermieten, so Uwe Jentz.

Deshalb kam die Frage auf: Sollte man in Zukunft nicht lieber bedarfsgerecht und flexibel bauen? Zum Beispiel, indem man zunächst eine Leichtbauwand einzieht, die die Zimmerabtrennung möglich macht? Die könnte dann schnell und einfach wieder herausgenommen werden, wenn tatsächlich ein Bewohner auf Rollstuhl oder Gehwagen angewiesen ist.

Professor Kritzmann vom Verein Barrierefrei Leben e.V. schlägt vor, weiter barrierefrei zu bauen und den zukünftigen Mietern das Recht einzuräumen, eine Leichtbauwand hinzuzufügen. Oder anstelle einer Wand einen Einbauschrank einzubauen. Dabei würde ein hoher Schrank aufgestellt und so eingepasst, so dass er die Zimmer wie eine Wand trennt und meist besser isoliert als eine Leichtbauwand, wenn er mit Kleidung bestückt wird. Man spart dabei die Tiefe der Wand und könnte den Schrank sogar von beiden Seiten aus benutzen.

Die Grünen Alten feiern den #Weltseniorentag

Demnächst soll es auch in Taiwan Flashmob und Disco für Ältere geben

Viele Tausend Karten wurden in Hamburg und Umgebung verteilt

Am 1. Oktober war Weltseniorentag – und die Grünen Alten haben zum ersten Mal zusammen mit anderen Organisationen in die Schanze eingeladen und so richtig gefeiert, mit Flashmob, Silent Disco und Senior Speeddating. Als einzige Parteien-Vertretung übrigens.

Initiatorin der Aktion ist Dagmar Hirche vom Verein WADE (Wege aus der Einsamkeit e.V.), die vor fünf Jahren zum ersten Senioren Flashmob aufgerufen hatte – seitdem wird jedes Jahr am 1.10. gefeiert, und es kommen immer mehr Menschen dazu. Diesmal trafen wir uns vor dem „Knust“ und außer vielen sehr netten Besucher*innen waren auch alle dabei, die in der Szene Rang und Namen haben: Oll inklusiv, Kulturistenhoch2, BrigitteWIR, Eben im Leben e.V. , die Medienboten der Bücherhalle Hamburg, Clubkinder e.V., Seniorenmagazin Hamburg, Clownin Rosalore, die Hamburgische Brücke… Es entsteht eine Altenbewegung, die nicht nur über Pflege und Alzheimer reden will, sondern darüber, dass sie sich aus vielen Bereichen ausgeschlossen fühlt: aus coolen Clubs, Versicherungen, Jobs, Ehrenämtern, der Partei…

Die Presse war stark vertreten mit mehreren Radio- und Filmteams.

Mitra Kassai, bekannt als DJ Rita von Oll inklusive, legte auf, und die Tanzfläche füllte sich nach kürzester Zeit. Die älteste Tänzerin war 95, ließ ihren Rollator in der Ecke stehen, setzte sich die blau leuchtenden Kopfhörer auf und ab ging die Post!

Kalle von den Grünen Alten hatte Spaß

Die Silent Disco im NDR Hamburg Journal

Kalle von den Hamburger Grünen Alten wollte zwar nicht tanzen, hatte aber auch beim Eierlikörtrinken sichtlich Spaß. Und aus Taiwan war extra eine Delegation angereist,  die das Konzept von Flashmob und Silent-Disco nun in ihrer Heimat umsetzen will.

Im Gemeindehaus der Hauptkirche St. Michaelis fand zur gleichen Zeit die Festveranstaltung des Landesseniorenbeirates mit dem ersten Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher und Vorträgen statt. Tschentscher verwies darauf, dass die Zahl der Über-65-Jährigen von 370.000 bis 2035 auf 425.000 steigen werde, ein Drittel von ihnen werde über 80 Jahre alt sein.

Die Weichen für den demografischen Wandel sollten jetzt gestellt werden!

Über den schwierigen Neubeginn nach der Flucht

Veranstaltungshinweis vom Haus am See:

Dieses bunte Deutschland: Über den schwierigen Neubeginn nach der Flucht

19. Oktober 2018 · 19 Uhr · FILM UND DISKUSSION · EINTRITT FREI

Ein Jahr lang haben Filmteams vier Geflüchtete in Deutschland begleitet: Die junge Syrerin Samiha hat die Flucht ins Allgäu verschlagen, wo sie den Traum lebt, eines Tages ihr Inge­nieur-Studium fortsetzen zu können. Im sächsischen Pirna lebt der 17-jährige Afghane Said bei einer deutschen Ersatzmutter und hofft auf einen Ausbildungsplatz als Tischler. In Berlin kämpft der Syrer Hasan, ein ehemals erfolgreicher Geschäftsmann, um den Nachzug seiner Familie. Und im brandenburgischen Groß Schönebeck versucht die Tschetschenin Zainap über ihre Arbeit in einem Kindergarten Anschluss an Deutsche zu finden. Eine beeindruckende Dokumentation über vier unterschiedliche Schicksale, die eines verbindet: Sie sind vor Krieg und Terror geflohen und müssen nun lernen, sich in einem fremden Land zurechtzufinden. Es ist ein schwieriger und mutiger Neubeginn zwischen Hoffen und Warten, Träumen und Rückschlägen und auch zwischen helfenden, offenen Mitbürgern und feindseligen Ressentiments.

Diskussion mit Aydan Özoguz, Bundestagsabgeordnete und Eric Laugell, Sozialdezernent Hamburg-Wandsbek und zwei Nachbarschaftsmüttern

Haus am See Hohenhorst Schöneberger Straße 44 · 22149 Hamburg

Kontakt: Torsten Höhnke · Telefon: 040 66851410 www.haus-am-see-hohenhorst.de

Gut leben im Quartier – auch im Alter

Die Expert*innen der Podiumsdiskussion; Foto Jörn Meve

Die Idee für die Veranstaltung „Senioren leben im  Quartier“ war im größten Hamburger Bezirk, in Wandsbek, nach einer Heimtour entstanden. Dabei werden auf Initiative des Bezirksseniorenbeirates Pflegeheime besucht, um sie besser kennenzulernen. Während der Tour tauchte die Frage auf, welche Alternativen es zu Heimen gibt, weil die meisten Menschen doch lieber so lange es geht in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben möchten. Der Bezirksseniorenbeirat (BSB) entwickelte bald ein entsprechendes Konzept für einen Fachtag, um über die Beratungsmöglichkeiten in Sachen ambulante Pflege, Barrierefreiheit für zu Hause, finanzielle Unterstützung etc. zu informieren. Dieser Fachtag hat nun stattgefunden, mit sehr guten Referent*innen, einer kurzen Podiumsdiskussion und intensiven Gesprächsrunden.

Der Verein Barrierefrei Leben e.V.  gab einen umfassenden Überblick über mögliche Umbaumaßnahmen für Bad, Küche und Hauszugang und empfahl, einen Besuchstermin zu vereinbaren, da man sich gratis und neutral beraten lassen und in einer Musterausstellung Barrierefreiheit auch erleben kann. Auch auf der Homepage des Vereins gibt es reichlich Informationen zur Wohnberatung.

Diskussion in den Arbeitskreisen

Anschließend ging es um eine gute Nahversorgung, was bedeutet:  Güter des täglichen Bedarfs  sollen in einem Umkreis von 500 bis 800 Metern von der Wohnung fußläufig erreichbar sein. Keine Stadtplanungsbehörde kann natürlich ein Geschäft zwingen, an einen bestimmten Ort zu kommen – aber durch Auflagen und Förderung lässt sich vieles steuern. Bei Planungen für Neubaugebiete ist es z.B. ideal, wenn die Erdgeschoss-Ebenen als Läden, Arztpraxen oder für gastronomische Betriebe genutzt werden,  darüber wird gewohnt.

Generell kann man sagen, dass heute im nördlichen Teil von Wandsbek mit seinem hohem Anteil an Grünflächen und Einzelhäusern die Nahversorgung schlechter ist als im Zentrum. Negativ wirken sich auch Supermärkte auf der grünen Wiese aus, da sie Kapazitäten von kleineren Läden, die zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden, abziehen.

Auch wenn in Wandsbek eigentlich genügend Arztpraxen vorhanden sind, bekommt man oft nur schwer einen Termin, hat lange Wartezeiten und Hausärzte weigern sich, ins Haus zu kommen, obwohl sie zum Hausbesuch verpflichtet sind. Am besten, so rät das Fachamt Gesundheit, sollte man seine Ärztin oder seinen Arzt schon einmal fragen, wie sie oder er es mit Besuchen hält, bevor man darauf angewiesen ist. Und wer allein nicht mehr auf den Facharzt-Stuhl kommt, kann sich erkundigen: Es gibt entsprechend barrierefreie Praxen.

Mittags gibt es Würstchen – diesmal auch mit veganer Variante

Die bezirkliche Seniorenberatung berät Bürger*innen ab 65 Jahre und ist zuständig bei allen Fragen zur häuslichen Pflege und Hilfen im Haushalt und deren Finanzierung. Dort werden ambulante Dienste vermittelt, die Suche nach einem Heimplatz unterstützt und man arbeitet eng mit dem Sozialamt und dem Grundsicherungsamt zusammen.

Pflegestützpunkte  verstehen sich als Pflegelotsen, wenn Leute nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Die Berater*innen kennen alle Fachstellen für häusliche Umbaumaßnahmen, für Leistung und Finanzierung der Pflegeversicherung, ambulante Pflegedienste oder zum Einbau von einem Hausnotrufsystem.

Die verschiedenen Pflege-Organisationen hatten viele Informationen dabei

Die Diakonie mit ihrer Angehörigen Schule weist darauf hin, dass es vermutlich allein in Hamburg 40.000 bis 100.000 pflegende Angehörige gibt, genaue Zahlen sind nicht bekannt. In der Regel sind es Laien, die 70% der Pflegearbeit leisten! Zur Zeit können sich erwerbstätige Angehörige maximal 10 Tage Auszeit am Arbeitsplatz nehmen, um ambulante Pflege oder Heimunterbringung zu klären – und ausreichend finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite ist leider nicht zu erwarten.

Die Alzheimer Gesellschaft Hamburg e.V. ist ein Verein mit 15 Teilzeit-Angestellten und 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, die gut aufgestellt sind. Es gibt inzwischen einen Treffpunkt für Menschen mit beginnender Demenz, einen Chor mit Sänger*innen mit und ohne Demenz und sogar eine Sportgruppe im Stadtteil Volksdorf. Ziel des Vereins ist es, dass sich demente Menschen nicht zurückziehen, sondern weiter am Leben teilhaben können.

Dem ASB (Arbeiter-Samariter-Bund)-Sozialstation im Stadtteil Jenfeld/Tonndorf ist es wichtig, dass ihr Mitarbeiterstamm überschaubar ist, und sie eine gute Beziehung zu den Pflegefällen haben. Bei einem ersten Besuch wird darüber informiert, welche Hilfen installiert werden können und welche Kosten auf die Patienten zukommen.

Frau Gust von der Behörde für Verbraucherschutz ist auch die Teilhabe älterer Menschen wichtig, die nicht mehr so mobil sind

 

Nach der Podiumsrunde informierte die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz über Teilhabemöglichkeiten im Quartier. Wichtig ist eine ausreichende Zahl an Gemeinschaftsräumen, damit Menschen die Chance haben, sich regelmäßig treffen zu können. Und natürlich sind auch nachbarschaftliche Kontakte sehr bedeutend. Um die zu koordinieren wäre ein Quartiersmanagement gut. Man könnte auch Fahrdienste für Arztbesuche organisieren. Wohngemeinschaften werden zur Zeit hauptsächlich für demenzkranke Menschen gegründet.

Nach soviel Input gab es erstmal eine Stärkung mit Kartoffelsalat und Würstchen – wer wollte, bekam sogar ein veganes!

Dann ging es in die Arbeitsgruppen, um mit den Referenten intensiver ins Gespräch zu kommen. Man konnte wählen zwischen zwischen drei Themenkreisen: „Altersgerechtes Wohnen“, „Pflege und Betreuung“ und „Gemeinsam statt einsam“.

Die Diskussions-Ergebnisse aus den verschiedenen Gruppen wurden am Ende in einer letzten Gesprächsrunde vorgestellt. Den Abschluss bildete ein tolles Kuchenbuffet, gespendet von einem BSB-Mitglied! Dabei ließ sich noch gemütlich weiterreden – oder man informierte sich an den vielen Ständen der Beratungsstellen, die auch Flyer und Infomaterial bereit hielten.

Die Mischung aus Vorträgen und Gesprächssrunden wurde sowohl von den Expert*innen als auch von den Teilnehmer*innen als sehr gelungen betrachtet, ein gutes Modell für zukünftige Veranstaltungen!

Kreismitgliederversammlung zum Bezirkswahlprogramm

Bei der letzten KMV noch im Bauch, diesmal schon dabei: Maryams und Jans Baby hat die Sitzung – abgesehen von kurzen Trinkpausen – einfach verschlafen

Die Sitzungsleitung mit Moderator Rainder Steenblock, Alice Buxton, die protokolliert und Kreisgeschäftsführer Eckhard Heumeyer, der Änderungsvorschläge gleich in den Text einpflegt

Diese Kreismitgliederversammlung (KMV) hatte es in sich: Punkt für Punkt wurde der Textentwurf „Sozialer Zusammenhalt im Bezirk“ für das neue Bezirkswahlprogramm durchgegangen, den die Schreibgruppe verfasst hatte. Das ursprüngliche Konzept hatte Maryam Blumenthal, Kreisvorstands-Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der Bezirksfraktion, auf der Grundlage der öffentlichen Workshops im Bezirk entworfen. Ich habe es anschließend redaktionell überarbeitet und noch den einen oder anderen Vorschlag speziell für ältere Menschen hinzugefügt, und anschließend ging der Entwurf an die Fachsprecher*innen der Fraktion.

 

Etwa 30 grüne Mitglieder waren gekommen, darunter viele neue Gesichter

Der Programmteil „Soziales“ wurde verabschiedet, „Umwelt und Verbraucherschutz“ andiskutiert

Alles zusammen lag nun also der KMV vor, die etwa dreieinhalb Stunden brauchte, um diesen  Programmteil Absatz für Absatz durchzugehen. Abschließend wurde der gesamte Text verabschiedet und der zweite Programmteil, „Natürlicher und gesunder Bezirk“ andiskutiert. Konkret sollen die Änderungsanträge auf der nächsten KMV diskutiert und beschlossen werden.

Moderator der Sitzung, Rainder Steenblock vom Kreisvorstand, gab noch kurz einige Informationen zur Bundesdelegiertenkonferenz im November in Leipzig, auf der die Kandidaten für das Europaparlament gewählt werden.

Vor der KMV  hatte es noch ein Neuentreff gegeben, zu dem wieder viele neue grüne Mitglieder aus Wandsbek erschienen sind, um ihre Fragen zur möglichen Mitarbeit loszuwerden.

Alice, die bei einer der der letzten KMVs auch zum Neuentreff gekommen war, ist übrigens inzwischen Mitglied im Kreisvorstand und hat während der KMV Protokoll geführt.

Die Programmtexte stehen jetzt auf der Webseite bezirkswahl-wandsbek.antragsgruen.de, auf der auch Änderungsanträge gestellt werden können.