Mitgestaltung und grüne Oasen: 3 Fragen an Olaf Duge

Olaf, warum bist du vor fast 25 Jahren den GRÜNEN beigetreten?

Ja, im Dezember 1991 bin ich Mitglied bei den GRÜNEN geworden. Zuvor hatte ich mich bereits etwa ein Jahr als Mitglied einer Bürgerinitiative für Naturerhalt im Stadtplanungsausschuss auf einem stellvertretenden Mandat der Grünen vor allem bei den Bauplanungen des Wandsbeker Bezirkes engagiert, um wertvolle Grünflächen zu erhalten. Wir waren dabei erstmals erfolgreich und haben die starren Entscheidungsstrukturen aufgebrochen, Beteiligung erkämpft, obwohl es manchmal zu Anfang aussichtslos aussah. Ohne die GRÜNEN wären wir in der Initiative nicht an wertvolle Informationen gekommen und mir wurde klar, dass wir mit einer starken GRÜNEN Partei gegenüber den beiden Traditionsparteien CDU und SPD, die abwechselnd die Mehrheit in Wandsbek stellten, etwas erreichen konnten. Außerdem konnte ich innerhalb der GRÜNEN als Mitglied direkt mitwirken, sowohl bei der Aufstellung von KandidatInnen als auch bei Fragen, wie wir bei bestimmten Bauvorhaben vorgehen.

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Olaf Duge ist 1952 in Hamburg geboren, in Eilbek aufgewachsen, hat sein Studium als Diplom-Handelslehrer 1977 abgeschlossen und ist seit 1991 Mitglied der GRÜNEN. 2001 wurde er Abgeordneter der Bezirksversammlung Wandsbek, ab 2004 war er Fraktionsvorsitzender dort. Seine Themen: Stadtentwicklung und Wohnen

Du bist als Stadtentwicklungs-Sprecher der Bürgerschaftsfraktion ja ständig mit den Hamburger Bau- und Planungsvorhaben befasst. Ist das nicht eine völlig von den Menschen abgehobene Welt?

Tatsächlich sind viele Entscheidungen der Planungs- und Bauämter für einen Großteil der BürgerInnen und Bürger kaum nachvollziehbar.

Und dennoch hat sich – wenn man den Zeitraum von 25 Jahren einmal ansetzt – viel verändert, nicht zuletzt durch die GRÜNEN in enger Zusammenarbeit auch mit Initiativen und Umweltverbänden. Transparenz und Beteiligung werden zwar in Teilen der Verwaltung noch als lästig angesehen, aber es sind keine absoluten Fremdwörter mehr.

Mit den Veränderungen meine ich nicht nur Beispiele wie das Transparenzgesetz und den Erfolg der GRÜNEN, dass bestimmte Sitzungen z.B. der Stadtentwicklungskommission nicht mehr unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden,  sondern vor allem auch die über das Gesetz hinausgehende Beteiligungskultur, die wir als Grüne besonders dort, wo wir mitgestalten konnten, vorangetrieben haben: Beteiligung von BürgervertreterInnen bei Wettbewerbsverfahren, frühzeitige Bürgerbeteiligung vor Planungsbeginn, die Bereitschaft BürgerInnen und Bürger als „Fachleute vor Ort“ anzuerkennen, Workshops und Planungswerkstätten durchzuführen u.a.m. Damit sind wir aber noch lange nicht am Ende, im Gegenteil. Mit der interaktiven Beteiligung, auch unter der Nutzung der digitalen Medien, stehen wir noch sehr am Anfang. Aber Erfolge wie z.B. der Kompromiss bei den Esso-Häusern machen Mut. Dabei sind gerade wir GRÜNEN es, die als Kraft in der politischen Ebene gefragt und gefordert sind.

Demokratie lebt von der Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger. Wer lieber selbst mitbestimmen als zugucken möchte, ist bei uns, den GRÜNEN, genau richtig. Um mehr Menschen dazu zu bewegen, bei uns Mitglied zu werden, setzen wir jetzt Sharepics ein. Das sind Miniplakate, auf denen Grüne Mitglieder sagen, wofür sie eintreten und weshalb sie selbst Mitglied bei den Grünen sind. Und weshalb es so wichtig ist, sich gerade in diesen Zeiten offen zu seinen Standpunkten zu bekennen. Zum Beispiel mit einem klaren „Ja“ zur Grünen Partei.
Mehr Infos: http://www.gruene-wandsbek.de/eintreten
Hintergrund zur Kampagne: hier

An allen Ecken und Kanten in der Stadt wird gebaut. Wo bleibt das Grün?

Durch den Zustrom vieler Menschen stehen wir vor der Frage, wo diese bleiben sollen. Sollen wir mehr in die Höhe bauen, weiter aufstocken, nachverdichten oder sollen wir Freiflächen, insbesondere auch Grünflächen, opfern? Die Antwort wird nicht einfach und einseitig sein können, das würde nicht reichen um den vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden.

Für mich gibt es wie auch in den Grünen Landesarbeitsgemeinschaften drei  Grundsätze, die nicht nur dem Schutz bestehender, sondern auch der Aufwertung und Ausweitung neuer Grünbereiche dienen:

1. Innenverdichtung hat Vorrang vor Bebauung von  Außengebieten. Das heißt z.B. auch Umsiedlung von Gewerbe zugunsten des Wohnungsbaus (z.B. im Brauhausviertel) und die „Stapelung“ von Gewerbe, so dass nicht nur ebenerdig, sondern auch ein- und zweigeschossig Gewerbe betrieben werden kann.

2. Es gibt Tabuzonen, die von Bebauungen frei zu halten sind: Naturschutzgebiete, die Elbmarschen und u.a. in Wandsbek auch die großen Feldmarken, insbesondere, wenn die damit verbundenen ökologisch wichtigen Funktionen wie Artenvielfalt, städtisches Klima und Wasserschutz verbunden sind.

3. Eine Verdichtung (z.B. Aufstockung/Nachverdichtung) ist stets auch von den Freiräumen her zu denken. Deswegen ist eine Verdichtung immer mit einer Qualitätsverbesserung der Freiräume z.B. im Grünbereich zu verknüpfen.

Ich habe mich besonders für die Aufwertung des Wandsegrünzuges eingesetzt und bin froh darüber, dass wir nun Gelder bekommen haben, um den Mühlenteich auch im nördlichen Teil aufzuwerten und den Wanderweg zum Eilbektal barrierefrei zu machen. Beim umstrittenen Bau am Bahnhof Hasselbrook ist es uns, wenn auch mit Mühen, gelungen, Teile der bisher nur für den Autoverkehr genutzten Straße zum Jakobipark hin aufzuwerten. Die Parks und auch die Grünvernetzungen, ob z.B. in der Kantstraße in Eilbek, ob in Jenfeld, in Marienthal oder Tonndorf sind für mich nicht antastbar.

Aber GRÜN heißt auch, mehr Lebensqualität durch bessere Luft und weniger Lärm zu erreichen. Deshalb setzen wir uns auch in Wandsbek für bessere Möglichkeiten zum Fahrradfahren ein, mit Fahrradstraßen, sichereren Fahrradwegen und mehr Fahrradstationen, deshalb wollen wir die Wandsbeker Chaussee entlasten und entschleunigen und den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen.

Das alles geht aber nicht mit einer Stellvertreterpolitik, sondern nur, wenn wir die Menschen mitnehmen und gewinnen, sich für mehr Lebensqualität z.B. in ihrer Nachbarschaft einzusetzen, aktiv oder auch nur passiv. Dafür sind die GRÜNEN für mich die Richtigen.

Veröffentlicht am 9. Oktober 2016 in Green Notes und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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