Digitaler Handel: Schöne neue Welt?

Thomas Gambke ist grüner Wirtschaftsexperte…

…und sieht Gefahren und Chancen im digitalen Handel

Die Stadtteilgruppe Walddörfer/ Alstertal hatte ein grünes Bürgergespräch in der Ohlendorff‘sche Villa mit ihrem Mitglied und Wirtschaftsexperten Dr. Thomas Gambke organisiert. Thomas ist promovierter Diplom Physiker, begann seine grüne Karriere 2005 als Mitglied im bayerischen Landesarbeitskreis Wirtschaft&Finanzen, war von 2009 bis 2013 Koordinator des Wirtschaftsdialogs im Deutschen Bundestag und ab 2012 Mittelstandsbeauftragter der Grünen Fraktion. In der O-Villa ging es am 19.10. um Veränderungen in unserer Gesellschaft durch den  digitalen Handel.

Thomas holte erstmal etwas weiter aus und stellte vorweg, dass wir dringend solide Mehrheiten bräuchten, um grüne Ziele durchzusetzen. Als kleine Partei in der Koalition sei die Einflussnahme logischerweise sehr begrenzt. Entscheidende Entwicklungen in unserer Gesellschaft seien zum einen der demografische Wandel: In 30 Jahren würden in Europa 50 Millionen Menschen weniger leben als heute. In Afrika dagegen fast 3 Milliarden mehr als jetzt, mit relativ instabilen Regierungen. Das würde einen unglaublichen Druck erzeugen, und es sei lächerlich zu glauben, man müsse nur Grenzen hochziehen und alles sei gut. Zum anderen würde es zu großen Veränderungen durch die Digitalisierung kommen. Was genau passieren würde, könne man jetzt nur vermuten, man müsse die Entwicklungen immer neu anschauen und analysieren, um gut vorbereitet zu sein. Wichtig sei deshalb, die Fähigkeit zu haben, Meinungen auch zu revidieren, wenn es neue Erkenntnisse gäbe. TTIP abzuschaffen sei zum Beispiel Quatsch, aber nur fairer Handel sei auch freier Handel.

Etwa 20 Besucher*innen waren zum grünen Bürgergespräch in die O-Villa gekommen

Die Automobilindustrie wird sich voraussichtlich in 10  Jahren extrem verändert haben, das betrifft 800.000 Arbeitsplätze. Solche Entwicklungen sind auffangbar, das hat die Vergangenheit gezeigt. Arbeitsprozesse werden sich verändern, wir müssen lernen, damit umzugehen.

10% des Handels würde heute über das Internet abgewickelt, in fünf Jahren werden das voraussichtlich 50% sein. Nur 3% der angebotenen Produkte seien bei Amazon z.B. wirklich günstig, das stünde beim Kauf aber auch nicht im Vordergrund. Man kauft online, weil es so schön bequem ist.

Der Lebensmittelhandel spüre die Veränderungen schon, besonders in Berlin oder auch in München. In Volksdorf sei es noch nicht soweit. Wenn wir nicht rechtzeitig eingreifen, könne es zur Verödung der Innenstädte kommen durch die vielen Leerstände. Gleichzeitig wird der Verkehr zunehmen, da alle Waren angeliefert würden. Vermutlich würde es immer mehr Showrooms geben, in denen man Waren ansehen, anfassen oder an ihnen schnuppern kann. Gekauft würde dann digital. Was auch Vorteile habe, da die Lagerhaltung in den Innenstädten wegfiele, man bräuchte nicht mehr so viel klimatisierten, beleuchteten Raum.

Wichtig seien klare Regeln zur Verpackung, man könnte z.B. festlegen, welches Verhältnis das Volumen des gekauften Gegenstandes zum Volumen der Verpackung maximal haben darf. Damit nicht eine kleine Glühbirne umhüllt von Plastik im Riesenkarton gebracht wird.

Gefragt sind schlaue Lösungen, um Einkäufe zu bündeln.

Und neue Begegungsstätten, um unsere Quartiere lebendig zu erhalten. Das sollten wir auch bei der Verabschiedung unseres Wandsbeker Bezirkswahlprogrammes bedenken!

 

 

 

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