Siegfried Stockhecke aus den Walddörfern ist 70 geworden

Der Aufruf gegen Rechtsradikalismus in Volksdorf im Jahr 2000

Diese Mail schrieb Siegfried Stockhecke kurz vor seinem 70. Geburtstag:

Liebe Leute, vor nun fast zwanzig Jahren haben über 30 Volksdorfer Institutionen
eine Erklärung im damaligen Volksdorfer Hanse Journal/Manfred Heinz gegen Neonazis veröffentlicht!
Nach dem überwältigenden solidarischen Erlebnis/ Konzert in Chemnitz (65.000!)
gestern und der angekündigten Demonstration am 29. September in Hamburg erlaube
ich mir auf die Möglichkeit hinzuweisen, wieder in Volksdorf ein Zeichen zu setzen.
Wer STEHT braucht nicht aufstehen! In diesem Sinne grüßt
Siegfried Stockhecke, Arbeitskreis „Weiße Rose“ Volksdorf

 

Ankündigung der Vorgeburtstagsfeier in der Koralle – der tatsächliche Geburtstag war am 18.9.

Kämpferisch wie immer hat er auch seine Vor-Geburtstagsfeier in der Koralle gestaltet und gleich klargestellt: mit den Begriffen rechts-links kann er wenig anfangen, Farbenspielereien liegen ihm nicht, er würde sich selbst die Farbe Himmelblau geben, wenn ihn jemand fragen würde und als der radikalen konservativen Mitte zugehörig bezeichnen. Und hatte natürlich die Lacher auf seiner Seite.

Politisiert wurde er mit 13 Jahren durch den Anti-Kriegsroman „Stalingrad“ von Plievier und wollte, dass so etwas nie wieder passiert. Kein Wunder, dass er wirklich wütend wurde, als in Volksdorf bei Bauarbeiten das Mahnmal der Weißen Rose verschwand und schließlich in Bergstedt wiedergefunden wurde. Das war der Start für einen Riesenkampf, wie er sagt, der ihm viele graue Haare beschert hat – und den er am Ende gewonnen hat, das Mahnmal steht wieder in Volksdorfs Mitte und zeugt von dem tapferen Widerstand der Geschwister Scholl gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten.

Angeschoben hat er viel bei uns, angefangen vom nicht kommerziellen Flohmarkt, der als einer der schönsten Europas gilt (- nachzulesen laut Heimat Echo in einem Flohmarktführer -) über die Volksdorfer Kulturtage zur Nachhaltigkeit bis zur Dokufilmfront mit vielen wichtigen politischen Filmen in der Koralle. Für sein großes Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt bekam er 2014 den Umwelt- und Sozialpreis des Regionalausschusses Walddörfer.

Happy Birthday, Siegfried Stockhecke, zum 70.!

Was ihn nach wie vor ärgert ist die Schließung des Ortsamtes in Volksdorf. Früher ging er einfach zum Leiter, wenn er etwas anstoßen wollte, das waren kleine Wege: Seitdem die Bürger zu Kunden wurden, ist alles viel bürokratischer geworden. Deshalb hat er die Ohlendorff’sche Villa auch noch  nie betreten.

Er freut sich aber, mit allen im Gespräch zu sein. und ist im Übrigen der Meinung, dass er nun genug Zeichen gesetzt hat und jetzt mal die Jüngeren dran sind. Ob das klappt mit dem Leiserwerden?

Auf jeden Fall: Happy Birthday nachträglich, lieber Siegfried!

Mehr Infos im Heimat Echo.

 

 

 

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