„Alle inklusive“ in Wandsbek?

Mareike Engels, Sprecherin Soziales in der Grünen Bürgerschaftsfraktion und Dennis Paustian-Döscher, Bezirksabgeordneter aus Wandsbek

In Hamburg leben nach Erhebungen des Statistischen Landesamt rund sieben Prozent Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung. Um die Interessen von Menschen mit Behinderungen noch besser zu berücksichtigen, hat die Bezirksversammlung Wandsbek bereits 2012 den hamburgweit ersten Inklusionsbeirats auf Bezirksebene eingerichtet.

Es ist schließlich nicht die physische oder psychische Beeinträchtigung, die eine Behinderung verursacht. Erst der Umstand, der Menschen in einer Situation eine Einschränkung ihrer Teilhabe erfahren lässt, macht sie zu Menschen mit Behinderungen.  Dieses Denkmuster muss allerdings in der Gesellschaft erstmal verstanden und verankert werden. Auch im größten Hamburger Bezirk Wandsbek.

Der Wandsbeker Bezirksabgeordnete Dennis Paustian-Döscher ludt deshalb zum Thema „Alle inklusive? – Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Wandsbek“ zu einem Gespräch ein. Mit dabei war auch Mareike Engels, Sprecherin für Soziales, Frauen und Gleichstellung der GRÜNEN-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft.

Diskutiert wurde lebhaft von Anfang an

Etwa 16 Menschen waren gekommen, mit und ohne Behinderung, Mütter, Rentner*innen und Vertreter*innen unterschiedlicher Organisationen oder Gruppen wie die Kämpfer, die sich für ein barrierefreies Einkaufszentrum in Farmsen einsetzen.

Die Veranstaltung fand in den schönen Räumen von „Der Paritätische“ statt – mit Kuchen und Kaffee

Noch bevor Dennis und Mareike mit ihren Eingangstatements beginnen konnten, legten die Anwesenden bereits in der Vorstellungsrunde los: Eine Mutter beklagte, dass ihr autistischer Sohn keine Wohnung in Hamburg findet, eine andere, dass ihr hörgeschädigten Sohn trotz zwei Ausbildungen immer noch keinen Arbeitsplatz hat. Es wurde kritisiert, dass sich immer mehr Träger von Fördereinrichtungen zu Wohnungsbaugesellschaften umwandelten, dass die Bedingungen für Menschen mit Behinderungen immer schlechter würden und die Betreuer wegliefen.

Mareike schaffte es dann doch noch auch von erreichten Erfolgen zu sprechen, z.B. der Einführung der Gebärdensprache als Wahlpflichtfach an Schulen seit 2015, dem konsquenten Ausbau der Barrierefreiheit an U-Bahnen und S-Bahnhaltestellen sowie generell im öffentlichen Raum. Gerade wurde ein Antrag für eine Frauenbeauftragte in den Werkstätten gestellt, das Amt der Senatskoordinatorin, dass Frauke Körner innehat, soll nicht mehr ehrenamtlich ausgeführt werden, sondern in Zukunft eine feste Stelle werden. Das Kompetenzzentrum Barrierefreiheit sowie die Einrichtung des Hauses der Barrierefreiheit werden gerade eingerichtet.

In Wandsbek, führte Dennis fort, wird zur Zeit die Geschäftsordnung der Bezirksversammlung in leichte Sprache umgesetzt und die wichtigsten bezirklichen Broschüren folgen. Auf Antrag würden Gebärden- und Schriftdolmetscher angefordert. Der barrierefreie Umbau des Bürgerhauses ist geplant und die erste „Toilette für alle“ im Bezirksamt Wandsbek beschlossen. Der Verwaltungsneubau im Alstertal wird von Anfang an mit dem Inklusionsbeirat barrierefrei geplant, und auch das Verwaltungsgebäude Rahlstedter Straße wird barrierefrei umgebaut, die Leitsysteme für Blinde überprüft. Und es wurde ein Inklusionsfonds über 200 000 Euro für die Wahlperiode 2014 bis 2019 geschaffen.

Wenn auch schon einiges erreicht ist: Nach der Veranstaltung stand fest, dass auch in Zukunft noch ganz viel zu tun ist. Und dass man unbedingt mit allen im Gespräch bleiben muss!

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