Beeindruckende Ausstellung in den Deichtorhallen

Untitled, Kohlezeichnung von Robert Longo: syrische Flüchtlinge im Schlauchboot. Foto: A.Metzger

Ehrlich, mich hat selten ein Bild so berührt wie die großformatige, hyperrealistische Kohlezeichnung eines Flüchtlingsbootes von Robert Longo. Der kürzlich von zeit.de als Pop-Ikonograf des neuen Jahrtausend bezeichnetet Künstler zeichnet u.a. Fotos mit Kohle nach und verändert sie dabei. Bei dem Triptychon des Flüchtling-Bootes hat er dem Foto der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ drei Meter Meer zugefügt und den Blickpunkt knapp über die Wasseroberfläche gelegt. Dadurch versetzt er die Betrachter in die Rolle der Schiffbrüchigen, nur ein paar Meter entfernt von den Menschen im Boot. Man spürt förmlich den hohen Wellengang, die bedrohliche Stimmung und die Angst, in dem kleinen, schwankendem Boot hilflos den Naturgewalten ausgeliefert zu sein.

Ich würde mir wünschen, dass ganz viele Besucher*innen dieses Bild erleben!

Auch die anderen Bilder der Ausstellung sind sehenswert, es werden drei Künstler mit ähnlichem Ansatz vorgestellt, die die sozialen, kulturellen und politischen Verhältnisse ihrer jeweiligen Zeit in bildgewaltige Werke überführen. Neben Longo sind Goya und Sergej Eisenstein zu sehen. Die Ausstellung heißt Proof, es gibt einen Multimedia-Guide und kostenlose Führungen an jedem Samstag und Sonntag um 16 Uhr, am Donnerstag um 19 Uhr. Sie geht noch bis 27. Mai. Unbedingt hingehen!

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