Wetterwandel in den Walddörfern?

Entwurzelte Birke im Klöpper Park in Volksdorf nach Herwart

Erst Xavier, dann Herwart: die ersten Herbststürme waren in diesem Jahr besonders heftig – und das gleich so kurz nacheinander. Von den Folgen haben wir noch länger etwas, viele Bäume wurden entwurzelt, Äste brachen, Wege sind immer noch versperrt, wie hier im Klöpperspark in Volksdorf. Forstbeamte warnen vor schief stehenden Bäume, die immer noch umkippen könnten, Kronenabbrüche oder Äste könnten ohne Vorwarnung auf die Wege fallen.

Abgebremster Fall in den Teichwiesen

Sind das schon Zeichen für den Klimawandel? „Jeden Sturm muss man zunächst als Einzelereignis betrachten“, sagt der Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD), Adrian Leyser, in einem ZEIT-online-Interview. „Ein extremer Sturm kann ein Puzzleteil des Gesamtbildes Klimawandel sein. Erst nach Beobachtungen über Jahrzehnte und Jahrhunderte fügt sich das Gesamtbild zusammen. Und erst dann wird man deuten können, ob die globale Erwärmung auch bei uns zu mehr Orkanen geführt hat.“ Wichtig sei auf jeden Fall, dass Menschen aufmerksam seien, sich vergegenwärtigen, dass auch in der Stadt Äste oder Gebäudeteile herabfallen können. (Es gibt übrigens eine Warn Wetter App vom DWD, die regional informiert.)

Abgebrochene Äste am Saseler Weg

Klar ist jedenfalls: Der weltweite Temperaturanstieg geht unvermindert weiter. Nach den besonders warmen Jahren 2014, 2015 und 2016 wird auch das Jahr 2017 zu den wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen gehören. Die in Paris vereinbarte Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad scheint kaum mehr erreichbar zu sein. Die UNO geht in ihrem Umweltprogramm sogar von einer Erwärmung von mindestens drei Grad aus, selbst wenn alle bisher vorgelegten Klimaschutzvereinbarungen eingehalten würden. Leider waren im vergangenen Jahr immer noch 106 Großkraftwerke aktiv, die Strom aus Braun- oder Steinkohle produzieren. Die Emissionen aus der Stromerzeugung ergeben zusammen mehr als ein Drittel der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen.

Sechs entwurzelte Linden nach Sturm Xavier in der Schemannstraße

„Jedes Jahr sind die Emissionen von Kohlekraftwerken in Deutschland Ursache für mehrere Tausend vorzeitige Todesfälle.“, heißt es im Vorwort der WWF-Studie zur Zukunft des Stromsystems. ”Eigentlich Grund genug, die Grenzen der Erde zu respektieren, auch in unserer Art und Weise, Strom zu produzieren. Doch das erfordert einen ernsthaften und weitgehenden Wandel in der Energiewirtschaft.“

Tiefe Schräglage in den Teichwiesen

All das wird auf jeden Fall Thema sein bei der 23. Weltklimakonferenz in Bonn, bei der sich ab 6.11. unter der Präsidentschaft von Fidschi 195 Staaten treffen, um an der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu arbeiten. Neben den Delegierten werden auch etwa 500 Vertreter*innen von Nichtregierungsorganisationen  (NGOs) erwartet.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die grünen Verhandler*innen bei den Koalitionsgesprächen in Sachen Klimaschutz und Agrarwende durchsetzen werden.

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