Staub is in the air…

Der Physiker Dr. Goers erklärt, dass die Belastung in den 80ern besonders hoch war, 1995 wurde die Luft aufgrund von vielen Maßnahmen sauberer, bis zum Jahr 2000…

…seit dem Jahr 2000 scheint der Grad der Luftverschmutzung eingefroren, es tut sich seitdem nichts mehr – die Belastung mit bodennahem Ozon ist sogar stärker geworden, auch wenn es nicht mehr so oft zu Spitzenwerten kommt

Am Dienstag auf einer Pressekonferenz im Park Hyatt Hotel, mitten in Hamburg: Dr. Stefan Goers von der TÜV Nord Umweltschutz GmbH, beklagt, dass es in Hamburg nur vier Mess-Stationen gibt, die die Luftschadstoffe in der Außenluft messen: „Diese Anzahl ist gesetzlich vorgeschrieben als Minimum, aber für eine Stadt wie Hamburg eindeutig zuwenig“, sagt der Physiker.

Gemessen wird an den Stationen u.a. Feinstaub, der nicht gleich als Staub zu Boden sinkt, sondern eine Zeitlang in der Luft schwebt. Ein großer Teil der Partikel ist ganz natürlich in der Luft vorhanden, z.B. in Form von Salzpartikeln an der See oder zu uns gewehter Saharastaub. Viele Partikel sind aber von Menschen gemacht, z.B. durch den Abrieb von Bremsen und Autoreifen im Straßenverkehr, durch Abgase, Ölheizungen oder Ammoniak aus der Massentierhaltung. Und klar: Auch Elektroautos erzeugen Feinstaub beim Bremsen.

Die Umweltmedizinerin Prof. Traidl-Hoffmann zeigt, dass Schadstoffe über Haut oder Lunge bis ins Hirn dringen – und es auch einen Zusammenhang zwischen Ozon und Alzheimer gibt.

Besonders sehr kleine Partikel sind ein Problem, da sie tief in die Atemwege eindringen, dort verweilen und die Lunge nachhaltig schädigen. Gemessen werden z.B. die Partikel „PM10“ und „PM2,5“,  die ein 1/10 bzw. 1/40 mal so groß wie ein Haar sind. Professorin Claudia Traidl-Hoffmann, Umweltmedizinerin an der TU München, berichtet von einem eindeutigen Zusammenhang zwischen gestiegener Sterblichkeit und dem Auftreten von PM10-Partikeln. Auf dem Land sei die Luft besser, deshalb hätten Kinder dort auch weniger Asthma. An viel befahrene Hauptstraßen in der Stadt sind die Werte aber besonders hoch – und dort gäbe es auch einen direkten Zusammenhang mit dem Auftreten von Neurodermitis. Und das betrifft nicht nur Babies und Kleinkinder. „Eine Studie von 2014 konnte zeigen, dass es sogenannte Fenster für die Empfänglichkeit für Stickoxide gibt, das erste schon vor der Empfängnis, das zweite während der Schwangerschaft!“ Je näher man an der Straße wohne, desto häufiger trete Neurodermitis bei Kindern auf. Stickoxide kommen aktuell zu 54% aus Autoabgasen.

Ich habe mich nach der Pressekonferenz gefragt: Können wir Grüne wirklich fordern, wie gerade geschehen, dass entlang der Magistralen, also der Hauptverkehrsstraßen in Hamburg, mehr Wohnungen entstehen sollen? Wer wird denn dort wohnen? Familien, die es sich leisten können, werden vermutlich weiterhin eher ins Grüne oder in die verkehrsberuhigten Viertel der Stadt ziehen. Und müsste man nicht den Radverkehr viel entschiedener fördern, als wir es bisher tun, um eine Verkehrswende zu erreichen? Klar, der Ausbau von StadtRAD und die Velorouten sind ein Anfang. Aber wenn wir den Raum für Autos nicht Jahr für Jahr kleiner werden lassen und gleichzeitig für genügend Radwege sorgen, auf denen man sicher und gern fährt, wird es doch noch Jahrzehnte dauern, bis genügend Menschen vom bequemen Auto aufs wetterabhängige Rad umsteigen, oder? Und warum haben wir trotz grüner Regierungsbeteiligung nicht mehr Mess-Stationen in der Stadt?

Unter Luftdaten.info kann man sich übrigens ein Bastel-Set bestellen, um die kleinen Partikel, also PM2,5 und PM10 selber zu messen. Man muss das Set dann halt selbst zusammenbauen – und bei hoher Luftfeuchtigkeit funktioniert es nicht besonders exakt. Es sei, so Physiker Goers, aber durchaus möglich, damit einen Hinweis auf schlechte Luft zu bekommen.

Das Gerät kommt übrigens pikanterweise aus China – dem Land, mit heftigsten Luftverschmutzung überhaupt, einzelne Schadstoffe tauchen in 40facher Menge auf verglichen mit Nordeuropa. Kein Wunder, dass die meisten (wissenschaftlich sehr qualifizierten) Studien zur Zeit aus China kommen.

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