Xavier bringt Bus und Bahn zum Erliegen

Die Abfahrt der Züge wird noch angezeigt, die Reisenden hoffen, obwohl an der Tafel die Anzeige durchläuft: Wegen Unwetter ist der Zugverkehr komplett eingestellt…

16 Uhr, Berlin: ich lande gerade nach einer Pressereise in Tegel, als es dort so richtig losgeht. Es stürmt und heult, Blätter, Zweige, Äste, alles wirbelt durch die Luft, ein Baum fällt direkt vorm Flughafen auf ein Auto. Nichts geht mehr, S-Bahnen fahren nicht, Busse stecken fest im Stau. Am Berliner Hauptbahnhof ist die Hölle los, die App schweigt, die Live Info ist vage, die Telefon-Auskunft weiß zwar seit eineinhalb Stunden vom Sturm, hat aber keine Ahnung, ob der Zugverkehr eingestellt ist und lässt sich bald gar nicht mehr erreichen.

Am Abend glaubt auf dem Bahnhof keiner mehr, dass es noch Züge nach Hamburg geben wird, ein Hotelzug soll möglicherweise eingerichtet werden. Ich habe gerade noch ein Hotelzimmer erwischt und mache mich zu Fuß auf den Weg, etwa eine Stunde mit Rollkoffer und Rucksack durch die Stadt. In Bahnshofnähe ist schon lange alles ausgebucht.

Drei Bahnangestellte geben Auskunft für all die vielen Reisenden

Am nächsten Morgen sieht es laut App gut aus,  ich bin um halb acht am Bahnhof. Das Chaos dort ist allerdings noch größer als am Tag davor. Wenn man jemanden fragen will, muss man sich in die immer länger werdende Schlage einreihen. Aber auch dort weiß dann niemand, ob es heute noch einen Zug nach Hamburg geben wird. Die ARD macht Interviews, die Menschen sind ratlos. Einige versuchen, sich mit mehreren Gestrandeten ein Taxi zu teilen, aber die meisten Fahrer haben keine Lust auf die lange Fahrt. Öffentliche Verkehrsmittel fahren immer noch so gut wie nicht. Überlandbusse sind ausgebucht, Mitfahrgelegenheiten ebenfalls. Schließlich komme ich bei EuRopcar durch, und meine Kollegin und ich fahren mit dem Mietwagen nach Hause. Die Anmietstation liegt allerdings 20 km vom Hauptbahnhof entfernt!

Auf dem Hamburger Hauptbahnhof war es ähnlich chaotisch, erfahre ich später, auch hier gab es keine Ansagen, keine Infos.

Sechs große Linden sind einfach umgefallen

Solche Stürme werden voraussichtlich in nächster Zukunft öfter auftreten, was bitter genug ist. Aber wichtig ist in solchen Situationen doch Transparenz. Wenn Verantwortliche nicht wissen, wie lange Reparaturen dauern, kann man das doch wenigstens kommunizieren. Auf Anzeigetafeln, per Lautsprecheransage, über die App oder persönlich mit ausreichend Mitarbeiter*innen. Die Erfahrung mit Xavier waren nicht vertrauensbildend für Bahn, Bus und Nahverkehr. Was war das einzige, das am Ende dann doch funktioniert hat? Klasse, das Auto!

Mehr als 2200 Feuerwehreinsätze hat es in Hamburg gegeben, in der Schemmanstraße in Volksdorf wurden sechs große wunderschöne Linden entwurzelt. Die Erde war vom vielen Regen durchweicht, die Bäume konnten sich nicht mehr halten. Der Wind trifft auf sie wie auf eine Wand, da sie noch alle Blätter tragen, heißt es aus der Revierförsterei Duvenstedter Brook.

Dann fallen nicht nur flach wurzelnde Fichten, sondern auch Bäume mit Tiefwurzler. Wieviele Bäume es getroffen hat, wird man erst in der kommenden Woche wissen.

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