Politische Kunst in Volksdorf

Christiane Faude-Großmann und der Volksdorfer Künstler Armin Metzger, mit Brillen, die verschiedene Augenkrankheiten simulieren

Viele Besucher fragten nach den Anlaufstellen, um Brillen abzugeben

Gleich an zwei Orten gab es an diesem Wochenende in Volksdorf Kunst-Veranstaltungen, die sich mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzten: In der Ohlendorff’schen Villa hatte die Initiative Mehrblick eine Ausstellung zum Thema „Mehrblick für Alle“ organisiert. Mit ganz unterschiedlichen Fotos und Bildern verschiedener Künstler.  Geschäftsführerin Christiane Faude-Großmann informierte die Besucher über ihre Initiative, die bisher elf Optiker in Hamburg gewinnen konnte, um Obdachlose mit gebrauchten Brillen versorgen. Die Brillen können bei den Optikern abgegeben werden, dort werden sie gereinigt und durchgemessen, um sie anschließend, nach entsprechender Untersuchung, an die Obdachlosen weitergeben zu können. Über 30 Termine  bieten Optiker inzwischen pro Jahr dafür an, und es werden 19 Einrichtungen von Hinz und Kunz über die Heilsarmee bis zum Frauenhaus Kemenate besucht, um über die Brillen-Vergabe zu informieren. Außerdem gibt es in mehreren Sprachen Aushänge. Die Erfolgsquote liegt bei 98% , demnächst soll es auch Anlaufstellen in Berlin geben.

 

Installation: Die blauen Balken symbolisieren männliche Flüchtlinge, der rote feine Linie weibliche. Graue Punkte die Einwohner Hamburgs

Gemälde, Öl auf Leinwand: Buddhistische Mönche vor einem Kreuz

Parallel fand die Finissage zu der Ausstellung „Begegnung mit dem Fremden“ in der Kirche am Rockenhof statt, wo ebenfalls ganz unterschiedliche Werke zu sehen waren. Zum Beispiel die Installation von Anke Nickol, die auf langen transparenten Vorhängen alle Einwohner Hamburgs mit Punkten abgebildet hatte. Rote Punkte verdeutlichten geflüchtete Frauen, die die Stadt aufgenommen hatte, blaue Punkte geflüchtete Männer. Unbegleitete Jugendliche waren orange markiert, als feine zart Linie, die so gut wie nicht auffiel! Ein schönes Bild, um zu zeigen, wie lächerlich es ist, von Überfremdung zu sprechen; das merkte auch Christoph Lütgert, Ex-Chefreporter vom NDR, in seiner Rede an. 14 weitere Künstler*innen der Künstler-Gruppe Kunstspuren in Volksdorf zeigten Fotos, Öl- und Acrylbilder sowie Installationen, über die man sich in aller Ruhe bei Wein, Wasser und Knabbergebäck austauschen konnte. Für mich erfährt die ja eher kühl designte Kirche am Rockenhof an solchen Tagen immer eine ganz besondere Wärme. Ein inspirierender Abend!

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