Wen sollen Wandsbeker Senioren wählen?

Wilfried Buss (SPD) links leitete die Diskussion, auf dem Podium saßen Aydan Özuguz (SPD), Dennis Paustian-Döscher (Grüne) Cornelia Kerth (Die Linke) und Eckhard Graage (CDU)

Mit dieser Fragestellung hatte die Seniorendelegiertenkonferenz zur öffentlichen Podiumsdiskussion am 11. September in den Bürgersaal eingeladen. Podiumsgäste waren neben Dennis Paustian-Döscher (Grüne) Aydan Özuguz (SPD), Eckhard Graage (CDU) und Cornelia Kerth (Die Linke), moderiert hat Wilfried Busse, Vorsitzender der Seniorendelegiertenversammlung Wandsbek.

Die drei Themengebiete waren Pflege und Gesundheit, Krankenversicherung und Verkehrspolitik.

Übereinstimmend fanden die Kandidaten, dass Altenpfleger*innen viel zu schlecht bezahlt werden. Mögliche Lösungen wurden dann jedoch unterschiedlich betrachtet. Herr Graage wünschte sich eine konzertierte Aktion, man müsste sich mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen – Genaueres konnte er zu diesem Zeitpunkt aber nicht sagen. Frau Özuguz stellte fest, dass wir in der Gesellschaft eine große Infrastruktur für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hätten, für den Umgang mit dem  Alter eine solche Struktur allerdings fehlen würde. Wir müssten kleine Kinder und alte Eltern gleich behandeln, es müsste möglich sein, weniger zu arbeiten, um die Pflege der Eltern übernehmen zu können. Dafür müsste es Geld geben, das sich am Elterngeld orientiert. Pflegekräfte aus Osteuropa bräuchten Mindestlohn, wenn sie in unseren Familien arbeiten. Dennis wies darauf hin, dass aufgrund des demographischen Wandels der Bedarf an pflegebedürftigen Menschen stark gestiegen sei. Wir müssten jetzt umsteuern und bräuchten unbedingt eine Bürgerversicherung, die auch Pflege mit einbezieht. Wir hätten zur Zeit nicht nur eine 2-Klassen, sondern eine 4-5-Klassen-Medizin. Jede Kasse zahle anders, die AOK habe die niedrigsten Pauschalen. Besonders auf dem Land könnten die Ärzte davon nicht leben. Frau Kerth forderte mindestens 3000 Euro Monatsgehalt für Pflegekräfte. Soziale Berufe müssten aufgewertet werden, Altenpflege sei körperlich und psychisch äußerst anstrengend. Wir bräuchten einen neuen Personalschlüssel, es könne nicht sein, dass nachts 50 Menschen von nur einer Person betreut würden.

Etwa 50 ältere Menschen waren der Einladung des Vorstands der Seniorendelegiertenkonferenz gefolgt

Graage fragte sich, wie wir das alles bezahlen wollten. „Wir brauchen dringend ein Einwanderungsgesetz, meine Partei ist da vielleicht noch nicht soweit…“

Dennis wies darauf hin, dass die Grünen diese Forderung schon seit 30 Jahren hätten – und bis auf die CDU jetzt auch alle anderen Parteien überzeugt davon seien. Pflege bedeute aber noch viel mehr, zum Beispiel Mehrgenerationenhäuser und andere Modelle.

Kerth stellte die Aussage der Kanzlerin: „Es geht uns gut“ in Frage. Fast 4 Millionen Menschen seien vollzeiterwerbstätig, bräuchten zum Leben aber noch einen Zweitjob. Nach 45 Jahren Berufstätigkeit bliebe für viele nur die Grundsicherung.

Beim letzten Thema begann Wilfried Busse mit der provokanten Frage, bis wann Ältere autofahren sollten. In Großstädten wie Hamburg brauche man schließlich gar kein Auto, man komme mit öffentlichen Verkehrsmitteln doch überall hin. Das sei auch für die Luft besser.

Wraage meinte, diese Frage erübrige sich bald, da es demnächst eine Vielzahl an Autos geben würde – u.a. auch selbstfahrende. Man muss sich ja nur noch reinsetzen und die Adresse ins Navi tippen, da spiele das Alter gar keine Rolle mehr. Über den Dieselskandal ärgere sich jeder, da müsse eine Sammelklage möglich sein. Wir sollten aber bedenken, wieviele Arbeitsplätze am Auto hingen, darauf basiere auch ein Stück Wohlstand in Deutschland.

Dennis widersprach, da der Verbrennungsmotor einfach keine Zukunft mehr habe. Die Autoindustrie sei exportorientiert – und Indien, China, Norwegen, Frankreich setzen demnächst auf Elektroautos. Wir bräuchten für die Umstellung weg vom Verbrennungsmotor deshalb einen verbindlichen Korridor, das müsss nicht der 1.1.2030 sein, aber ein absehbarer Zeitraum.

In 70 deutschen Städten würden die Grenzwerte für Stickoxide jetzt schon überschritten, der Verkehrsminister dürfe sich nicht mehr länger überwiegend um die Einführung der Maut kümmern, sondern endlich um die tatsächlichen Probleme, die wir hier haben.

Özuguz ergänzte, dass auf der anderen Seite der Skala neue Jobs entstünden, darum müsse man sich keine Gedanken machen. Und Sammelklagen seien wichtig, da sich der Einzelne nicht durchsetzen könne. Sie hat persönlich schon festgestellt, dass es in der Nachbarschaft leiser wird, wenn auf Elektroautos umgestellt wird.

Zum Schluss gab es noch Kartoffelsuppe mit Würstchen, Kaffee vom Seniorenbeirat – und beim Essen Gespräche mit den Kandidaten

Cornelia Kerth betonte, dass der Klimawandel in vollem Gange sei und wir endlich die Fluchtursachen bekämpfen müssten. Daran hätten die Emissionen der Industriestaaten einen großen Anteil. Wieso würden SUVs immer noch steuerlich begünstigt, die meist besetzt mit der Fahrerin, dem Kind und einem Hund ständig auf Parkplatzsuche seien. Elektroautos seien für sie noch nicht die Lösung, da sie erst nach 8 Jahren eine bessere Ökobilanz aufwiesen, solange der Strom nicht aus erneuerbaren Energien käme. Dennis widersprach, die Grünen wollten nicht warten, sondern jetzt anfangen. Aber man müsste eben anfangen und nicht wie die Linke in Brandenburg die beschlossene Reduktion der Braunkohleförderung wieder zurücknehmen. In diesem Punkt stimmt Cornelia Kerth Dennis ausdrücklich zu.

Die Diskussion dauerte insgesamt zweieinhalb Stunden. Mir war es besonders im letzten Teil nicht seniorenspezifisch genug. Und es war schade, dass zum Schluss keine Zeit mehr für eine Diskussion mit den Gästen blieb. Beim nächsten Mal würde ich mir wünschen, dass das Podium nur maximal zwei Stunden diskutiert und dann alle ihre Fragen an die Kandidaten loswerden können.

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