Anja und Dennis – zwei Grüne für den Bundestag

Was wollen unsere Bundestagskandidat*innen Anja Hajduk und Dennis Paustian-Döscher eigentlich umsetzen, wenn sie gewählt werden, bzw. über ihren Listenplatz in den Bundestag rutschen? Was ist ihnen ein Herzensanliegen, was wollen sie unbedingt verhindern? Die GRÜNE Wandse hat nachgefragt!

Christa Möller/GRÜNE Wandse: Was ist für Euch das wichtigste Thema im Wahlkampf?

Anja Hajduk ist Abgeordnete im Deutschen Bundestag und führt gemeinsam mit Manuel Sarrazin die Hamburger Landesliste der GRÜNEN zur Bundestagswahl an. Geboren wurde sie 1963 in Duisburg und kam während des Studiums der Psychologie nach Hamburg. 1995 trat sie den Grünen bei und wurde 1997 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Seitdem ist sie Politikerin in unterschiedlichen Positionen: Sie war Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt und ist jetzt Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Sie hat übrigens auch eine Gesangsausbildung absolviert, kommt allerdings heute nur selten zum Singen, geht aber unheimlich gern in die Oper!

Anja Hajduk: Die Klimakrise ist für mich das wichtigste Thema überhaupt, nicht nur im Wahlkampf. Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen spürt und die letzte, die etwas dagegen tun kann. Was hindert uns daran, aus der Kohle auszusteigen oder abgasfreie Autos zu entwickeln und auf Öko-Made in Germany umzusteigen? Wenn wir das mutig angehen, ist das die beste Überlebensperspektive für unsere Arbeitswelt und für das Klima auf der ganzen Welt. Zwischen Umwelt und Wirtschaft gehört kein Oder! Und das gilt es, im Wahlkampf immer wieder klar zu sagen.

Dennis Paustian-Döscher: Die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie und die Generationengerechtigkeit

Was möchtet Ihr unbedingt umsetzen, wenn Ihr in den Bundestag gewählt werdet?

Anja: Wir leben in Zeiten voller Umbrüche, das bedeutet große Aufgaben für die Politik: Es gilt nach dem Brexit Europa zusammen zu halten, weil es uns am Herzen liegt und weil viele Probleme nur gemeinsam gelöst werden können, sei es die Klimakrise oder Verbraucher- oder Datenschutz, die Aufnahme von Geflüchteten oder der wachsende Nationalismus. Wir müssen in den kommenden vier Jahren richtig dicke Bretter bohren. Es ist klar, dass das nicht einfach wird, aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir Grünen die richtige Partei dafür sind.

Dennis: Ich würde mich für die Schaffung eines zinslosen und flexiblen Gründer*innendarlehen stark machen.

Anja, aus Deinen Erfahrungen im Bundestag, Dennis, aus der Bezirksversammlung, was konntet Ihr als Grüne konkret erreichen? Warum war es für Euch wichtig, dass die GRÜNEN Input gegeben bzw. mitregiert haben?

Anja: Ein riesiger grüner Erfolg aus dieser Legislatur war natürlich die Öffnung der Ehe. Wir haben die Ehe für alle auf der letzten Bundesdelegiertenkonferenz zur Koalitionsbedingung gemacht und sind dafür verspottet worden. Die Zeit kommentierte das mit „Grüne Todessehnsucht“. Doch plötzlich zogen alle Parteien nach und nur ein paar Tage später nahm auch die Kanzlerin den Ball auf. Da haben wir ganz konkret etwas erreicht, durch jahrzehntelanges Engagement und einen sehr langen Atem.

Dennis: Ich konnte an der Bezirksversammlung einen Inklusionsfonds einrichten. Mit 200.000 Euro können kleine Projekte im öffentlichen Raum umgesetzt werden, die für viele Menschen mit Behinderungen eine deutliche Verbesserung darstellen.

Was wollt Ihr auf jeden Fall verhindern?

Anja: Wir müssen gemeinsam mit allen anderen demokratischen Parteien verhindern, dass unsere Gesellschaft auseinander driftet. Dazu gehört die Wahrung der Bürgerrechte genauso wie die Stärkung von Familien und die Integration von Geflüchteten.

Dennis: Ich möchte verhindern, dass unsere offene Gesellschaft durch zu viele Überwachungsmaßnahmen eingeschränkt wird. Sicherheit und Freiheit gehören für mich zusammen.

Welche Unterstützung wünscht Ihr Euch von den Mitgliedern?

Anja: Ich wünsche mir, dass unsere Mitglieder mit großer Lust für die grüne Sache kämpfen, dass sie voller Überzeugung an den Haustüren klingeln und die Menschen für unsere Politik gewinnen.

Dennis Paustian-Döscher, unser Direktkandidat im Wahlkreis Wandsbek, wurde 1980 im schleswig-holsteinischen Oldenburg geboren. Nach einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten zog es ihn 2008 nach Hamburg. Neben seiner beruflichen Tätigkeit studierte er Betriebswirtschaftslehre und hat gerade seinen Bachelor gemacht. 2002 kam er zu den Grünen und wurde bald Kreisvorsitzender, Spitzenkandidat zur Bezirksversammlungswahl und Fraktionsvorsitzender. Zur Entspannung geht es einmal im Monat ins Ohnsorg-Theater. Das politische Engagement und das Betreuen seiner zwei Hunde lässt das aktive Spielen auf der Bühne derzeit leider nicht zu. Dennis Paustian-Döscher lebt mit seinem Mann im Stadtteil Wandsbek.

Dennis: Ich wünsche mir, dass unsere Mitglieder mit Leidenschaft für die Sache eintreten. Wenn es das Zeitbudget zulässt, an unseren Ständen und Haustürwahlkämpfen. Ansonsten als moralische Unterstützung. Geschlossenheit ist jetzt wichtig in einem Wahlkampf, bei dem es um jedes Zehntelprozent gehen wird.

Worauf freut Ihr Euch im Wahlkampf? Gibt es auch etwas, das Ihr gar nicht leiden könnt?

Anja: Wahlkampf ist eine spannende und intensive Zeit, in der es immer wieder zu überraschenden Begegnungen kommt. Ich freue mich darauf, jeden Tag mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, wenn ich erstmals so richtig Haustürwahlkampf mache. Wahlkampf macht mir großen Spaß, ist aber natürlich auch sehr anstrengend.

Dennis: Ich freue mich auf die direkte Begegnung mit den Bürger*innen. Rechtsextreme Positionen am Stand machen mich auch nach zwanzig Jahren noch richtig wütend.

Ein Wort noch zu G20 – ein Thema, das die Hamburger*innen ja sehr berührt und erschüttert hat…

Anja: Die Eskalation der Gewalt hat niemanden unberührt gelassen, auch mich nicht. Was im Juli in Hamburg passiert ist, muss jetzt gründlich aufgearbeitet werden. Aber es gab auch viel bunten und friedlichen Protest und es darf nicht sein, dass die vielfältigen Stimmen von lauter Gewalt übertönt werden. Hierfür müssen wir einen neuen übergreifenden Konsens für Gewaltfreiheit erarbeiten. Und übrigens: Die Grundidee des Gipfels, nämlich dass Staatschefinnen und -chefs miteinander reden, finden die meisten Menschen ja sehr sinnvoll. Denn nur so lassen sich globale Probleme wie Klimawandel, fairer Handel, Lebensbedingungen in Afrika etc. angehen.

Dennis: Die ausgeübte Gewalt ist zu verurteilen. Egal, hinter welcher Ideologie sie sich verstecken mag. Wichtig ist, dass das gesamte Gipfelwochenende parlamentarisch aufgearbeitet wird.

 

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