Neues vom Stüffel- obwohl Bezirksamt Wandsbek die Umwandlung in Bauland nicht erlaubt, wird Pachtvertrag aktuell nicht verlängert

Harmonie zwischen Mensch und Tier-der respektvolle Umgang ist ein wichtiger Wesenszug der biologisch dynamischen Landwirtschaft

Strahlender Sonnenschein und blauer Himmel begleiteten Dr. Ursula Martin, GRÜNE Fachsprecherin für Umwelt im Bezirk Wandsbek, und mich auf unserem Ausflug zum Stüffelhof, Bergstedt.

Der Anlass für unseren Besuch war weniger erfreulich.
Gegen Ende 2016 wurde Jan-Hendrik Blumenthal, grünes Mitglied im Planungsausschuss Wandsbek, durch einen Artikel in einer Lokalzeitung auf folgendes Problem aufmerksam: Dem Stüffelhof drohte ein herber Schlag auf dessen Existenz, da der Pachtvertrag über zwei für diesen Hof sehr wichtige Ackerflächen nicht verlängert werden sollte.

Der vormalige Eigentümer war verstorben und die Erben verlängerten den Pachtvertrag nicht.

Die GRÜNEN Wandsbek starteten daraufhin im Dezember 2016 eine Initiative mit einer ersten Infoveranstaltung am Stüffelhof mit dem Namen „Landwirtschaft in der Stadt“ unter der Leitung von Bürgerschaftsmitglied Ulrike Sparr. Viele Landwirte erschienen und schilderten die Problematik, die ihnen durch den zunehmenden Flächenfraß für Wohnungsbau entstanden ist. Zwei weitere Veranstaltungen, durchgeführt von der SPD, folgten.

Hamburg als Biostadt 2016 setzt sich zum Ziel, den ökologischen Anbau zu fördern. Auch der Ökoaktionplan 2020, im Jahr 2014 durch den Senat festgesetzt, untermauert dieses Ziel. Die Nachfrage nach gesundem Essen, also Bioprodukten, wächst. Aufgrund des marktwirtschaftlichen Aspekts und auch der Gesundheit der Bürger wegen, sieht Hamburg sich verpflichtet, zu handeln. Andererseits muss dem stets großen Wohnungsbedarf gerecht werden. Es wurden deshalb u.a. auch Pachtverträge von Seiten der Stadt aufgekündigt und in Bauland umgewandelt. So sollen in Rehagen Wohnungen entstehen, die zunächst Flüchtlingen eine Wohnmöglichkeit bieten und später dem öffentlichen Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen. Ebenso entstehen hier im Rahmen der Offensive „Bezahlbares Wohnen“ Wohnungen für den regulären Wohnungsmarkt . Auf dem Poppenbütteler Berg entsteht ein Wohnprojekt mit Wohnanteilen für Flüchtlinge und für den freien Wohnungsmarkt. Ein Begegnungshaus wird dort das gute Miteinander fördern.

Frau Brennecke-Oeter, Geschäftsleitung des Stüffelhofs

Wir wollten gerne mehr erfahren. Wie ist die aktuelle Lage des Stüffelhofes? Wir baten Frau Brennecke-Oeter um einen Termin vor Ort. Treffpunkt war der 14. 06. 2017 um 12 Uhr im Hofladen.

Seit 30 Jahren wird der Hof in Bergstedt mit biologisch dynamischer Landwirtschaft betrieben. Das Konzept des Stüffelhofes ist perfekt: behinderte Menschen werden  im Sinne eines inklusionsorientierten Praktikums zu Mitarbeitern ausgebildet. Sie werden in den Ablauf eines ökologisch dynamischen Betriebes eingewiesen. Im Hofladen werden sie regionales Obst und Gemüse aus zum größten Teil eigenem Anbau verkaufen. Der Stüffelhof e.V. ist Kooperationspartner der Elbe Werkstätten GmbH. Schulklassen und Kindergartengruppen kommen regelmäßig hierhin, um über den Kreislauf der Natur und über die Gärtnerei unterrichtet zu werden. Der Stüffel ist Teil einer Kooperative aller umliegenden, auch konventionellen, landwirtschaftlichen Betriebe. Man hilft sich gegenseitig.

Die Gewächshäuser müssen mit innovativer Technik aufgerüstet werden

Holzfaß zur Sudanfertigung aus Präparaten

Nach einer Tasse Fair Trade Cappucino mit Frau Brennecke-Oeter im Hofladen, holte Frau Scheewe uns ab und es ging los. Die Gärtnermeisterin des Stüffels hatte für uns eine Hofrundfahrt geplant. Die gesamte Fläche des Stüffelhofes beträgt 33 ha. Davon gehören 5 ha der Rudolf Steiner Gesellschaft. Auf diesem Areal stehen u.a. der Hofladen, Büro und Wirtschaftsgebäude, sowie der Obstbaumgarten. Weitere 2 ha Land hat der Stüffelhof vor kurzem vom Nachbarbauern gekauft. Die restlichen 26 ha sind von verschiedenen Privateigentümern dazugepachtet oder es handelt sich um Ausgleichsflächen. Sie dienen dem Anbau von Gemüse und der extensiven Grünflächenbewirtschaftung.

Zu Beginn unserer Hofrunde kamen wir an den Gewächshäusern vorbei. Technische Erneuerungen sind hier dringend notwendig, so Frau Scheewe. Für Kunden gibt es die Möglichkeit, sich an der Finanzierung dieses Vorhabens zu beteiligen. Als „Dividende“ werden dann Naturalien ausgeschüttet. Zum Beispiel gibt es dann eine Extraportion leckeres, regionales Gemüse!

Das A und O beim Gemüseanbau: Sonja achtet sehr auf die regelmäßige Bewässerung der Salatpflanzen

Dass die Gemüsepflanzen beim biologisch dynamischen Anbau so prächtig gedeihen, liegt u. a. an der Verwendung von den sog. Präparaten – eine anthroposophische Vorgehensweise, den Boden und die Pflanzen zu aktivieren. Kuhhörner werden mit Mist und Kieseln gefüllt, eingegraben und nach einer Zeit wieder herausgeholt. Im Holzfass werden dann diese Präparate im Wasser weiterbehandelt, ergeben schließlich den Sud, der aufgebracht wird.

Dr. Ursula Martin, Fachsprecherin für Umwelt, Frau Scheewe, Gärtnermeisterin

Das Herzstück des Hofes: der Pachtvertrag wird aktuell nicht verlängert

Anschließend gehen wir weiter zu den beiden Feldern gegenüber vom Stüffelhof.
Dieses Grundstück, welches der derzeitige Eigentümer nicht mehr an den Stüffelhof verpachten will, ist extrem wichtig für die Hofgemeinschaft. Es liegt direkt gegenüber vom Hof. Salat und   Gemüse werden hier angebaut.

Kindergarten- und Schulkinder erkunden hier praktisch und direkt vor Ort unter pädagogischer Anleitung die Landwirtschaft in Zusammenhang mit der Umwelt. Viele Kunden gehen gerne direkt vom Hof hierhin, kennen den genauen Bezug von dem, was schließlich auf dem Teller landet. Häufig sind es auch langjährige Kunden, die altersbedingt darauf angewiesen sind, dass die Wege kurz sind.

Zurück am Hof angekommen, machten wir uns auf den Weg zur Koppel, um die Pferde abzuholen.

Mit den hofeigenen Pferden wird Therapeutisches Reiten angeboten und auch Reitunterricht.

Weiter ging es zu den Flächen, die weiter vom Hof entfernt liegen. Das unkomplizierteste Fortbewegungsmittel ist das Fahrrad. Also radelten wir gemütlich auf den Hofrädern zum nächsten Besichtigungsziel: Einen weiteren Vertriebszweig des Stüffelhofes stellt die Viehwirtschaft dar.

Im Sommer verweilen zur Zeit auf der hofeigenen Grünfläche die 12 Galloway Rinder. Mit dabei ist dieses Jahr (nur) ein Kälbchen. Frau Scheewe erzählte uns, dass letztes Jahr die Kühe zum Stier beim Höltigbaum gebracht worden sind. Aber auch Kühe sind natürlich wählerisch und dieses Jahr steht hier nun nur ein Kälbchen unter den Kühen…. Im Vergleich dazu läuft es in konventionellen Milchwirtschaft in der Regel nüchtern und rein wirtschaftlich kalkuliert ab: die Kuh wird durch Hormonzufuhr stierig gemacht und anschließend künstlich befruchtet. Die Erfolgsquote ist dadurch weitaus sicherer.

Die Auflagen zur Betreibung eines biologisch dynamischen Hofes sind streng. Da der Nachbarbauer konventionellen Anbau betreibt, darf diese Fläche derzeit nur als Weideland oder Heuwiese verwendet werden. Das Gemüse könnte durch Dünger und Pestizideinsätze des Nachbarn kontaminiert werden und entspräche nicht mehr den Ansprüchen, die an den biologisch dynamischen Anbau gestellt werden.
Anschließend kamen wir an dem Magischen Wald vorbei. Gnome, Geister und Elfen fühlen sich dort wohl. Schließlich zeigte Frau Scheewe uns noch eine extensiv bewirtschafte Grünfläche.

Dieser Knick wurde 2009 vom Stüffelhof Team angelegt

2009 wurde im damaligen Landschaftsschutzgebiet Immenhorst ein Wohngebiet gebaut. Laut Agrarpolitischen Konzept 2020 musste eine Ausgleichsfläche geschaffen werden. Die Baufirma kaufte deshalb Land von einem konventionell ausgerichteten Landwirt auf. Die Stüffelhofgemeinschaft hat diese Fläche gepachtet und dort einen Knick  angelegt (Knick: die natürliche Abgrenzung zu nachbarlichen Ackerflächen durch Sträucher und Bäume).

Die Fläche wird extensiv genutzt, d.h. die Grasfläche dient als Viehfutter oder Weideland. Der Knick bedarf regelmäßiger Pflege. Diese Landschaftspflege erbringt der Stüffelhof als Pächter unentgeltlich!! Die Arbeit ist laut Frau Scheewe ideal für die Mitarbeiter. Hier werden alle Sinne und Kräfte beansprucht und es ist eine Arbeit, nach welchem die Arbeiter ihren Erfolg sehr gut erkennen können.

 

 

Sabine Kashi,  GRÜNE Wandsbek

Zurück am Hof angekommen bot Frau Scheewe uns noch einen Tee zur Erfrischung an.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der hamburgischen Landwirtschaft durch Bebauung immer mehr landwirtschaftliche Fläche verloren geht. Zum einen entsteht Flächenschwund durch Umwandlung von Ackerflächen in Bauland, ein weiterer Schwund entsteht dadurch, dass konventionellen Bauern Land abgekauft wird, um Ausgleichsflächen daraus zu machen. Nicht immer werden diese in extensiv genutzte Grünflächen, also Weideland, umgewandelt, wie im obigen Beispiel des Stüffelhofs.

Der Stüffelhof weist ein perfektes Konzept auf, in welchem das soziale Miteinander mit Naturschutz und landwirtschaftlichem Nutzen einhergehen. Wir wünschen sehr, dass dieser schöne Hof mit seinem sozial-und umweltfairen Konzept uns allen erhalten bleibt und wachsen darf!

 

Sabine Kashi

Sabine Kashi ist Diplom Pharmazeutin und Apothekerin aus dem Alstertal

Verwandte Artikel