Für den Erhalt von Natur: 3 Fragen an Christiane Blömeke

Christiane Blömeke, stellvertretende grüne Fraktionsvorsitzende im Rathaus und Sprecherin für Gesundheit, Sport und Senioren

Christiane, warum bist Du bei den Grünen?

Ich bin vor 25 Jahren zu den Grünen gekommen, weil ich mich mit meinen Themen wiedergefunden habe. Das waren damals – neben dem Protest gegen Atomkraftwerke –  insbesondere der Erhalt von Natur und ökologisch wertvollen Flächen. Der sogenannte Flächenfraß von Grünflächen war auch früher schon ein großes Thema, und insbesondere in den Walddörfern sollten zahlreiche wertvolle Grünflächen bebaut werden. Ich hatte zu dem Zeitpunkt gerade meine Kinder bekommen und mich sehr darüber aufgeregt, mit welcher Ignoranz bei uns die Natur durch Bebauung zerstört werden sollte. Und das auch für zukünftige Generationen – also auch für meine Kinder!

Ich habe  in Bürgerinitiativen für den Erhalt der Flächen gekämpft und saß auf Podien für den BUND, um die Naturflächen zu verteidigen. Dann bin ich für die Grünen geworben worden und 1991 in den damaligen Ortsausschuss Walddörfer gegangen. Mein Werdegang ist daher für die Grünen vielleicht etwas untypisch, denn ich war nicht bei der Grünen Jugend aktiv und auch als junges Mädchen nicht besonders politisch interessiert.

Heute erfordert meine Aufgabe als stellvertretende Fraktionsvorsitzende viel Zeit in anderen Aufgabengebieten, aber der Erhalt von wertvollen Grünflächen ist mir immer noch genauso wichtig, wie früher. Die Realität zeigt leider, dass nicht jeder Kampf gewonnen und nicht jede Grünfläche gerettet werden kann. Zu groß ist der Bedarf an Wohnungen für alle Menschen in dieser Stadt.

Aber nach wie vor halte ich die Grünen für die einzige Partei, die sich ernsthaft und zielorientiert mit den Belangen der Umwelt und des Naturschutzes auseinandersetzt. Und ich fühle mich auch nach 25 Jahren noch richtig aufgehoben.

Christiane in Volksdorf, mit Andreas Dressel (SPD, rechts)

Du hast viele Jahre grüne Kommunalpolitik in den Walddörfern und im Alstertal gemacht. Deine größten Erfolgserlebnisse?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Es ging und geht es mir darum, mein Ohr dort zu haben, wo Menschen mir von ihren Problemen und Sorgen berichten. Wenn sie mich überzeugt haben, dass politische Hilfe zur Lösung des Problems beitragen kann, dann hat das in vielen Fällen zu Erfolgen geführt –  wobei ein „Erfolg“ sehr unterschiedlich aussehen konnte. In der Oppositionsrolle ging es oft darum, ein Problem in die Öffentlichkeit zu bringen, Entscheidungsträger zum Handeln zu bewegen und die Sache gut zu vertreten. Meine Hartnäckigkeit hat hier bei so manchen Themen einiges bewegt, und die Themen waren ausgesprochen vielfältig. Es ging um Verkehr, Stadtteilkultur, Bebauungsfragen, Erhalt von historischen Gebäuden, Entwicklung und Erhalt von Ortskernen; aber auch darum, dass Wanderzirkusse auf der Woold Wiese in Bergstedt bleiben dürfen oder um das Hinterfragen von Baumfällungen und vieles mehr…

Aus der Regierungsverantwortung heraus kam in den letzten 2 Jahren noch die Unterbringung von Geflüchteten dazu, die im Alstertal oder den Walddörfern – ob nun vorübergehend oder über einen längeren Zeitraum – eine neue Heimat finden sollten. Für mich war es wichtig, dass wir nach langwierigen Gesprächen in vielen Fällen eine Lösung zusammen mit den Menschen vor Ort finden konnten.

Aber einen Erfolg gibt es doch, der mir besonders wichtig ist. In der Bürgerschaft habe ich als Obfrau des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Geschlossenen Heim Feuerbergstraße maßgeblich dazu beigetragen, dass dieses Heim am Ende des zweijährigen Untersuchungsausschusses geschlossen wurde. Ich habe diese Arbeit voller Überzeugung gemacht, denn Einsperren von Kindern oder Jugendlichen hat aus meiner Sicht in der Jugendhilfe nichts zu suchen.

Christiane bei einer Veranstaltung im Kino Metropolis zu neuen Altersbildern und demografischem Wandel

Was siehst Du aktuell als Mitglied der Bürgerschaftsfraktion als Deine wichtigste Aufgabe an?

Die Arbeit ist so vielfältig, da gibt es nicht „die wichtigste Aufgabe“. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende bin ich mit vielen inhaltlichen Themen befasst – und gleichzeitig ist es wichtig, auch die gesamte Fraktion im Blick zu haben. Gemeinsam mit meinen beiden Kollegen im Vorstand – Anjes Tjarks und Farid Müller – geht es also wesentlich um die Führung der Fraktion. Dazu gehören auch die notwendigen Abstimmungsprozesse mit der SPD, unserem Koalitionspartner. Manchmal denke ich, dass für derartige Abstimmungsprozesse insbesondere mit dem Koalitionspartner zu viel Zeit benötigt wird, die dann an anderer Stelle fehlt. Aber es ist auch eine Herausforderung, wenn zwei Fraktionen keine Liebesheirat miteinander eingehen, sondern eine von den Wähler*innen aufgegebene Zweckgemeinschaft. Immer wieder müssen unterschiedliche politische Ziele zusammengebracht werden. Aber es gelingt und das ist eine wichtige Aufgabe.

Christiane Blömeke ist 1960 in Hamburg geboren und überzeugte Hamburgerin. Ausbildung zur Umweltpädagogin und Kommunikationstrainerin, hat 30 Jahre in den Walddörfern gewohnt, lebt heute in Winterhude. Seit 1991 Mitglied bei den Grünen. War bis 1999 Mitglied des Ortsausschusses Walddörfer, 1999 bis 2004 Mitglied der Bezirksversammlung Wandsbek, zum Schluss als Fraktionsvorsitzende. Seit 2004 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Jetzt stellvertretende Vorsitzende der grünen Bürgerschaftsfraktion und Sprecherin für Gesundheit, Sport und Senioren. Wer wie Christiane lieber selbst mitbestimmen als zukucken möchte, ist bei uns, den GRÜNEN, genau richtig. Mehr Infos: http://www.gruene-wandsbek.de/eintreten

Ich schaue außerdem sehr kritisch auf den Flächenverbrauch für den Wohnungsbau. Da schließt sich wieder der Kreis zu dem Thema meiner frühen politischen Jahre. Die Natur braucht jede kritische Stimme, ich bin eine davon. Das ist für mich persönlich wichtig, auch, wenn ich fachlich nicht für das Thema zuständig bin.
Grundsätzlich kann ich für mich sagen, dass ich immer dann wichtige Aufgaben sehe, wenn es um Ungerechtigkeit geht oder um die Stärkung der Schwachen unserer Gesellschaft. Ich habe mich zwölf Jahre lang für Kinder und Jugendliche in meiner Funktion als jugendpolitische Sprecherin eingesetzt und ich helfe jetzt als Sprecherin für Gesundheit und Sport. Im Bereich der Gesundheitspolitik erschreckt mich, dass psychische Erkrankungen so rapide zugenommen haben. Besonders auch bei jungen Menschen oder im Alter. Hier setze ich mich für Rahmenbedingungen ein, die den Menschen im Alltag, bei der Arbeit oder auch bei der nötigen medizinisch/psychiatrischen Therapie helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich es gerade als Mitglied der Regierungsfraktion wichtig finde, den Menschen, die aus Not, Krieg und Terror zu uns kommen, eine neue Heimat zu geben. Dafür investiere ich viel Zeit. Aber es ist eine gute Investition, denn die gelingende Integration ist Voraussetzung dafür, dass die Menschen sich hier zuhause fühlen können und alle voneinander profitieren.

Verwandte Artikel