Mit dem #NABU an der #Osterbek

Sabine Kashis Bericht von einem Ausflug mit dem Nabu and die Osterbek:

Etwa 25 Personen trafen sich am 19.04.2017 um 17.30 Uhr bei der Osterbek am Luisenhof /Steilshooper Allee. Die jüngste Teilnehmerin war ca. 6 Jahre alt. Andreas Lampe vom Hamburger NABU führte uns an der Osterbek entlang. Wir starteten bei kaltem Wetter. Treffpunkt war die Brücke am Zebrastreifen an der Steilshooper Allee übergehend zum Luisenhof. Wenn man von dieser stark befahrenen Hauptstraße die Brücke überquert, führt ein Weg zu einer Schrebergartenkolonie.

Unser erster Halt: die renaturierte Bachlandschaft dient jetzt wieder u.a. dem Eisvogel als Jagdgebiet

Hier ist auch unser erster Halt, an einer früher extensiv bewirtschafteten Ackerfläche, durch die die ehemals begradigte Osterbek teilweise verläuft. Die Ackerfläche sollte ökologisch aufgewertet werden, um Baumaßnahmen, die an anderer Stelle vorgenommen worden waren, auf diese Weise auszugleichen. Bäche wurden früher begradigt und ihre Läufe vertieft, damit das schneller fließende Gewässer die Grünflächen entwässerte und somit als Ackerland nutzbar machte. Um diese Begradigung wieder rückgängig zu machen und dem Bach in etwa wieder seinen ursprünglichen Verlauf zurückzugeben, muss akribisch geplant werden. Sehr viel Arbeit und Mühe werden investiert, um die Pläne umzusetzen.

„An der Alster, Seebek und Osterbek, an Wandse, Tarpenbek, Engelbek und mehr als 20 weiteren Gewässern konnte bereits viel für die Natur erreicht werden. Allein bei den Bachaktionstagen, bei denen die NABU – Aktiven gemeinsam mit den Anliegern im Einsatz sind, wurden in den letzten Jahren etwa 15 000 Arbeitsstunden investiert, um u.a. mit 600 Tonnen Kies natürliche Bachstrukturen zu schaffen“, erklärt Andreas Lampe.

 

Ein neugieriger Teichfrosch, der gern einen Blick auf unsere Gruppe riskieren wollte

Unser nächster Halt war ein kleiner Tümpel. Hier suchten wir nach Fröschen und Kröten, die sich sonst um diese Jahreszeit in großer Anzahl hier aufhalten, um abzulaichen. Da es jedoch heute sehr kalt war, hat sich nur ein besonders mutiger Teichfrosch an das Ufer getraut. Andreas Lampe hatte Glück, das Tier zu fangen. Selbstverständlich wurde der Frosch nachdem er gebührend bewundert wurde, wieder in die Freiheit entlassen. Herr Lampe erzählte, dass im letzten Jahr durch den Tornado im Sommer sehr viele Bäume entwurzelt worden sind. Auch Dächer von Schrebergartenlauben wurden im ganzen Gebiet verteilt.

Im Übergang vom städtischen Siel zum Bach ist bereits eine sichtbare Versandung eingetreten

Nächster Haltepunkt war der Übergang von einem städtischen Siel zum Bachgewässer.  Dieser Übergang stellt eine Belastung für den Bach dar. Vom Siel wird durch den Wasserzufluss Sand mit eingebracht. Auf diese Weise wird im Laufe der Zeit die durch den Kies angelegte Bachstruktur verloren gehen. Der Sand nimmt durch Aufwirbelung und Überlagerung den Lebewesen die Grundlage. Das ist vergleichbar mit der Ausbreitung der Wüsten: die Landschaften versanden allmählich und werden durch wachsende Sanddünen allmählich erstickt. Zum einen wird durch den Sand die Artenvielfalt stark beeinträchtigt, zum anderen führt er teilweise bleihaltigen Reifenabrieb und andere Schadstoffe von der Straße mit sich.

An dieser Stelle wäre es wichtig, eine zuständige Stelle zu bestimmen, die auf einen kontrollierten Sandeintrag hinwirkt, da die Hamburger Wasserwerke lediglich zuständig und verantwortlich für die Funktion der Siele sind.Es wäre schade, wenn die mühevolle Renaturierungsarbeit durch den Sand zunichte gemacht würde.

Der Tornado von 2016 hatte diesen Baum entwurzelt – man sehr gut das Bodenprofil sehen

Wir folgen dem Bachlauf weiter Richtung Bundeswehrkrankenhaus, überqueren die Steilshooper Allee /Luisenhof am Zebrastreifen und stoßen kurz darauf auf das rechts abgebildete Sandauffangbecken. Im Laufe der Jahre wurde der Sand, der bachabwärts geschwemmt wurde, hier an dieser Station aufgefangen, um irgendwann entsorgt zu werden. Die Sandtiefe beträgt ca. zwei Meter und ist aufgrund des Abriebs giftig und muss als Sondermüll entsorgt werden.

Dieses Auffangbecken stellt außerdem eine Barriere für die Wassertiere dar. An Lösungen arbeitet der NABU. So soll der Sand demnächst ausgebaggert werden.

Bei der Wanderung fällt uns immer wieder auf, wie vielfältig, grün und schön Hamburg ist! Direkt neben den stark befahrenen Hauptstraßen und großen Wohnsiedlungen befinden sich kleine Naturparadiese, die eine große Artenvielfalt aufweisen und Rückzugsmöglichkeiten auch für seltene Tierarten bieten.

Andreas Lampe fischt eine Teichmuschel aus der Osterbek

Hier am nächsten Haltepunkt finden wir z.B. die Teichmuschel, die eine Symbiose mit dem Bitterling eingeht.Der Bitterling ist eine stark bedrohte Tierart (Rote Liste). Dieser Fisch legt seine Eier in der Teichmuschel ab. Die Eier sind hier sehr gut geschützt und bald können die Jungfische die Teichmuschel verlassen.

Um die extensiv genutzte Ackerfläche zu gestalten, muss viel Erdarbeit geleistet werden

„Der NABU und die Jugendorganisation NAJU sind im Rahmen von Bachpatenschaften an den Hamburger Gewässern aktiv. Bachpaten beobachten den Bach und melden Missstände oder schädliche Entwicklungen an die jeweilige Behörde“, sagt Andreas Lampe. Eins ihrer nächsten Projekte: die Osterbek in der Nähe von einem Wohngebiet im Flussbett wieder anzuheben. An einigen Stellen fällt das begradigte Bachbett sehr steil und tief ab. Hier soll demnächst die Natur den Menschen wieder näher gebracht werden, indem das Gewässer besser zugänglich gemacht wird.

Kinder werden dann hier am Bach spielen können.

Einige Anwohner kritisierten Mängel hinsichtlich der Durchführung von bestimmten Teilen der Renaturierungsmaßnahmen. Z.B. wurde vor einigen Jahren ein sogenanntes Renaturierungsprojekt an der Osterbek als Ausgleichsmaßnahme zur Bebauung der Trabrennbahn durchgeführt.

Der Sand ist schwermetallbelastet durch den Abrieb der Autoreifen und muss als Sondermüll entsorgt werden

Die Anwohner hatten damals Bürgerinitiativen dagegen gebildet, da 10 Bäume in diesem Bachverlaufsgebiet gefällt werden sollten (was dann auch geschah). Die Anwohner bemängeln nochheute, dass man dieses Projekt nicht als Renaturierungsmaßnahme bezeichnen könne, da nicht der Bach in seine ursprüngliche Verlaufsform zurückgebracht wurde, sondern lediglich ein weiterer künstlicher Osterbekzweig angelegt worden ist.

Auch ist den Anwohnern aufgefallen ist, dass insbesondere die Schüler auf dem Schulweg vom nahegelegenen Supermarkt ständig Verpackungsmüll fallen lassen. Alle zwei Wochen müssen die Anwohner eine Aktion starten, die dem Aktionstag „Hamburg räumt auf“ gleichkommt.

Eine bunt gemischte Gruppe an der Osterbek

Weiter ging es noch durch die Schrebergartenkolonie am Meisenstieg, nicht weit von der Haltestelle der Werner – Otto Straße.

An diesem Teil der Osterbek fanden wir das Wiesenschaumkraut, welches gemeinsam mit der Knoblauchrauke der bevorzugten Nahrung des Aururafalters dient. Auch der „Seltsame Lauch“ hat uns aufgrund seiner interessanten Blüten und des originellen Namens beschäftigt.

Es wurden letztes Jahr von der NABU Gruppe BOB (Bramfeld/Ohlsdorf/Barmbek) viele junge Erlen gepflanzt. Erlen sind für den Gewässerrand typische Bäume.

Hier muss in diesem Frühjahr eine weitere Aktion folgen, in welcher die Erlen von den Ackerwinden befreit werden müssen, welche sich an den jungen Bäumchen emporschlingen und drohen, sie zu ersticken.

Hier endete nun auch gegen 20.30 Uhr die Bachführung. Es war sehr informativ und toll zu sehen, was im Rahmen des Projekts Eisvogel alles getan wurde.

Die Vielfalt der Natur ist (fast) im Einklang mit dem Stadtleben – sehr beeindruckend.

Es gibt noch viel zu tun und dieser Spaziergang hat uns allen gezeigt, dass es sich lohnt, unsere wertvolle und vielfältige Natur zu unterstützen und zu schützen.»

 

Foto: NABU

2004 startete der NABU Hamburg das „Projekt Eisvogel“, um dem bedrohten Eisvogel an der Seebek wieder ein Zuhause zu bieten. NABU-Aktive haben zusammen mit Anwohnern, Schülern und Lehrern benachbarter Schulen und den zuständigen Behördenmitarbeitern das kleine Gewässer wiederbelebt. Dutzende Wagenladungen Beton wurden aus dem Bach geholt, hunderte Tonnen Kies und Geröll eingebracht und und viele bachtypische Pflanzen gesetzt. Aus einem begradigten, lebensfeindlichen Bachbett aus Beton wurde Stück für Stück ein naturnahes Fließgewässer und damit ein Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. […]mit ein wenig Glück kann man sogar den Eisvogel beim Fischen beobachten. Angespornt durch die Erfolge an der Seebek wurde das Projekt auf die benachbarte Osterbek ausgedehnt. Über weite Streckenabschnitte ist dieser Bach sehr naturfern. Durch die ökologische Aufwertung der Osterbek wird ein für Eisvogel und Co. Attraktives Netz aus Lebensräumen, ein Biotopverbund entstehen. Und die Hamburger profitieren auch: Sie können mitten in der Stadt an einem schönen Gewässer spazieren gehe oder einfach nur dem morgendlichen Vogelkonzert lauschen. Quelle: NABU-Flyer „Projekt Eisvogel“

Text und Fotos von Sabine Kashi mit Auszügen aus dem NABU-Flyer.

Mehr infos siehe auch hier.

 

 

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