Jenny aus Amsterdam: Das war Wahnsinn!

Jenny Jasberg, Kreisvorsitzende in Bergedorf, Sprecherin LAG Säkulare, arbeitet im Hamburger Büro für Jan Philipp Albrecht (Mitglied im Europaparlament – und berichtet hier direkt aus Amsterdam:

Fotos: Jenny Jasberg

„Das war Wahnsinn! Mit gemischten Gefühlen (Nein, nicht nur wegen des Katers!) komme ich zurück aus Amsterdam. Was die Groenlinks da gezeigt hat ist klasse, aber gleichzeitig könnte der Unterschied zum Zustand von uns deutschen Grünen kaum größer wirken!

Im Ergebnis scheint es Groenlinks gelungen zu sein linke Stimmen von anderen zu sich zu ziehen, während durch die Krisenentwicklungen rund ums Thema Türkei die regierenden Liberalen der Partei von Wilders noch einiges an Stimmen abziehen konnten. Auch eine neue, ebenfalls sehr unangenehme, rechte Partei dürfte Wilders Stimmen gekostet haben.
Gestern auf der Wahlparty von Groenlinks hab ich mich, als Grüne Kandidatin für die deutschen Wählen, auf die Suche danach begeben was den Erfolg gebracht hat.
Groenlinks stand 2012 da, wo wir jetzt zu sein scheinen: aufgerieben durch interne Streitereien, Mutlosigkeit bei den Forderungen und dem Zuwachs bei den großen Parteien aus Angst um den Erfolg der neuen Rechten – sie hatten 4 Sitze im Parlament.
‎Und was war da nun passiert, dass ich mich 4 Jahre später auf einer furiosen, AUSVERKAUFTEN Wahlparty der Grünen unter überwiegend gutaussehenden, jungen Leuten wiederfinde, die euphorisch die Grüne Idee bejubeln – beispielsweise beim Wahlergebnis von Amsterdam, wo sie mit 19,3 Prozent stärkste Kraft wurden?
Groenlinks hat mittlerweile wohl um die 25 000 Mitglieder, was uns mit Bezug auf die Einwohnerzahl der Niederlande und mit Blick auf unsere 60 000 Mitglieder in Deutschland nicht mehr als das jahrelang unangefochtene Vorbild in Europa für Grüne Parteien wirken lassen dürfte.
Und sie haben ihre Sitze fast vervierfacht von einer Legislatur zur nächsten! Natürlich steht im Vordergrund dieses Wahlerfolgs der zum Popstar avancierte Spitzenkandidat, Jesse Klaver, mit dem die halbe Nation zu schlafen wollen scheint. Aber auch seine Botschaft war deutlich und breit getragen: klar linke Politik, die unveräusserlich für Flüchtlinge und gegen Armut in einem geeinten Europa steht UND die diejenigen, die sich Gedanken machen über Klimawandel und Nachhaltigkeit repräsentieren wollen.
Jesse selber erklärte den Erfolg so: „Unsere Partei ist verbunden mit einer breiten Bewegung von Empathie!‎“
‎Jesse war schon in der letzten Fraktion und wurde nach der Tragik von 2012 nach vorne gestellt, was eine mutige Entscheidung von der Partei war.  Auch mutig war die sehr gute Kampagne von Groenlinks, die zwar auf das Charisma von Jesse zugeschnitten war, aber auch auf das Entfalten des Bewegungscharakters angelegt gewesen ist. Es wurde auf Althergebrachtes wie Plakate weitgehend verzichtet und viel über Haustürwahlkampf und Crowdfunding erreicht.
Besonders beeindruckte mich, dass mir einige Grüne Wahlkämpfer*innen erzählten, dass sie zu ihren Infoständen in den letzten Wochen wenige Leute einplanen mussten, da sich regelmäßig Parteifremde freiwillig dazugesellten und mitmachten…
Ich lasse die Eindrücke jetzt erstmal sacken und schaue gerne mit Euch gemeinsam wie uns das eventuell inspirieren kann.
‎Zum Weiterlesen empfehle ich so lange diesen Artikel:
Liebe Grüße, Jenny“

Foto: privat

Und ein Kommentar von Frauke Häger, Fachsprecherin im Bauprüfausschuss, zur Wahl:  Sollen wir demnächst für gutes Wetter beten? Denn das soll u.a. auch sehr maßgeblich für die über 80 % Wahlbeteiligung gesorgt haben! Ich fände die Überlegung an einem Werktag zu wählen – und vor allem die Wahllokale bis 21 h geöffnet zu halten auch eine Überlegung wert … ist natürlich (leider) erst für die nächsten Wahlen möglich …

Beste Grüße
Frauke Häger”

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