Die Welt nach Brexit, Trump, Duterte…

Unser Halpap, unser Stadtteilgruppen-Organisator, begrüßte die Gäste und übergab dann an Christiane Blömeke

 

Viele Fragen wurden an Thomas Gambke gestellt, der sich fleißig Stichworte machte

…hatte offenbar viele Menschen in den Walddörfern interessiert, etwa 40 waren gekommen, um Thomas Gambke zu hören. Der hatte auch wirklich viel zu sagen zu den unterschiedlichsten Themenkomplexen – zum Beispiel zum Klimawandel, den Länder wie Thailand oder Indonesien sehr fürchten, wird er ihnen voraussichtlich jede Menge Flüchtlinge bescheren. Oder zur Finanzkrise: Obama hatte der Wirtschaft verboten, sich an der Ausbeutung der Rohstoffe in Afrika zu beteiligen. Sehr zum Verdruss der Republikaner, die tatenlos mit ansehen mussten, wie sich die Chinesen stattdessen ans Werk machten. Trump nahm dieses Gesetz denn auch als erstes wieder zurück, das Hauen und Stechen geht in Afrika noch mehr als vorher weiter – mit einem ungeheuren Zuwachs an Korruption. Überall, auch in Deutschland öffnet sich die Schere mehr und mehr zwischen arm und reich, Vermögen und Einkommen laufen auseinander. Das macht auch Menschen unzufrieden, denen es eigentlich ganz gut geht, diese Entwicklung wird als äußerst ungerecht empfunden. Zum Demografischen Wandel, der Singapur gerade trifft: Bisher lief alles rund in dem reichen Stadtstaat, weil jährlich etwa 400.000 Menschen zusätzlich ins Land strömten und die Altersversorgung absicherten. Jetzt gibt es keinen Platz mehr für die Menschen, die Insel wird zu klein, der Zustrom versiegt – wer soll die Renten bezahlen? Auch China kämpft – als Folge der 1-Kind-Politik – um die soziale Sicherung. In Japan hätten alte Menschen sehr viel weniger Geld als die jüngeren – keine Politik mit Vorbildcharakter. Die Digitalisierung mache uns durchschaubarer, die Welt wird immer komplizierter,  Menschen blicken nicht mehr durch und wünschen sich zunehmend einfache Antworten.

Nach der Veranstaltung standen viele noch fast eine Stunde zusammen und diskutierten weiter

Thomas Gambke ist überzeugt, dass der philippinische Despot Duterte z.B. 80% Zustimmung von der Bevölkerung für seine brutale Politik hat, weil er eben diese einfachen Antworten zu geben scheint. Zum Beispiel durch die Bekämpfung der Drogenmafia: Unzählige Menschen werden einfach umgebracht, ihre Schuld wurde nie bewiesen, sie verschwinden, egal, ob Drogenopfer oder nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.

Manche Inhalte müssten wir neu denken, meinte Gambke, z.B. CETA. Wir Grüne waren dagegen – aber unter den gegebenen Bedingungen sei das falsch. Auch TTIP sollte neu überdacht werden. Wir brauchen keine Handelskriege, sondern freien Handel (klar, ohne Schiedsgerichte – die hätten die USA reinverhandelt, die Europäer wollten das nie). Wir sollten unbedingt ökologische und soziale Randbedingungen mit verhandeln. Es sei besser, mit Ländern zu reden, als Kriege zu führen. Transparenz bräuchten wir, das habe man bei TTIP von Anfang an falsch gemacht.

Es sei auch längst an der Zeit für eine Gleichbezahlung von Männern und Frauen und auch die unteren Einkommensschichten müssten ein gutes Einkommen haben und eine gute Ausbildung bekommen. Entsprechende Gesetze müssten her: In seiner  Firma, in der er 25 Jahre lang gearbeitet habe, hätten die Manager nur maximal das 10fache eines Facharbeiters verdienen dürfen. Außerdem bräuchten wir den Austausch, die jungen Leute sollten reisen,  Europa und die Welt sehen.

Die Bildung von Monopolen sei schlecht, wie bekommen wir Wettbewerb organisiert? Er bleibt auf jeden Fall optimistisch. Jeder müsse bei sich selbst anfangen, deshalb sei er auch in die Politik gegangen. Wir können stolz auf unsere öffentlich-rechtlichen Sender sein, die würden eine vernünftige Informationspolitik ermöglichen.

Es waren sogar Gäste aus Ahrensburg dabei

Christiane Blömeke moderierte und sammelte die Fragen, die reichlich von den Gästen kamen. Gefragt wurde auch nach dem Kundenzentrum – das wurde aber gleich gebremst, das sei jetzt nicht der Ort, um das Thema aufzurollen, das würden den Abend sonst sprengen.

Einige Teilnehmer meinten, die Welt werde ungerechter, man tue alles für Flüchtlinge, aber nichts für Obdachlose. Dem widersprachen Christiane und Thomas vehement, schließlich sei jeder Container, jedes Camp auch für Obdachlose offen, nicht nur für Geflüchtete.

Gambke meinte zum Schluss, wir müssten die richtigen Fragen stellen, um Menschen zu überzeugen. Zum Beispiel diese: Wollt Ihr die immer größeren Flachbildschirme – oder wollt Ihr wieder in der Isar oder in der Elbe schwimmen? In München hätten sich die Menschen immer für die Isar entschieden!

Zum Schluss trafen sich alle noch auf einen Schluck Wein und Saft und diskutierten die Themen weiter, das Interesse war sehr groß. Einige jüngere Teilnehmer schlugen vor, wir sollten doch am Format arbeiten, damit sich noch mehr Menschen einbringen könnten. Andere hatten den Brexit und Trump vermisst und sich noch mehr Input von Thomas Gambke gewünscht. Wir arbeiten daran – und es gab nach der Veranstaltung auch schon Ideen für weitere Gespräche!

Thomas Gambke in Kürze: Der grüne Politiker ist promovierter Diplom Physiker, hat zunächst an der TU Darmstadt gearbeitet, war später 25 Jahre bei der heutigen Schott AG, ist 1990 nach Landshut gezogen, war bei Schott zuständig für internationale Märkte, vor allem in den USA und Asien. 2007 hat er mit weiteren Gesellschaftern ein Unternehmen in Berlin gegründet und ist heute noch im Beirat dieser Gesellschaft.
Die grüne Karriere begann 2005 als Mitglied im bayerischen Landesarbeitskreis Wirtschaft&Finanzen, 2008 zog er in Landshut in den Stadtrat ein, war dort u.a. Mitglied des Umweltsenates und ist seit 2009 im Deutschen Bundestag, Mitglied im Finanzausschuss des Bundestages sowie bei der Enquete Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität und ist Vorsitzender der Asean Parlamentariergruppe. Seit 2012 ist er Mittelstandsbeautragter der Grünen Fraktion, inzwischen auch Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie und Berichterstatter der grünen Fraktion für Mittelstandspolitik und Handwerk. Vor kurzem ist er aus München zusammen mit seiner Frau nach Volksdorf gezogen. 

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