Rad oder Baum, was geht vor?

Martin

Verkehrssprecher der Grünen in der Bürgerschaft Martin Bill (links) neben Hans Schröder und Dr. Ulla Martin

Bei der Stadtteilgruppe ging es diesmal hoch her – aber der Reihe nach: Eingeladen war Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in der Bürgerschaftsfraktion. Wir wollten gemeinsam die Umbaumaßnahmen zur Kreuzung Waldweg/Halenreie rückschauend  betrachten und uns auf die Maßnahmen zur Lemsahler Landstraße vorbereiten. Das hatte offenbar viele Mitglieder interessiert, so dass wir zu zwölft in der Malschule von Karsten Grote saßen, unserem grünen Treffpunkt.

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Die Stadtteilgruppe Walddörfer/Alstertal – gut besucht, ein Thema, das interessiert

Für Martin steht fest: „Verkehrspolitik wird vor allem in den Bezirken gemacht, da können wir noch so viel über Landespolitik diskutieren!“ Der Plan der Koalition: Der Radverkehr soll um 20% gesteigert werden; konkrete Zahlen gibt es leider nicht, da erst jetzt eine Zählung der Radler*innen in Hamburg (auf Wunsch der Grünen) veranlasst wurde. Bei Autos ist eine solche Zählung übrigens seit Jahrzehnten selbstverständlich. 280 km Velorouten sollen in Hamburg gebaut werden, sternförmig in allen Bezirken auf die City zulaufend. „So wie sich die SPD vorgenommen hat, 6000 Wohnungen pro Jahr zu bauen, haben wir Grünen den Plan, jährlich 50 km  an Radwegen zu restaurieren und auszubauen.“  Zum Glück gibt es im Koalitionsvertrag genaue Vorgaben, so dass die Umsetzung relativ problemlos über die Bühne geht. Viele neue Projekte sind in Wandsbek geplant: „Ihr seid eben richtig groß, habt viel Fläche!“ Als es dann darum ging, wie man Problemlösungen finden kann, wenn Bäume auf den geplanten Velorouten stehen, platzte allerdings einigen Mitgliedern der Kragen: Was Vorrang habe, könne für uns Grüne doch gar keine Frage sein – ob denn Natur nur noch Stimmenthema sei, hieß es. Wir seien doch schließlich angetreten, Anwalt der Natur zu sein. Viele würden uns schon nicht mehr wählen, weil sie diesen Ansatz bei den Grünen nicht mehr fänden, Volksdorf würde bereits Klotzdorf genannt. Außerdem würde es doch gar keinen Spaß machen, direkt neben den rasenden Autos auf Hauptverkehrsstraßen im Motorengestank zu radeln! Man solle lieber den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und preiswerter machen.

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Oliver Schweim begrüßt die Kritik der Naturschützer an Baumfällungen

Nach kurzem, heftigen Meinungsaustausch beruhigten sich die Gemüter ein wenig – und Oliver Schweim begrüßte die Kritik ausdrücklich: „Das ist die Stimme unserer Basis, die wir bei all unseren Planungen immer im Ohr haben!“ Olaf Duge versuchte, den großen Bogen zu schlagen und wies darauf hin, dass wir doch unser Klimaziel erreichen wollten, 1,5 Grad weniger Erderwärmung. Das schafften wir nur mit einer konsequenten Energiewende, auch im Straßenverkehr. Damit würden unterm Strich viel mehr Bäume gerettet als durch einen einzelnen nicht gefällten Baum. Aber natürlich würde man auch um jeden einzelnen Baum kämpfen – so wie gerade im UKE passiert, als man um einen Baum herum gebaut hat; der ja auch gerade dort als Symbol des Lebens eine tiefe Bedeutung habe. In der Hafencity würden bewusst Obstbäume gepflanzt. An den Bäumen erkenne man schließlich den Wandel der Jahreszeiten.

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Radfahren im Eilbektal: Platz für alle, getrennt vom Autoverkehr

Martin erklärte, dass der Verkehr in den Stadtstraßen abnähme, auf den Ringstraßen und Autobahnen aber immer mehr Autos führen. Leider: Der KFZ-Verkehr gelte in vielen Köpfen immer noch als gesetzt. Und die Planunmöglichkeiten auf bestehenden Straßen seien nun mal begrenzt. Dann hieße es in der Regel: Entscheidet Euch, Rad oder Baum! Das sei falsch, schließlich ginge es um alle Verkehrsteilnehmer auf der Straße!  Deshalb sei die Radverkehrsplanung inzwischen immer eingebunden in die gesamte Verkehrsplanung, und die Planer schauten sich die Nutzung durch Fußgänger, Autos u n d  Räder an, bevor sie eine Entscheidung träfen.

Darüber hinaus würde Jens Kerstan in der Umweltbehörde einen sehr guten Job machen, der leider viel zu wenig beachtet würde. Nachpflanzungen wurden inzwischen verdreifacht, es gäbe drei neue Naturschutzgebiete. Hamburg werde sich zunehmend verdichten, das sei ein Megatrend. „Es ist aber bescheuert, dass wir viel zu sehr in Landesgrenzen denken. Wir sollten lieber die Metropolregion verdichten, den Regionalverkehr besser ausbauen und günstiger anbieten!“

Clamor von Trotha fasste das Ergebnis der Sitzung zusammen: „Martin wird den Planungsstand der verschiedenen Strassenbauprojekte erfragen und uns mitteilen. Wie schon bei der Halenreie wird es all diese und schwierigere Konflikte auch weiter geben, zum Beispiel bei den Planungen zur Sanierung der Lemsahler Landstraße. Für die Zukunft wünschen wir uns eine stetigere Kommunikation in der Planungsphase, auch bei den Projekt-Vorstellungen – und das nicht nur mit der Stadtteilgruppe, sondern auch in den Ausschüssen, insbesondere bei der Kommunikation mit dem Koalitionspartner.“
Fazit: Spannende Diskussion, gute Infos! Meine persönliche Bitte an die Stadtteilgruppenleitung Uwe und Clamor: Mehr davon!

Einen interessanten Artikel über Hamburg als Fahrradstadt gibt es bei ZEIT ONLINE.

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