Am Ziel: Rathausmarkt

Mobil ohne Auto über die Köhlbrandbrücke

Die Radler*innen kamen aus Itzehoe, Bad Bramstedt, Mölln, Lüneburg oder Buxtehude. Oder aus Altona, Wandsbek, Winterhude und Eimsbüttel. Das Aktionsbündnis „Mobil ohne Auto“ hatte dazu aufgerufen, sternförmig in und um Hamburg herum von über 60 Startpunkten aus Richtung Rathausmarkt zu radeln.

Die Walddörfer Stadtteilgruppe traf sich mit Clamor und Uwe am Bahnhof Volksdorf, beim Gut Karlshöhe stießen die Alstertaler Grünen und Olaf und Ilka dazu. Unser Schatzmeister Heinrich und Oliver kam nach Farmsen, ab Wandsbek waren dann auch unsere Senatoren Jens und Till dabei. Mit etwa 26.000 Teilnehmer*innen (Schätzung der Veranstalter) waren zwar nicht ganz so viele Radler*innen dem Aufruf gefolgt wie im letzten Jahr, die Atmosphäre war trotzdem bestens.

Jede(r) Zweite – wie ich auch – wollte gern über die Köhlbrandbrücke radeln. Das Rüberkommen nach Finkenwerder war diesmal nicht einfach, pro Fährfahrt durften nur 10 Räder mit. Als wir um viertel nach 10 Uhr am Anleger Landungsbrücken waren, warteten dort aber schon etwa 30 Radler*innen. Noch schlechter waren die dran, die an den nächsten beiden Fähr-Stationen mitwollten. Dort durfte kein Rad zusätzlich an Bord. „Wir sind ja schließlich nicht nur Fahrradfähre“, meinte der Kapitän. Zum Glück fuhren die Fähren öfter als sonst, so dass wir es noch bis kurz vor 12 rüber auf die andere Elbseite schafften. Und am Sammelplatz am Finkenwerder Markt erstmal einen heißen Kaffee brauchten, die Überfahrt war kälter und windiger als gedacht. (Man hätte auch durch den alten Elbtunnel fahren können, das sind aber über 20 km mehr).

Pünktlich ging es los: Familien mit kleinen Kindern durften zuerst hinter dem Blaulicht der Polizei herfahren. Dann kam der Rest. Kurz vor der Köhlbrandbrücke gab es eine Sammelstelle mit einem zweiten Zug – und dann ging es flott nach oben. Der Blick von hier ist jedesmal wieder der Hammer! Unter uns rollt ein Rad nach dem anderen dem sanften Schwung der Zubringerstraße folgend Richtung Brücke, ein Ende ist nicht in Sicht. Vor uns: Räder so weit man schauen kann! Hinter uns: Räder, Räder, Räder…. Gänsehautstimmung!

Oben am Scheitelpunkt der Brücke angekommen, möchte natürlich fast jede(r) einen Moment innehalten und den Ausblick genießen. Dementsprechend staute es sich, bis es nur noch zu Fuß weitergeht. Die Stimmung war bestens, von hinten kam das eine oder andere Musikrad vorbei, mit Chansons, türkischem Sound oder coolen Beachdrums.

Nach der Brücke gab es wieder eine Sammelstelle am Deich. In der Ferne die Elbphilharmonie, davor die kleinen Deichhäuser, ein schönes Bild. Leider war es nicht so sonnig wie in den letzten

Jahren, aber zum Glück hat es so gut wie nicht geregnet. Ideal zum Radeln, also. Und für ein kleines Picknick war es warm genug. Die Harburger Grünen hatten Kirschen und ihre Fahnen dabei und waren weithin sichtbar.

Anschließend führte die Strecke über die Autobahn, und wir konnten im achtem Gang richtig losspurten, vierspurig Richtung Hamburg-Centrum. Die Autos mussten an den Auffahrten warten, nahmen es gelassen und winkten uns sogar zu. Am Hauptbahnhof ging es ab nach unten in den Wallring-Tunnel. Lautes Juchzen und Pfeifen zeigte, wie gut drauf alle waren.

Die Abschlusskundgebung fand auf dem Rathausmarkt statt. Umweltsenator Jens Kerstan stellte das „Bündnis für den Radverkehr“ vor. Man hätte eigentlich gleich dableiben können, um an der anschließenden Menschenkette gegen Rassismus teilzunehmen – aber so manch eine(r) war dann doch froh, zu Hause die Füße hochlegen zu können.

Und Clamor hätte sich mehr Werbung für die Folgeveranstaltung gewünscht: „Wir wussten nicht so richtig, wo es wann weiterging. Wäre das klarer gewesen, wären bestimmt nicht so viele Radfahrer weggefahren, sondern noch zur Menschenkette geblieben.“

Leider gab es einige kleinere Unfälle. Betroffen waren auch die Harburger Grünen, eine Mitradlerin stürzte und musste mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus.  Gudrun Schittek war aber froh, dass „zum Glück ganz schnell  ganz viele hilfsbereite Leute am Unfallort“ waren.

Die nächste Sternfahrt findet am 18.Juni 2017 statt.

Fotos: Christa Möller, Clamor von Trotha, Heinrich Sackritz

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