Olaf Duge: Olympia als Riesenchance für den Wohnungsbau

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Foto: http://www.wir-sind-feuer-und-flamme.com/bleibende-werte-24-mal-olympisches-erbe

Olaf Duge, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, Sprecher für Stadtentwicklung & Wohnen: ”Immer drängender taucht die Frage auf, wo in Anbetracht des zunehmenden Drucks auf die Bebauung von Landschaftsschutzgebieten und Landschaftsachsen Grüne Politik bleibt. So erfreulich auch die Ankündigung zur Einrichtung dreier neuer Naturschutzgebiete (Allermöhe, Neuländer Marsch,Volksdorfer Wiesen) sein mag, für eine befriedigende Antwort auf eine Grüne Stadtentwicklungspolitik ist das nicht ausreichend.  Gerade aus der Natur-und Umweltbewegung explizit vom BUND, vom Nabu, vom Botanischen Verein u.a.  ist zu Recht immer wieder die Reduzierung des Flächenverbrauches besonders der naturnahen Flächen eingefordert und die Bebauung von Landschaftschutzgebieten kritisiert worden. Die fortgesetzte Bereitstellung von weiteren Landschaftsschutzgebieten für Express-Flüchtlingssiedlungen kann daher keine Dauerlösung sein.

Insbesondere durch den nach wie vor ungebremsten Zustrom von Flüchtlingen verstärkt sich aber der ohnehin vorhandene Druck, noch mehr Wohnraum bereitzustellen. Hamburg hatte auch in den letzten Jahrzehnten, besonders seit der Wende in den 90er Jahren, einen wenn auch nicht so rapiden Bevölkerungszustrom, der durch Wohnungsbau auf den damals zur Verfügung stehenden Konversionsflächen (die Wiedereingliederung von Brachflächen, CM) wie z.B. Kasernenflächen des Bundes, stillgelegten Güterbahnhöfen und Krankenhausflächen, zur Verfügung stand. Diese Optionen sind weitgehend ausgeschöpft.

Alle Anzeichen sprechen dafür, dass der Bevölkerungszuwachs in Hamburg –  und das ist nicht nur auf den Flüchtlingsstrom zurückzuführen – weiterhin  auf hohem Niveau anhält. Die Bevölkerungsprognosen werden voraussichtlich deutlich nach oben korrigiert werden müssen, und Hamburg wird in den 20er Jahren die 2 Mio–Grenze erreichen.

Eine Umleitung der Zuwanderungsströme z.B. in leerstehende Wohnungen anderer Bundesländer, wie sie zur Zeit z.B. in der LAG Planen/Bauen/Wohnen diskutiert wird, kann keine dauerhafte Lösung sein in einem Land, in dem Freizügigkeit herrscht. Der Drang in die Metropolen wird ohnehin anhalten.

Wenn wir die grünen Landschafts- und Klimaachsen der Stadt bewahren wollen, müssen wir den Zustrom über mehr Dichte im Zentrum und den zentrumsnahen Stadtgebieten auffangen. Das bedeutet eine größerer Ausnutzung der jeweiligen Flächen und gilt sowohl für Wohnungsbau als auch für Gewerbe und für Freiflächen, deren Nutzungen weg von mono- zu multicodierten Zwecken notwendig ist. Flächenverschwendung, wie in vielen Stadtteilen noch zu finden, werden wir uns in Zukunft nicht leisten können. Das erfordert einen erheblichen Umbau der Stadt, und das erfordert eine bessere Anbindung des Hamburger Südens an die City.

Straßenflächen werden nicht nur mehr für Autos reserviert werden können, Mobilität muss in Richtung ÖPNV und mehr Radverkehr entwickelt werden, der Geschosswohnungsbau mit zwei Geschossen mehr wird notwendig sein und gestaltet werden müssen, Gewerbeflächen müssen optimaler und vor allem auch mehrgeschossiger geplant werden, und es werden auch Verlagerungen und Konversionen auf weiteren Flächen notwendig sein.
Einige dieser Flächen bahnen sich bereits an durch die Verlagerung von Kleingärten auf dem A7-Deckel (wahrscheinlich nicht die letzte Verlagerung von Kleingärten) , durch die Verschwenkung der Wilhelmsburger Reichsstraße, durch die Ausweitung der Neuen Mitte Altona (Bau den Bahnhofes Diebsteich) und die  Aufgabe der Trabrennbahn Bahrenfeld. Aber das wird alles nicht reichen.

Deswegen ist Olympia eine Chance für die natur- und umweltschonende Entwicklung der Stadt. Klar, Olympia ist vordergründig ein Mega-Sportereignis, aber wer sich vergangene Olympischen Spiele z.B. in  Barcelona oder London ansieht, wird nicht umhin können festzustellen, dass es auch etwas mit der Stadtentwicklung (und das meine ich nicht nur baulich) gemacht hat, das bis heute nachwirkt, und zwar besonders auch im Randbereich der Gewässer.

Die Nutzung völlig untergenutzter Hafenflächen wie den Kleinen Grasbrook ist der Bebauung unserer Landschaftschutzgebiete allemal vorzuziehen und schafft die Chance, statt abgehängter Siedlungen am Stadtrand qualitativ anspruchsvolle Stadtteile (inklusiv, ÖPNV-angebunden) mit der Anbindung Harburgs an die Innenstadt in weniger als 10 Jahren zu entwickeln. So schnell werden weder die weiteren Flächen in der Mitte Altonas noch die Flächen durch die Kleingartenverlagerung auf den A 7-Deckel bereitstehen. Es wäre daher wirklich natur-, umwelt- und sozialpolitisch ein schwerer Fehler uns die Chance einer zügigen Entwicklung des kleinen Grasbrooks mit dem Olympischen und Paralymischen Spielen entgehen zu lassen.“

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1 Kommentar

  1. Stephan Heymann

    Ich stelle hiermit fest, dass in der LAG Planen Bauen Wohnen NICHT die „Umleitung der Zuwanderungsströme z.B. in leerstehende Wohnungen anderer Bundesländer“ diskutiert wird! Wir diskutieren darüber ob es richtig ist in Hamburg neue dauerhafte Sozialwohnungen an der Landesgrenze zu errichten, statt die Energie jetzt auf die schnelle Erschließung der Potentialer in der Stadt zu lenken. Außerdem haben wir diskutiert, ob eine Abrissförderung in Städten in Reichweite der großen Metropolen sinnvoll ist oder ob dieses Geld lieber in bessere Infrastruktur und Städtebauförderung gesteckt werden muss, um diese Städte wieder attraktiver und zu Alternativen zur teuren Stadt zu machen.