3 Fragen an Petra Schröder

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BU: Petra Schröder, stellvertretende Vorsitzende im Kreisvorstand ist gegen Olympia in Hamburg

Petra, du vertrittst uns beim Landesausschuss, der sich am Dienstag, 13.10.,  mit Olympia befasst. Was hältst du von Hamburgs Olympiabewerbung?

Die Prioritäten werden in allen Verwaltungsebenen auf Olympia liegen und in den weniger betroffenen Stadtteilen wird es an allem mangeln, schon jetzt ist doch der Sparzwang zu spüren. Ich denke eher, wir sollten die Lebensqualität in meiner schönen Heimatstadt erhalten und wiederherstellen, z.B. die Luftqualität, die Grünflächen etc. Wenn bei jeder Tempo-30-Zone aus Kostengründen bepflanzte Verkehrsinseln „out“ sind, von den Bäumen gar nicht zu reden – das schadet doch dem Klima, die Prognosen für die nächsten Jahre gehen von immer heißeren Sommern aus – und dann nur noch Steine ringsum?

Und als Lehrerin denke ich natürlich auch an die Kinder. Vor einigen Jahren habe ich an einem Fortbildungstag teilgenommen, eine Architektin forderte, auf jeden öffentlichen Platz Kinderspielgeräte aufzustellen. Klingt doch gut, oder? Aber die Stadt hat ja noch nicht einmal das Geld, um vorhandene Anlagen zu unterhalten.

Also, statt Olympia soll Hamburg lieber die kinderfreundlichste Stadt Europas mit der saubersten Luft werden!

Olympia ja oder nein?
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Aber würde Olympia nicht auch dem Breitensport einen Schub geben?

Ich glaube, dass die Befürworter sich vor allem persönliche Vorteile von Olympia versprechen, berühmt werden wollen oder daran verdienen werden. Der kleine Breitensportler hat doch nicht die tollen Vorteile – oder werden wirklich alle Sportanlagen dafür saniert? Tut mir leid, dass kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Denk bloß an die IGA in Wilhelmsburg. Wie schön hörten sich die Planungen an. Und dann kam das finanzielle Desaster, auf dem die Steuerzahlen sitzenblieben.

Und was ist mit der Stadtplanung, wäre die neue City auf dem Grasbrook nicht zukunftsweisend?

Ja, aber vorher müssen noch die Industriebetriebe vom Grasbrook verlegt werden – und wohin? Womöglich nach Wilhelmsburg, was den Stadtteil nach einem kurzen Aufwind wieder zum ungeliebten Kind macht… Und ob das Erbauen riesiger Anlagen mit direkt folgendem Rückbau – sprich Abriss! – nachhaltig ist oder Verschwendung, muß jeder selbst beurteilen.

Ich lese hin und wieder zu gern Animal Farm von George Orwell, da schwingen die Schweine auch so blumige Reden und die Schafe nicken beeindruckt. Mich überzeugt das alles nicht, ich halte das für größenwahnsinnig.

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3 Kommentare

  1. Holger Gundlach

    Mag sein, dass neben Geschäftemachern auch der Hamburger Breitensport von OS in Hamburg profitieren würde. Aber ist es nicht so, dass ein Gutteil der nun unter der Überschrift Olympia geplanten auch dem Breitensport zu Gute kommen sollenden Maßnahmen auch ohne die OS notwendig sind? Daran wird sich der Bund wohl kaum beteiligen. Lt. Handelsblatt, taz und anderen Medien steht der Bund einer finanziellen Beteiligung und insbesondere einer festen Zusage sehr skeptisch gegenüber. Aber vielleicht ist das ja auch der Trick von Olaf Scholz: Er profiliert sich gleichzeitig als Olympiabefürworter und sorgsamer Haushälter – und wenn der Bund seine Bedingungen nicht erfüllt, kann er ohne Gesichtsverlust die Bewerbung zurückziehen.

    Im Übrigen berücksichtigt der Finanzreport nur die finanziellen Risiken der Baukosten, nicht aber die Risiken bei Finanzierungskosten und Erträgen sowie des Hamburger Haushalts:
    – Steigendes Zinsniveau
    – geringere Erträge für das IOC aus Sponsoring und Eintrittskarten (m.W. schließt der Host-City-Vertrag eine Beteiligung des IOC an den Risiken nicht vor)
    – Sanierung / Auffangen der HSH-Nordbank
    – Kosten i.Z.m. der Aufnahme, Unterbringung, Versorgung und Integration der Flüchtlinge
    – Schuldenbremse

    Und eine letzte Anmerkung:
    Wenn es stimmt, dass der vorliegende Entwurf des Host-City-Vertrags Hamburg verpflichtet, während der OS sowie eine Woche vor- und nachher olympiakritische Veranstaltungen zu verhindern – es sei denn das IOC hätte zugestimmt -, verbietet es sich von selbst, diesen Vertrag zu unterschreiben. Da Versammlungs- und Meinungsfreiheit Vorrang vor olympischen Befindlichkeiten gebührt, muss bei einer Bewerbung deutlich gemacht werden, dass daran die Bedingung geknüpft ist, dass die deutschen Gesetze uneingeschränkt auch für die Durchführung von OS gelten.

  2. Christiane Blömeke

    Im Zuge der Olympia Bewerbung und der Spiele selber ist vorgesehen, dass 12 Schwimmhallen, 37 Sporthallen und 62 Sportfelder mit rund 268Mio Euro modernisiert und saniert werden. Das betrifft Schulsporthallen im Stadtteil ebenso ,wie den Sportplatz im Stadtteil um die Ecke.
    Dazu wird es eine komplett neu gebaute Radrennbahn in einem neuen Velopark Stellingen geben und zwei weitere – noch nicht mit einem Standort angegebene neuer dauerhaft nutzbare Sportstätten. Dafür sollen 132 Mio Euro ausgegeben werden.
    Das große Olympiaschwimmbad wird nach den Spielen ein neues Freizeit/Schulschwimmbad mit vielen Attraktionen…
    Alle diese Sportstätten stehen dem Breitensport nach den Spielen zur Verfügung. (z.T auch schon vorher)
    Zusätzlich werden rund 94 Mio Euro für die Modernisierung und Instandsetzung von Traditionssportstätten, wie Derby Park in Klein Flottbek oder Tennis am Rothenbaum ausgegeben.

    Diese Sanierungen könnten wir aus dem Hamburger Haushalt so umfangreich nie bezahlen. Nur durch den Zuschuss vom Bund ist das möglich. Es gibt sicherlich noch an dem einen oder anderen Punkt Kritik über die Olympischen Spiele und auch Klärungsbedarf zu einigen Punkten – die habe ich auch, aber wenn eines klar ist, dann das der Sport schon jetzt Gewinner der Bewerbung rund um die olympischen Spiele ist.

    Wie da also die Behauptung erhoben werden kann, dass der Breitensport nicht profitiert ist mir rätselhaft und ich habe nicht erkennen können, mit welchen Fakten diese Behauptung erhoben wird.

    Es lohnt sich ein Blick in den Finanzbericht zu werfen, um weiter zu lesen, wie viel Geld in den Ausbau des ÖPNV investiert werden soll (793 Mio) – davon alleine 122 Mio für den Radverkehr und den Fußverkehr und das für die Entwicklung des Kleinen Grasbrooks 3,4 Mrd Euro aufgebracht werden. Mit diesem Geld werden die Betriebe verlagert, die da jetzt noch sind und es entsteht ein Stadtteil mit fast 3000 Sozialwohnungen. Ohne Olympia und ohne die Gelder vom Bund würde es den Wohnungsbau auf dem Kleinen Grasbrook nicht geben!

    Ich finde es berechtigt sich kritisch zu Olympia zu äußern, aber dann wäre es auch schön sich an die Fakten zu halten und nicht nur Behauptungen aus dem Bauch heraus aufzustellen.