Hitzige Diskussion um den Jenfelder Moorpark

Auftakt

Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff und Chefin des Einwohnerzentralamtes Johanna Westphalen (links) erklären zusammen mit Vertretern von Fördern und Wohnen die schwierige Situation

Polizei

Zwei Polizisten stehen am Eingang

Jenfelderin

Wir haben nichts gegen Asylbewerber sagen viele Jenfelder

11jähriger

Ein 11-jähriger Junge fürchtet sich – und seine Freunde erzählen, Flüchtlings-Mädchen dürften keine Röcke tragen

Der Bürgersaal in Wandsbek ist voll bis auf den letzten Platz, hinten wird in mehreren Reihen gestanden. Die Atmosphäre ist angespannt. In der Zeltstadt im Jenfelder Moorpark sind gerade die ersten 150 Flüchtlinge eingetroffen. Johanna Westphalen, Leiterin des Einwohnerzentralamtes, entschuldigt sich gleich zu Beginn für die schlechte Kommunikation bei der Aufstellung der Zelte. Sie versucht zu erklären, wieso es dazu kam: Bereits jetzt seien in Hamburg so viele Flüchtlinge angekommen, wie im ganzen Jahr 2014, allein in den letzten zwei Wochen waren  2500 – und ein Ende sei nicht abzusehen. 200 Menschen kämen zur Zeit täglich dazu. Ihre Behörde stünde vor unglaublichen Herausforderungen, die Erstaufnahme-Stellen platzten aus allen Nähten, man wolle vor allen Dingen Obdachlosigkeit vermeiden. Die Menschen seien ja nun mal einfach da und bräuchten ein Bett, Mahlzeiten und ein Taschengeld. Deshalb ginge es manchmal holterdiepolter, aber man werde versuchen, in Zukunft besser zu informieren. Viele der etwa 400 anwesenden Jenfelder wollen das alles gar nicht hören. „Wir sind auch da – und um uns kümmert sich keiner“, wird gerufen. „Sie langweilen uns mit Ihrer schlechten Rhetorik, wir wollen Antworten auf unsere Fragen!“ und „Wo sind die Zeltlager in Blankenese?“ „Wie hoch ist das Taschengeld – wohl mehr als Hartz 4?“ „Die Zahl der Flüchtlinge reicht doch erstmal, wo soll das enden?“ Ein Mann skandiert: „Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land.“ Der anfängliche Tumult beruhigt sich etwas und viele Jenfelder betonen, dass sie nicht rechts stünden, nichts gegen Ausländer hätten, „wären lauter Berliner gekommen, hätten wir genauso reagiert!“, die ausgesuchte Fläche sei aber einfach denkbar ungeeignet. Ein anderer ergänzt: „Der Park ist ein Moor, wenn es regnet, säuft alles ab. Der Boden ist nicht eben, die Zelte laufen voll.“ Und die Zeltstadt grenze direkt an ihre Wohnungen, sei zum Teil nicht mehr als 10 Meter entfernt. Die ganze Nacht strahle das Flutlicht über Zelte und Wohnungen, die Generatoren brummten unablässig. „Unsere Kinder haben keinen Platz mehr zum Spielen.“

Schulleiterin

Die Schulleiterin der Otto-Hahn-Schule, Renate Wiegandt heißt die Flüchtlinge mit ihren Schülern willkommen

Die Schulleiterin der nahe gelegenen Otto Hahn-Schule möchte aus der sehr emotional aufgeheizten Auseinandersetzung ein wenig Druck nehmen und hat gemeinsam mit ihren Schülern beschlossen, die Flüchtlinge einzuladen, um Verbindungen zu schaffen. Ein Jenfelder gründete gleich eine Initiative, um zu helfen, da er sich mehr vor pöbelnden Deutschen fürchte als vor Ausländern. Andere wollten nur wissen, wie sie am besten unterstützen könnten.

NDRinterview

NDR und Sat1 holen vor und nach der Veranstaltung ihre O-Töne

Bezirksamtchef Thomas Ritzenhoff stellte klar, dass kein Stadtteil ausgespart werde, überall würden neue Stationen gebaut werden. Die Flüchtlinge kommen aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, aus dem Kosovo und Albanien, etwa die Hälfte würde wohl bleiben, schätzt Johanna Westphalen. Und der Vertreter von Fördern und Wohnen, Martin Leo, verspricht, die Scheinwerfer anders auszurichten.

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Die Schulsprecherin der Otto-Hahn-Schule meint: „Wir sind doch nicht die Armen, das sind doch die Flüchtlinge“ – und erntet Beifall und Buhrufe

Das Jugendzentrum Jenfeld plant am 30.7., 16 Uhr ein Treffen, um nachbarschaftliche Hilfe zu koordinieren.

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