Kretschmann und die Politik des Gehörtwerdens

Kretschmann

Plakat „Grüne Partei, die Flüchtlinge beobachten dich, halte deine Versprechen! Never mind the papers, wir brauchen nicht noch mehr Verräter“. 

Kretschmannredet

Winfried Kretschmann erläutert die Politik des Gehörtwerdens. Fotos: Armin Metzger

Dennis,Sami

Wandsbek war bei der Veranstaltung gut vertreten, mit Dennis und Sami…

Chr.,Heinr.Petra

…und Christa, Heinrich und Petra

DiskussionJens Ruhig, entspannt und freundlich wirkt er – auch als im Blitzlichtgewitter der Fotografen ein Transparent (siehe links) entrollt wird, bleibt Winfried Kretschmann völlig gelassen. Nach wenigen Minuten wird das Plakat wieder eingerollt und Flüchtlingspolitik ist kein Thema mehr – überraschenderweise auch nicht in der abschließenden Diskussionsrunde in der Freien Akademie der Künste am Klosterwall.

Im Gespräch mit dem Hamburger Spitzenkandidat Jens Kerstan geht es um die Erfolge der Grünen in Baden-Württemberg und die Herausforderungen für die Grünen in Hamburg. Einig sind sich die beiden in ihrem Verhältnis zur Wirtschaft: „Erst, wenn wir zeigen, dass wir mit ökologisch orientierten Wirtschaftsmodellen Erfolge haben, werden die anderen Nationen weltweit uns folgen“, sagt der Ministerpräsident. Man müsse sich nur Bilder von Pekings Luftverschmutzung ansehen, um zu verstehen, dass die Menschen es dort mit den überholten Technologien nicht mehr lange aushalten können. „Die CDU hat das ja noch nicht begriffen, aber es gibt viele Branchen, die ohne ökologische Konzepte gar nicht funktionieren.“ Jens Kerstan hat gleich ein Beispiel aus Norddeutschland parat: die Windenergie. „Diese Branche gäbe es ohne uns Grüne gar nicht. Inzwischen haben wir hier 45.000 Arbeitsplätze, dort wird mehr Stahl abgenommen als von den Werften!“

Um innovative Technologien entwickeln zu könne, braucht man hervorragende Bildungseinrichtungen, davon ist Kretschmann überzeugt. Deshalb wird unter seiner Regierung soviel Geld in Bildung investiert, wie in keinem anderen Bundesland – und er steht mit seinem Forschungs- und Entwicklungsetat sogar an der Spitze von ganz Europa. Schließlich sei der globale Forschungswettbewerb gigantisch, da dürfe man nicht sparen. Bitter für Hamburg: das sei hier leider ganz anders, erläutert Jens Kerstan. Die Zuwachsraten für Bildung seien so niedrig, dass sie faktisch einer Kürzung gleich kämen. In der Hansestadt hätten gerade mal 16% aller Beschäftigten einen Hochschulabschluss, in München z.B. seien es dagegen 24%.

Ein weiterer wichtiger Punkt für beide: die Beteiligung der Bevölkerung. Winfried Kretschmann schult die Behörden, damit die Beamten nicht länger genervt seien, wenn Anfragen aus der Bevölkerung kämen. Er nennt das die „Politik des Gehörtwerdens.“ „Viele Menschen in Baden-Württemberg hatten den Stil meines Vorgängers satt. Jetzt wissen sie, dass wir ihnen zuhören, dass sie mit ihren Problemen und Fragen zu uns kommen können.“ Nur so könne Politik gemacht werden. Jens erklärt, dass es deshalb auch weder Olympia noch die Stadtbahn geben könne, ohne dass die Bevölkerung nicht vorher in einer Umfrage ihr Votum abgäbe. Mit Hilfe eines sogenannten 5-Punkte-Plans wollen die Grünen deshalb auch die Einbeziehung aller HamburgerInnen in politische Entscheidungen vertiefen. Für Jens ist deshalb klar: „Wer eine grüne Verkehrspolitik, mehr und bessere Kitas, mehr Bildung will, der muss am 15.2. Grün wählen.“

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